Plastikmüll

Altmarkkreis: Zu viel Plastik in der Biotonne

Abfallberaterinnen der Deponie GmbH des Altmarkkreises versuchen, das Plastikaufkommen im Biomüll zu reduzieren. Selbst Bio-Müllbeutel nicht kompostierbar.

Von Beate Achilles 13.05.2022, 06:15
Der Jübarer Erhard Trüe gestern am Infostand der Deponie GmbH beim Salzwedeler Wochenmarkt. Mülltrennung sei ihm wichtig, betonte er. Der viele Müll am Straßenrand und im Wald ärgere ihn sehr.
Der Jübarer Erhard Trüe gestern am Infostand der Deponie GmbH beim Salzwedeler Wochenmarkt. Mülltrennung sei ihm wichtig, betonte er. Der viele Müll am Straßenrand und im Wald ärgere ihn sehr. Fotos: Beate Achilles

Salzwedel - Plastik-Müllbeutel, volle Staubsaugerbeutel, Cremedosen, Kartoffelnetze und sogar gebrauchte Wegwerfwindeln finden sich in großen Mengen in den Biotonnen des Altmarkkreises. „Es ist sehr aufwendig dieses ganze Plastik aus dem Biomüll wieder herauszusortieren“, sagt Julia Zieprich, Abfallberaterin bei der Deponie GmbH des Altmarkkreises Salzwedel.

Steigende Preise und Giftstoffe im Kompost

Das Plastik berge nicht nur die Gefahr, dass Giftstoffe in den aus den Abfällen hergestellten Kompost gelangen könnten, sondern führe auch zu Verteuerungen: „Der Preis für das Abholen des Biomülls steigt dadurch genauso, wie derjenige für die Abgabe des fertigen Komposts, den wir daraus herstellen“, so Zieprich. Ein einachsiger PKW-Anhänger mit Bio-Kompost kostet den Abfallberaterinnen zufolge bei der Deponie in Gardelegen derzeit 8 Euro. „Demnächst wird der Preis wohl wegen des vielen Plastikmülls in der Biotonne auf 10 bis 12 Euro ansteigen“, erwarten die beiden.

Für diese Probleme wollten sie und ihre Kollegin Sina Mewes am gestrigen Donnerstagvormittag beim Wochenmarkt in Salzwedel sensibilisieren.

Kompostierbare Müllbeutel nicht besser als normale

Eine ihrer wichtigsten Botschaften an diesem Tag lautet: Auch angeblich kompostierbare Müllbeutel halten dieses Versprechen nicht ein. „Diese Beutel brauchen Jahre, wenn nicht gar Jahrzehnte, um zu verrotten“, sind die beiden überzeugt. Es sei unverständlich, dass solche irreführenden Produkte überhaupt in den Handel gelangen dürften.

Diese Information überrascht einen älteren Herrn, der an den Stand kommt: „Was, diese Tüten sind gar nicht wirklich kompostierbar?“, fragt er ungläubig. „Aber dann steht ja auf den Verpackungen etwas ganz Falsches drauf!“ Die Abfallberaterinnen haben Verständnis für den Ärger des Mannes, stimmen aber zu und zucken mit den Schultern.

Info-Anhänger für Bio-Tonnen

Um alle Biotonnen-Nutzer im Altmarkkreis auf diese Irreführung hinzuweisen, hat die Deponie GmbH eigens ein Anhängerschild für Biotonnen entwickelt. Auf dem steht, dass in den Biomüll keinerlei Plastik gehört – auch keine kompostierbaren Plastiktüten. Dieser Anhänger soll in der nächsten Zeit mit jeder Leerung hinten an die Biotonnen angebracht werden, um Nutzer auf das Problem hinzuweisen. Zugleich hängt das Schildchen an den bepflanzten Biotonnen, die Mewes und Zieprich in der vergangenen Woche in Gardelegen, Arendsee und Klötze sowie gestern in Salzwedel an jeweils drei bis vier Standorten pro Stadt aufgestellt haben.

Auch diese Tonnen sollen die Botschaft verbreiten: „Plastik gehört nicht hier hinein.“ Als Ersatz könnten die Bürger Müllbeutel aus Papier verwenden oder ihren Bio-Mülleimer unten mit Zeitungspapier auskleiden, so die Abfallberaterinnen.

Am besten ersatzlos streichen

Noch besser sei es aber, die natürlichen Abfälle einfach so in den Eimer zu werfen und diesen nach dem Ausleeren mit klarem Wasser auszuspülen. Erhard Trüe aus Jübar erzählt bei seinem Besuch an dem Infostand in der Markthalle wie er das Thema handhabt: „Ich nehme den Biomüll in einer Tüte mit raus und schütte sie über der Biotonne aus. Anschließend werfe ich die benutzte Tüte in den gelben Sack.“ Letzteren sehen die beiden Abfallberaterinnen als mitverantwortlich für die Flut an Plastikmüll an. „Durch den gelben Sack hat sich die Menge an Plastikmüll vervielfacht“, sagen sie. Weil die Leute oft zu bequem seien, die alt gewordenen Lebensmittel von ihren Plastikverpackungen zu trennen, kämen die Verpackungen einfach mit in die Biotonne. „Besser wäre, es gäbe weniger Wegwerfplastik“, meinen Mewes und Zieprich.