Chüttlitz/Brietz l „Die ganze Baustelle ist eine einzige Katastrophe.“ Mit diesem Satz traf Wolfgang Kappler, Ortsbürgermeister von Brietz und Chüttlitz, am Donnerstag für viele seiner Bürger den Nagel auf den Kopf. In den vergangenen Tagen habe sein Telefon fast überhaupt nicht still gestanden, weil Anwohner immer wieder ihren Unmut über die Situation äußerten. „Wir wurden in die gesamte Planung überhaupt nicht einbezogen. Normalerweise hätte man im Vorfeld eine Einwohnerversammlung abhalten müssen, um mit den Menschen vor Ort über mögliche Probleme zu sprechen und Lösungen dafür zu finden“, sagte Wolfgang Kappler.

Und Probleme gibt es eine Menge an der Baustelle und mit der Beschilderung. Los ging es bereits damit, dass die zuständigen Planer scheinbar nicht berücksichtigt hatten, Wege für den Rettungsdienst freizugeben. „Erst nachdem wir bei der Kreisverwaltung nachgefragt haben, gab es eine Änderung. Der Rettungsdienst soll den Radweg nach Brietz benutzen. Wie ein Krankenwagen über die Brücke kommen soll, soll mir aber mal jemand erklären“, so Wolfgang Kappler.Die Rettungskräfte selbst seien dieser Tage zu einem Einsatz in Brietz jedenfalls nicht dort lang gefahren.

Und auch die Vollsperrung an sich ärgert die Anwohner. Anfang der 90er Jahre sei die B 71 ausgebaut worden. Damals habe man die Straße halbseitig für den Verkehr gesperrt. „Mehr als 20 Jahre später ist man dazu nicht mehr in der Lage. Da wird gleich eine Vollsperrung eingerichtet. Man macht sich einfach überhaupt keine Gedanken darum, wie es den Menschen vor Ort ergeht. Das zeugt von Arroganz und Gleichgültigkeit gegenüber dem Bürger“, sagte Herbert Rötz.

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Tempo 30 in Chüttlitz

Kathrin Franke wundert sich vor allem über die Autofahrer, die den Schleichweg durch die Chüttlitzer Wohngebiete nehmen. „Wir haben Zum Buchhorst und auch im gesamten Ort Tempo 30, und die Autos fahren zu jeder Tageszeit locker mit 70 Kilometern pro Stunde dort lang. Es wohnen, schlafen und spielen hier überall Kinder“, berichtete die Chüttlitzerin. Raser sollten einmal darüber nachdenken, ob sie vor ihren Häusern diese Situation erleben wollen, ergänzte sie.

Mittlerweile fahren auch immer mehr 40-Tonner und Ortsfremde in Chüttlitz hinein. Ortskundige würden bekannte Schleichwege benutzen. „Aber nach den 100 Litern Regen der vergangenen Woche kann man sich vorstellen, wie die Waldwege mittlerweile aussehen. Und die Stadt bleibt hinterher auf den Kosten für die entstandenen Schäden sitzen“, merkte Wolfgang Kappler an.

Mit Brietz und Cheine sei eine ganze Region einfach abgeschnitten worden. Man komme nicht nach Salzwedel zum Einkaufen, die Umleitung über Lüchow sei 56 Kilometer lang. Über Osterwohle und Andorf könne man auch nicht fahren, da dort kurz vor Baubeginn ein Schild aufgestellt worden sei, das nur landwirtschaftlichem Verkehr die Benutzung erlaube. Die Tankstelle in Brietz habe Kurzarbeit angeordnet.

Um den Radweg am Weg entlang des Kleingartenvereins Flögsand vor Schäden zu schützen, stellten fünf Freiwillige um Wolfgang Kappler dort am Mittwochabend 25 Leitpfosten auf. „Vielleicht kommt uns die Kreisverwaltung wenigstens jetzt entgegen und sorgt dafür, dass wir am Wochenende nach Salzwedel zum Einkaufen fahren können“, hoffen die Brietzer.