Salzwedel l Seit dem 1. Dezember ist ein gebürtiger Thüringer Geschäftsführer der Agentur für Arbeit in Stendal. Für Torsten Narr bedeuten die ersten Wochen, die Politiker, Unternehmer und Verwaltungsspitzen sowie seine Kollegen kennenzulernen, erzählt er im Volksstimme-Gespräch. In einer so großen Region wie der Altmark als Agenturchef tätig zu sein, empfindet er als Herausforderung und spannende Aufgabe. Die wirtschaftliche Entwicklung in der Altmark sei „keine schlechte“. „Aber besser geht immer“, schätzt der 42-Jährige ein, der in Mannheim studiert hat und seine berufliche Laufbahn 1995 bei der Bundesagentur für Arbeit begann.

Die Arbeitslosenzahlen stag- nieren momentan auf einem niedrigen Niveau mit sinkendem Trend. „Das große Potenzial wie noch vor fünf bis zehn Jahren ist nicht mehr gegeben“, erklärt Narr. Im Mittelpunkt stehe inzwischen die Fachkräftesuche. Sie sei dynamischer Prozess. Schweißer, Elektriker oder Mitarbeiter in der Pflege seien momentan besonders rar.

Bewerber vorbereiten

Die verbliebenen Bewerber so vorzubereiten und zu begleiten, dass sie einen Einstieg in den vorhandenen Arbeitsmarkt erhalten, sei die Hauptaufgabe. Dazu gehöre, sie trotz Hemmnissen und Einschränkungen fit zu machen, damit sie ihren Arbeitsplatz finden. „Das ist nicht einfach, individuell verschieden und wird einmal mehr und einmal weniger gelingen“, sagt er. Es gebe viele Möglichkeiten der Qualifizierung vor oder während des Jobs, die die Agentur fördernd unterstützen könne.

Die Anforderungen der Arbeitgeber seien hoch. Narr: „Sie müssen am Markt bestehen.“ Auch wenn es weniger Arbeitslose und insgesamt weniger Menschen in der Region gebe, die Arbeit mit dem Einzelnen sei wesentlich intensiver als noch vor einigen Jahren.

Stellenanpassungen

Stellenanpassungen in der Agentur seien vor diesem Hintergrund zu betrachten. „Das ist ein System, das atmet“, erklärt Narr. Das Aus für einen großen Arbeitgeber, wie im Altmarkkreis Fricopan vor anderthalb Jahren oder der Salzwedeler Kerzenfabrik in einigen Wochen, könne die Situation schlagartig verändern. Narr: „Das hängt vom Markt ab.“

Zudem bedeute es einen hohen Aufwand, die Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Zuwanderer als Fachkräfte und Ausgleich für den Bevölkerungsschwund seien für eine ländliche Region ein wichtiges Thema. Dass sie in der Altmark bleiben oder auch hierher kommen, hänge in hohem Maß von einer gelebten Willkommenskultur ab. Sie müssten sich aufgenommen und wohlfühlen.

Sprachkenntnisse als Schlüssel

Der Schlüssel zum Arbeitsmarkt seien Sprachkenntnisse und Voraussetzung, dass sich Migranten schnell integrieren. „Dann sind sie ein wunderbarer Mehrwert für die Gesellschaft“, betont er. Aber das brauche einen langen Atem. Es werde Rückschläge geben. „Davon dürfen wir uns nicht entmutigen lassen“, ergänzt er.

Die Altmark habe Zuwanderern oder auch Rückkehrern ein schönes Wohnumfeld mit sehr guten Kinderbetreuungsmöglichkeiten zu bieten. Dennoch gelte es, die Attraktivität des Standortes zu erhöhen. Und das hänge in erheblichem Maß mit der Infrastruktur wie Autobahn und schnellem Internet zusammen. „Verkehrsanbindungen sind Voraussetzung für Mobilität. Dazu gehören Straßen genauso wie Bus und Bahn“, konstatiert der Agenturchef.

Attraktive Bedingungen

Sehr wichtig sei ihm eine enge Zusammenarbeit mit den Arbeitgebern. Um Arbeitskräfte zu bekommen und zu halten, sollten sie sich mit dem Gedanken auseinandersetzen, „was kann, was will ich bieten“, um sich damit von anderen abzusetzen und für Arbeitnehmer interessant zu machen. Das Lohngefüge sei nur ein Faktor, vielen Menschen seien attraktive Arbeitsbedingungen genauso wichtig.