Salzwedel l „Der Rettungsdienst ist eigentlich immer dann am besten, wenn er nicht im Einsatz ist“, scherzte Landrat Michael Ziche gestern während der offiziellen Vergabe. Dennoch sind die Rettungsassistenten und Notärzte jährlich zu tausenden Einsätzen unterwegs und legen dabei Distanzen zurück, mit denen sie locker die Erde mehrfach umrunden könnten.

Laut Rettungsdienstgesetz des Landes Sachsen-Anhalt musste der Altmarkkreis den Rettungsdienst für die Jahre 2016 bis 2024 neu ausschreiben, konkret die Notfallrettung einschließlich qualifizierter Patientenbetreuung in einem Los. Insgesamt seien die Unterlagen für die Bewerbung neun Mal abgefordert worden. Nach Abschluss des Auswahlverfahrens erhielten die bisherigen Leistungserbringer, der DRK-Kreisverband Salzwedel und der Regionalverband Altmark der Johanniter-Unfallhilfe, den Zuschlag - die allerdings dieses Mal gemeinsam als Bietergemeinschaft Rettungsdienst Altmarkkreis Salzwedel antraten.

Mit dem Zusammenschluss liegen DRK und Johanniter durchaus im Trend, wie die Geschäftsführerinnen Angelika Dittrich (DRK) und Kathalin Schulz (Johanniter) übereinstimmend bestätigten.

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In mehreren Landkreisen Sachsen-Anhalts hätten sich bereits Hilfsorganisationen für den Rettungsdienst zusammengeschlossen. In der westlichen Altmark hätten die beiden Hilfsorganisationen dazu von sich aus die Initiative ergriffen.

Dass die Genehmigung für neun Jahre erteilt worden sei, bedeute zugleich Planungssicherheit für die Hilfsorganisationen und ihre Mitarbeiter.

Der Zusammenschluss sei auch vor dem Hintergrund ratsam, dass seitens des Altmarkkreises nur noch die Genehmigung für den Rettungsdienst erteilt wird, Entgelte jedoch direkt mit den Krankenkassen vereinbart werden müssen. „Wir wissen aus Erfahrung, dass das nicht immer einfach ist“, so Ziche und bot für den Fall der Fälle die Moderatorenrolle an.

Ziche hob hervor, dass der Altmarkkreis nunmehr über einen vierten Notarztstandort verfüge. Es habe auch Zeiten gegeben, in denen der dritte Notarztstandort in Klötze auf der Kippe stand, so der Landrat weiter und erinnerte an den „weißen Fleck“ im Bereich Brunau/Packebusch, in dem zeitweilig der Hubschrauber Christoph 39 zur Rettung einflog. Um die Erreichbarkeit innerhalb der vorgeschriebenen Zeit zu gewährleisten - 12 Minuten für den Rettungswagen, 20 Minuten für den Notarzt - habe man sich als neuen Standort für Kahrstedt anstelle von Kalbe entschieden. „Wir wollen maximale Sicherheit für die Menschen im Altmarkkreis“, so Ziche. Er stellte jedoch auch klar, dass das für 95 Prozent aller Fälle gelte. Trete in einem Bereich zu einem Zeitpunkt ein Notfall ein, an dem sich Rettungsassistenten und Notarzt gerade um einen anderen Patienten kümmern, müsse eben ein Rettungswagen von einer anderen Wache angefordert werden. Dafür sei einfach ein längerer Zeitraum erforderlich.

Hans Thiele, zuständiger Dezernent der Kreisverwaltung, bedankte sich besonders bei Steffen Heidler, Leiter des Rettungsdienstes beim DRK Kreisverband. Dieser habe überprüft, wieviel Zeit man auf den Straßen der Region benötige und damit bewiesen, dass manche offiziellen Angaben zur Erreichbarkeit nicht den tatsächlichen Gegebenheiten entsprechen.

Allerdings sei vorgesehen, den Stand der Dinge in einigen Jahren noch einmal zu überprüfen, spätestens ein Jahr nach dem Ende des Ausbaus der Amerika-Linie, so Thiele weiter.

Um den Zuschlag für den Rettungsdienst zu erhalten, mussten die Bewerber umfangreiche Nachweise und Konzepte erbringen. Dazu gehören unter anderem Konzepte für die Fälle, wenn Rettungsmittel oder Einsatzpersonal plötzlich ausfallen aber auch die Nachweise der Qualifikationen der Mitarbeiter.

Bestandteil der Bewerbung waren jedoch auch Konzepte, wie die Organisationen bei einem Massenanfall von Verletzten oder erkrankten Personen sowie im Katastrophenschutz mitwirken zu können.

Von unmittelbaren Katastrophen sei der Altmarkkreis Salzwedel zwar nicht betroffen gewesen, besondere Lagen wie etwa der flächendeckende Stromausfall bei Orkan Kyrill oder Eisregen zum Weihnachtsfest 2010 habe es aber schon gegeben, blickte Landrat Ziche zurück.