Rohrberg l Ein Verein, der sich mit Archäologie beschäftigt und vor allem Kinder und Jugendliche an dieses spannende Hobby heranführen will - so etwas ist weit und breit einmalig. „Ich wüsste nicht, wo es so etwas noch gibt. Zu DDR-Zeiten existierten mehrere solche Arbeitsgemeinschaften, die meist an Schulen angebunden waren. Doch wir sind die einzige, die die Wende überstanden hat und noch heute als Verein existiert“, erzählt Heiko Meyer von den Rohrberger Jungen Archäologen der Altmark stolz.

110 Mitglieder hat der Verein, der am 15. März 1972 als Arbeitsgemeinschaft „Junge Historiker“ an der damaligen Stöckheimer Polytechnischen Oberschule gegründet wurde. Viele der ehemaligen Schüler, die damals unter Geschichtslehrer Hartmut Bock, der den Verein bis heute leitet, an die Archäologie herangeführt wurden, sind heute noch mit von der Partie. „Deshalb leben unsere Mitglieder auch über ganz Deutschland verstreut - von Kiel bis Ulm und von Berlin bis Köln“, berichtet Heiko Meyer.

Ausflug

Einmal im Jahr, zu Himmelfahrt, wird eine Tour zu einem Vereinsmitglied organisiert, bei der auch das archäologische und historische Wissen erweitert wird, etwa durch Museumsbesuche. Höhepunkt der Vereinsarbeit ist aber das traditionelle Grabungslager im Sommer. 12 Tage lang geht es dann auf die Suche nach frühzeitlichen Siedlungsresten. Aktueller Grabungsort ist Rockenthin. „Da geht im Gegensatz zu Kläden bei Arendsee, wo wir vorher gegraben haben, richtig die Post ab“, erzählt Heiko Meyer. Entdeckt habe man dort Reste einer Siedlung aus der römischen Kaiserzeit mit einer Unmenge von Funden. „Dort muss früher Metallverarbeitung stattgefunden haben. Die Fundstelle war uns zwar bekannt, aber nicht deren große Ausdehnung. Da macht das Graben richtig Spaß“, freut sich der Rohrberger.

Bilder

Nach den Ausgrabungen beginnt die eigentliche Arbeit für die Jungen Archäologen, die sich zum Teil über viele Jahre erstreckt. Jeder einzelne Fund muss gewaschen, kategorisiert und mit einem ausführlichen Fundzettel versehen werden. Besondere Funde werden zudem fotografiert. „Das ist alles wissenschaftliche Arbeit, die wir mit fünf, sechs Leuten montags in unserem Vereinsquartier erledigen“, berichtet Heiko Meyer. Am Ende bekomme das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie in Halle eine komplett ausgewertete Grabung.

Dokumentation

Zahlreiche Aktenordner in den Regalen ihres neu eingerichteten Quartiers im Rohrberger Rathaus zeugen von den Dokumentationen vergangener Grabungen. „Im Augenblick werden die Funde von Hohendolsleben ausgewertet, wo wir zehn Jahre lang gegraben haben“, erläutert Meyer. Allein hiervon existieren 5500 Einzelfunde und 2600 Fundzettel. Ziel ist eine Dokumentation in Buchform, die von Hartmut Bock, Jens Schneeweiß und Wolfgang Meibeier erstellt werden soll.

Aktiver Kern der Jungen Archäologen ist die Gruppe mit Kindern und Jugendlichen. Sieben bis acht Schüler sind derzeit dabei. Es waren schon mal mehr, doch das hat seinen Grund. „Uns fehlen die engagierten Lehrer, idealerweise für Geschichte, an den Schulen, die die Jugendlichen ansprechen und auf unseren Verein hinweisen“, bedauert der Rohrberger. Der ideale Einstieg sei ab der sechsten Klasse. „Am besten einfach mal zum Grabungslager im Sommer kommen“, rät Heiko Meyer. Das nächste findet vom 29. Juli bis 9. August in Rockenthin statt.

Auch um die Großsteingräber der Region kümmern sich die Jungen Archäologen. Im Herbst säuberten sie einige der steinernen Zeugnisse, die Bestandteil einer thematischen Route werden sollen, von Bewuchs. „Eine weitere Aktion ist für dieses Jahr geplant“, kündigt Heiko Meyer an.

Spender und Sponsoren nötig

Für all die Aktivitäten reichen die Beiträge der Mitglieder zur Finanzierung nicht aus. Der Verein ist deshalb auf Zuschüsse, Spenden und Spinsoren angewiesen. „Eine Grabung kostet beispielsweise 4100 Euro“, rechnet Heiko Meyer vor. Und auch die Nebenkosten für die Vereinsräume in Rohrberg, die mietfrei von der Gemeinde zur Verfügung gestellt wurden, muss der Verein selbst übernehmen. „Über jegliche Unterstützung würden wir uns deshalb sehr freuen“, meinte der Rohrberger, der zudem einen Tag der offenen Tür im Vereinsquartier ankündigte, um Besuchern die Arbeit der Jungen Archäologen näher zu bringen.