Gorleben l Die Büchse der Pandora sollte gleichsam gut verschlossen werden - rostige Fässer passen nicht zu Atommüll, der über Jahrtausende sicher vor der Umwelt abgeschirmt werden muss. Im Zwischenlager in Gorleben („Abfalllager“ ALG) im Nachbarkreis Lüchow-Dannenberg wurden vor kurzem erneut Roststellen an Fässern mit schwach radioaktivem Müll gefunden - eher zufällig.

Die Fässer sollten nach Duisburg transportiert und dort neu verpackt werden, da die Genehmigung zur Lagerung der 1.300 Fässer im Abfalllager Gorleben in drei Jahren ausläuft. Deshalb ordnete der niedersächsische Umweltminister Stefan Wenzel jetzt an, dass vor dem weiteren Abtransport alle Fässer untersucht werden müssen. Wenzel berichtete in einer parlamentarischen Fragestunde, dass Roststellen an inzwischen acht Atommüllfässern festgestellt wurden. Alle Referenzfässer dieser Charge - das sind die sichtbaren Fässer in der ersten Reihe - waren unauffällig. Der Umweltminister hat die Betreiberfirma Gesellschaft für Nuklearservice (GNS) angewiesen, zukünftig jedes Fass zu kontrollieren. Dies könne durch das Schaffen von Lager-Gassen oder den Einsatz von Kameras erreicht werden.

Radioaktivität sei nicht ausgetreten, die Genehmigung zum Abtransport sei erteilt worden. Wie das Umweltministerium mitteilte, waren die beiden auffälligen sogenannten Fässer Ende der 70er Jahre mit radioaktiven Mischabfällen befüllt worden. Ihre Aufbewahrungsgenehmigung läuft im Jahre 2019 aus.

Der Abtransport von Fässern aus dem sogenanten „Fasslager“ ist nicht der erste seiner Art. Wie die GNS mitteilte, hatte der Abtransport der ersten Fässer mit schwach radioaktivem Müll bereits im Juli vergangenen Jahres begonnen. Die „rollreifen“ Fässer sind für die Endlagerung in Schacht Konrad vorgesehen. Laut GNS-Pressesprecher Jürgen Auer hatten die Planungen für den Abtransport und die Nachkonditionierung bereits 2010 begonnen, um die Arbeiten rechtzeitig vor dem Ablauf der Aufbewahrungsgenehmigung abgeschlossen zu haben.

Der erste Transport mit 86 Stück 280-Liter-Fässern ging vergangenes Jahr nach Duisburg. Die derzeitigen Planungen sehen den letzten der voraussichtlich 15 Transporte Mitte 2017 vor. Insgesamt müssen noch mehr als 1000 Fässer transportiert werden. Im Anschluss an die Nachkonditionierung werden die Konrad-gerechten Abfallgebinde in Zwischenlager der GNS oder der Abfallverursacher gebracht. Dort warten sie dann, bis sie zur Endlagerung in den Schacht Konrad gebracht werden können. Das dortige Endlager für schwach und mittelaktiven Müll soll frühestens 2019 zur Verfügung stehen, wahrscheinlich jedoch 2023. Laut GNS-Sprecher Jürgen Auer kommen die Fässer nicht nach Gorleben zurück. Der Kreistag Lüchow-Dannenbergs hatte mehrfach angemahnt, dass im Fasslager keinerlei Sichtkontrollen möglich seien.

Erst im vergangenen Jahr waren feuchte Stellen im Lager entdeckt worden, die GNS stellte von sich aus die Einlagerung weiterer Abfälle ein. „Wir freuen uns, dass Umweltminister Stefan Wenzel sich unsere Forderungen zu eigen gemacht hat und das Umräumen der Gebinde angeordnet hat, damit man mehr als die ersten Reihen einsehen kann“, sagte der Sprecher der Bürgerinitiative Umweltschutz, Wolfgang Ehmke.