Verein setzt sich für Erhalt der Bäderlandschaft ein

Bädersterben: Der Kampf ums Waldbad in Liesten geht weiter

Notfalls werde die „Ära Blümel“ ausgesessen: Es sind Wortmeldungen wie diese, die bei einer Versammlung des Waldbadvereins in Liesten angeschlagen worden sind. Denn die Einwohner wollen ihr Bad wieder, zum Wohle einer ganzen Region. Dazu müssen sie aber die Salzwedeler Stadträte überzeugen.

Von Alexander Rekow 04.07.2021, 04:30 • Aktualisiert: 07.07.2021, 13:13
Der Waldbadverein in Liesten gibt nicht auf und hält an einer Sanierung fest.
Der Waldbadverein in Liesten gibt nicht auf und hält an einer Sanierung fest. Archivfoto: Fotostudio Wiedemann

Liesten - „Für Tylsen wird Geld locker gemacht, aber für uns ist nichts übrig“, grummelte eine Seniorin aus Liesten. Es war der Auftakt der öffentlichen Versammlung des Waldbadvereins um seinen Vorsitzenden Andreas Weigelt. Gekommen waren in erster Linie Einwohner des Dorfes, aber auch welche aus Nachbarorten, aus Arendsee und Salzwedel. Auffällig dabei: Nicht ein Salzwedeler Stadtrat hat den Weg in den Ortsteil gefunden.

„Wir halten an der Sanierung fest“, machte Andreas Weigelt gleich zu Beginn der Versammlung deutlich. Wissentlich, dass der Verein wohl weiterhin einen langen Atem brauchen wird. „Es wird unter Sabine Blümel nichts stattfinden, so lang sie Bürgermeisterin ist.“ Denn diese schließe eine Sanierung des so wichtigen Bades für das Umland aus. Dabei hätte der Verein die Möglichkeit der Sanierung mit Angeboten untermauert. Lange hätte der Vorstand des Vereins zusammengesessen, um der Stadtverwaltung einen Nutzungsvertrag vorzulegen.

„Eine Sanierung der Becken und des Pumpenhauses kostet 642.000 Euro“, rechnete Weigelt noch mal vor. Daran würde sich der Verein mit 320.000 Euro beteiligen. Allein 250.000 Euro davon würde ein Sponsor beitragen, der seine Unterstützung für zwei Jahre zugesagt habe. Noch also bleibt Zeit, das Projekt Waldbad-Sanierung zu realisieren.

Bürgermeisterin Sabine Blümel hätte gesagt, sie wolle das Geld auf dem Vereinskonto sehen. Doch der Sponsor trete erst in Erscheinung, wenn es zu einer Sanierung komme. „Das Geld ist zweckgebunden“, sagte der Vereinsvorsitzende. Dabei hätte die Bürgermeisterin vor ihrem Amtsantritt versichert, die Bäderlandschaft zu erhalten. Sprich: das städtische Freibad, Schwimmhalle und das Waldbad. „Da hat sie sich schnell von verabschiedet“, ärgerte sich Weigelt: „Es gibt nur noch Salzwedel.“

Wir müssen wohl warten, bis die Bürgermeisterin weg ist.

Der Vereinsvorsitzende erinnerte in diesem Rahmen daran, dass Schwimmunterricht Bestandteil des Sportunterrichts sei. Aber: „Zwei Generationen können schon nicht mehr schwimmen.“ Und seine Wahrnehmung spiegeln auch Anrufe von Lesern bei der Volksstimme wider, die keinen Termin für das Seepferdchen ihrer Sprösslinge finden.

„So lange das Bad auf war, haben wir das mit Rettungsschwimmern gemacht“, erinnerte Weigelt. Ein 50-Meter-Becken sei vorhanden. „Wir müssen versuchen, das den Kommunalpolitikern klarzumachen.“ Schließlich hätten es die Räte in der Hand, ob die Menschen der Region eine breite Bäderlandschaft vorfinden und Kinder zu ihrem Schwimmunterricht kämen.

Der Verein will nun weiter an seinem Konzept schrauben, um Stadträte zu überzeugen. Beispielsweise mit der Kombination Wohnmobilstellplätze, die bekanntlich in der Hansestadt noch Mangelware sind. In Liesten sei am Bad Platz für gleich zehn davon.

Der Waldbaldverein um seinen Vorsitzenden Andreas Weigelt (rechts) bei seiner Sitzung auf der Tribüne des Fußballplatzes in Liesten.
Der Waldbaldverein um seinen Vorsitzenden Andreas Weigelt (rechts) bei seiner Sitzung auf der Tribüne des Fußballplatzes in Liesten.
Foto: Alexander Rekow

Sollte sich die Stadt aber entscheiden, das Areal zu verkaufen, „müssen wir eine Lösung finden und es selbst betreiben“. Dann sei der ganze Verein gefordert. Noch aber werde versucht, die Räte ob der Wichtigkeit zu überzeugen, was dass erste Ziel des Vereins bleibe. Die Räte sollen sich öffentlich positionieren. „Vielleicht bauen wir Ende Sommer eine große Kulisse dafür auf, um Statements zu erzwingen.“ Denn dass das Waldbad gewollt sei, sei nicht nur in Liesten zu spüren. Die Gäste würden aus den Dörfern im Umland kommen, auch aus Salzwedel. „Viele Auswärtige fragen uns über die Homepage, wie es aussieht.“ Das Interesse am Liestener Bad sei groß.

Andreas Weigelt erklärte in dem Zusammenhang, dass er der Stadt bereits einen ausgearbeiteten Nutzungsvertrag vorlegte. „Darin steht, dass wir die Kosten für den Betrieb übernehmen.“ Die Kosten würden sich auf rund 40 000 Euro im Jahr belaufen. Daher sei die Verwunderung groß im Ort, dass es zu keiner Wiederöffnung komme. Zumal die Stadt Geld vom Windkraftbetreiber bekäme. „32.110 Euro bekommt die Stadt an jedem 10. Januar, auch in diesem Jahr.“ Eben jenes Geld solle für den Erhalt ihres Waldbades eingesetzt werden.

Der Kampf geht weiter!

Zum Ende der Versammlung ließen einige Besucher ihrem Frust freien Lauf. Der Stadtrat „kusche“ vor der Bürgermeisterin, sagte einer und „wir müssen wohl warten, bis sie weg ist“, ein anderer. „Ich bin mit Blümel fertig“, ärgert sich ein weiterer. „Die Stadt entzieht sich ihrer Verantwortung“, grummelte ein Gast.

„Mir liegt das Waldbad am Herzen“, sagte indes ein gebürtiger Liestener, der seit 25 Jahren in Arendsee lebe. Er habe das Waldbad mit aufgebaut und erzählte, dass Landtagsabgeordneter Carsten Borchert (CDU) zugesichert habe, den Erhalt des Bades zu unterstützen. Daran wolle er ihn erinnern, reagierte Andreas Weigelt, der an diesem Abend keinen Zweifel daran lässt: „Der Kampf geht weiter!“