Salzwedel l „Oooooch! Eine Tüte Mitleid für den Kreis, aber nicht fürs Einkaufen, sondern dafür, dass es der Verwaltung an Empathie fehle, so dass sie die Mitarbeiter im Exchange verbal angreifen müssten“, schreibt Mitglied Charlotte Müller.

„Als Verein Exchange haben wir die Unterstützung des Amtes abgelehnt, weil wir es nicht in Ordnung finden, Migranten wie Verbrecher einzusperren und zu bewachen (... und diese) wie Menschen zweiter Klasse behandelt werden“, macht Vereinskollegin Karoline Lemme klar.

„Die Unterbringung in einer Sammelunterkunft kritisieren Geflüchtete (...) auch ohne Pandemie. Jetzt ist die Situation noch zugespitzter und die offensichtlichen Nachteile für die Gesundheit von Geflüchteten (...) werden deutlich“, schreibt Sanja Gurski von Exchange.

Einzelzimmer, Fernseher, WLAN

Eingesperrt wie Verbrecher? Menschen zweiter Klasse? Fehlende Empathie und Nachteile für die Gesundheit Geflüchteter? Konfrontiert mit den Vorwürfen der regionalen Flüchtlingshelfer holt Kreisdezernent Hans Thiele einfach mal ein Stück weiter aus:

Im Januar nach elf positiven Corona-Schnelltests in einer Gemeinschaftsunterkunft habe es eine klare Entscheidung gegeben, so Thiele. Um die Quarantäne gewährleisten zu können, sei in der Gemeinschaftsunterkunft am Fuchsberg eine Quarantänestation eingerichtet worden: „Einzelzimmer, in jedem ein Fernseher, WLAN. Wir haben im Flur sogar noch eine Tischtennisplatte aufgestellt.“ Zweimal täglich habe der Hausmeister der Einrichtung im Vollschutz sämtliche Flächen in den Gemeinschaftseinrichtungen und -räumen desinfiziert.

Ja, tatsächlich werde der gesamte Komplex, zu dem die Gemeinschaftsunterkunft Fuchsberg gehört, rund um die Uhr bewacht. Und ja, wer unter Quarantäne stehe und die Unterkunft verlassen wolle, werde aufgehalten. Quarantäne sei Quarantäne. „Das heißt, ich darf meine Wohnung oder den Ort, wo ich mich aufhalte, in dieser Zeit nicht verlassen, auch nicht zum Einkaufen.“

Darüber seien die betroffenen Asylantragsteller unterrichtet worden. In ihrer Sprache. „Allerdings fehlt einigen das Verständnis dafür.“

Asylbewerber wollten dort bleiben

Um die zeitlich begrenzte Isolation so angenehm wie möglich zu machen, hätten die Sozialbetreuer sich bemüht, auf jeden individuellen Wunsch einzugehen. So mussten die Einkaufszettel von elf Personen unterschiedlicher Nationalität übersetzt werden, und alle Wünsche seien erfüllt worden, bis hin zum speziellen Genussmittel, das nur in bestimmten Geschäften erhältlich war. Aber all das sei organisiert worden, eben weil die Sozialbetreuer um die besondere Situation der Quarantäne wissen.

Glücklicherweise konnten alle elf zuvor positiv gestesteten Asylbewerber schließlich wieder aus der Quarantäne zurückkehren, betont Thiele. Einige hätten sich in der vom Verein Exchange so heftig kritisierten Unterkunft übrigens sehr wohl gefühlt. „Sie wären gern dort geblieben.“

Dann Anfang Februar ein neuer Fall. Wieder mussten zwei Asylbewerber in Quarantäne. Diesmal habe man für die Quarantänezeit eine Wohnung angeboten, so Thiele. Diese hätten die beiden aber abgelehnt. Auch sie wurden daraufhin wieder am Fuchsberg untergebracht. Vielleicht sogar zum Glück für einen der beiden Männer, der nachts über Atemprobleme klagte, denn der Wachmann habe dann den Notarzt informiert. Nach zwei Tagen Beobachtung im Krankenhaus konnte auch er wieder entlassen werden.

Die besondere Situation in der Pandemie sei für alle einfach eine Herausforderung, betont Hans Thiele „Hinter jedem steckt eine Geschichte, jeder muss einzeln bedacht werden.“ Das sei den Mitarbeitern, die sich um die Asylbewerber kümmern, gelungen.