Bädersterben

Altmarkkreis: Waldbad-Verein in Liesten gibt nicht auf

Seit 2018 ist das Waldbad in Liesten geschlossen. Seit dem kämpft der gleichnamige Förderverein dafür, dass die beliebte Freizeiteinrichtung wieder geöffnet wird. Bislang ohne Erfolg. In einem Interview spricht Vereinsvorsitzender Andreas Weigelt mit Volksstimme-Redakteurin Antje Mewes über das Thema.

Wie geht es weiter mit dem Freibad im Salzwedeler Ortsteil Liesten? Darüber sprach Volksstimme-Redakteurin Antje Mewes mit dem Vorsitzenden des Waldbad-Vereins, Andreas Weigelt.
Wie geht es weiter mit dem Freibad im Salzwedeler Ortsteil Liesten? Darüber sprach Volksstimme-Redakteurin Antje Mewes mit dem Vorsitzenden des Waldbad-Vereins, Andreas Weigelt. Archivfoto: Fotostudio Wiedemann

Volksstimme: In wenigen Wochen beginnt die Freibadsaison, wie ist die aktuelle Lage in Liesten, gibt es schon einen Nutzungsvertrag?

Andreas Weigelt: Nein, wir haben noch keinen Nutzungsvertrag, brauchen ihn aber dringend, weil davon die 70.000-Euro-Förderung aus dem Leader-Programm abhängt. Sie wird nur ausgezahlt, wenn ein langfristiger Vertrag vorliegt.

Warum hat das noch nicht geklappt?

Schon im September vor drei Jahren haben wir einen Vorschlag an die Stadt geschickt, zu dem es erst im Februar 2019 überhaupt eine Reaktion gab. Bis dahin haben wir keine Informationen erhalten, ob überhaupt ein Interesse daran vorliegt. Dann wurde gemeinsam ein Nutzungsvertrag gestrickt, der für beide Seiten akzeptabel ist. Aber unterzeichnet wurde er bisher nicht.

Bürgermeisterin Sabine Blümel will nur investieren, wenn die Kosten für die Stadt zu 100 Prozent mit Fördergeld gedeckt wären. Rechnen Sie noch damit, dass es mit einer Förderung klappt, nachdem das Bad im Bundesprogramm nicht berücksichtigt wurde?

Keine Ahnung, wir erhalten keine Informationen darüber, wie der Stand der Dinge ist und sind auch an einem Zeitplan nicht beteiligt. Wir hoffen, dass in der Verwaltung weiter versucht wird, für das Waldbad Fördergeld zu bekommen. Denn eins ist klar, das Bad ist Bestandteil des Haushaltes und damit ist es keine neue Aufgabe, wie die Bürgermeisterin bereits argumentierte, sondern gehört genauso dazu, wie die Schwimmhalle oder das Salzwedeler Freibad.

Dabei sollte nicht vergessen werden, wir können sofort 320.000 Euro beisteuern. Eine Sanierung würde 650.000 Euro kosten, die Hälfte wäre also schon vorhanden.

Es war ja auch schon mal die Zahl 1,8 Millionen Euro Kosten für das Bad im Spiel?

Wo diese Zahl herkommt und worauf sie beruht, ist völlig unklar. Die 650.000 Euro für eine Sanierung basieren auf einem Gutachten.

Als Alternative bietet die Stadt an, dass der Förderverein das Bad übernimmt, in Eigenregie saniert und betreibt, wäre das für Sie eine Option?

Nein, das können wir mit unseren 36 Mitgliedern nicht leisten, dazu haben wir gar nicht das Know-how. Auf dem Grundstück befindet sich noch eine Mietwohnung. Wir sind keine Vermieter. Als das Bad noch in Betrieb war, waren die Rettungsschwimmer aus Salzwedel abwechselnd bei uns im Einsatz. Wir können in vielen Dingen praktisch unterstützen und helfen, aber wir können das Bad weder kaufen, noch den laufenden Betrieb gewährleisten.

Wie frustrierend ist es, sich seit Jahren mit der Stadt auseinandersetzen zu müssen und nicht weiterzukommen?

Sehr frustrierend, es wurden so viele Gespräche ohne Ergebnis geführt. Wir geben uns damit aber nicht zufrieden. Ich habe ja sogar schon an die Bundeskanzlerin und an den Ministerpräsidenten geschrieben und sie an ihr Wahlversprechen erinnert, gleichwertige Lebensverhältnisse in Stadt und Land zu schaffen. Davon sind wir meilenweit entfernt.

Und wenn die Bürgermeisterin sagt, die Kinder können doch nach Salzwedel ins Schwimmbad fahren, frage ich mich, wie sie das meint? Welche Entfernungen sieht sie denn beispielsweise für Grundschüler als zumutbar an. In den Sommerferien fahren nicht mal Busse. Nach Liesten können sie aus der Umgebung mit dem Fahrrad fahren.

Fühlen Sie sich von den Kommunalpolitikern überhaupt noch unterstützt?

Wir fühlen uns nicht ernst genommen und nicht mehr unterstützt.

Wie reagieren die Sponsoren auf die Situation, stehen sie noch zu ihrem Wort, die Sanierung finanziell zu unterstützen?

Die Sponsoren stehen zu uns und halten zur Stange, aber sie reagieren mit Unverständnis. Sie stellen die Mittel bereit, aber nur wenn die Sanierung beginnt. Dafür ist das Geld gebunden und wird nicht mal eben so auf das Konto des Waldbadvereins überwiesen, wie es die Bürgermeisterin schon öfter angesprochen hat. Trotzdem halten sie an dem Vorhaben fest und stärken uns als Verein.

2021 wäre, die vier Wochen 2017 nicht mitgerechnet, die fünfte Saison, in der das Bad dicht ist, haben Sie und Ihre Mitstreiter überhaupt noch Hoffnung, dass es jemals wieder öffnet?

Wir haben alle Hoffnung, sonst würden wir nicht am Ball bleiben. Es kann ja momentan keine Mitgliederversammlung geben, deshalb bleiben wir online in Kontakt. Der Vorstand und ich sind total dankbar, dass alle noch mitziehen und wir sogar neue Mitglieder begrüßen konnten.

Was würden Sie sich wünschen, wie es mit dem Waldbad weitergehen kann?

Natürlich wünschen wir uns, dass die Finanzierung endlich klargeht und mit der Sanierung begonnen werden kann. Noch mal: Wir als Verein können 320.000 Euro dazu beitragen, damit dass Bad bald wieder öffnet.

Dabei darf auch der Schwimmunterricht nicht vergessen werden. Er ist Bestandteil des Lehrplans von Grundschulen. Unser Schwimmmeister hat jeden Sommer viele Schwimmstufen abgenommen. Wichtig wäre, dass auch die Bundespolitik diese Bedeutung erkennt und Fördermöglichkeiten nur für Freibäder auflegt.

Was uns sehr traurig stimmt ist der Zustand des Areals. Erst jetzt ist deutlich geworden, dass es im Pumpenhaus einen schweren Wasserschaden gegeben hat, weil die Einwinterung nicht ordnungsgemäß erfolgt ist.