Fleetmark l „Wenn nachts die Güterzüge an meinem Haus vorbeifahren, sitze ich aufrecht im Bett und kann nicht schlafen“, machte ein Fleetmarker am Donnerstagabend während der Einwohnerversammlung im Eiscafé Holz seinem Ärger Luft. Was soll dann erst werden, wenn nach dem Ausbau die volle Zweigleisigkeit da sei und noch mehr Züge den Ort passieren, fragte er besorgt.

Und auch das zweite Problem im Zusammenhang mit der schon jetzt viel befahrenen Bahnstrecke der Amerikalinie zwischen Uelzen und Stendal teilt er mit vielen anderen: Durch die Erschütterungen seien Risse am Haus entstanden. Der Wert des Grundstücks sei gemindert.

Eine ganz konkrete Antwort, wie das zweite Problem aus der Welt zu schaffen sei, hatte an dem Abend Projektleiter Andreas Hartwig von der Deutsche Bahn Netz AG nicht. Er stellte den rund 15 Zuhörern das Projekt Ostkorridor Nord bis Halle vor.

Es gibt keinen Rechtsanspruch

„Historisch gesehen war die Strecke seit ihrem Ausbau im 19. Jahrhundert schon“, aber, so Hartwig in seinem Geschichtsexkurs, nur bis zur deutschen Teilung nach dem Zweiten Weltkrieg.

Aber dann sei die Strecke zerschnitten und an der Grenze zurückgebaut worden. „Aber die Strecke ist nach wie vor insgesamt als zweigleisig gewidmet und soll jetzt wieder komplett so genutzt werden“, so Hartwig. Die bereits liegenden Zweitgleise zum Beispiel bei Brunau-Packebusch-Hohenwulsch könnten im Herbst in Betrieb genommen werden, die zwischen Rademin-Fleetmark Ende des Jahres.

„Für die weiteren Verbindungen beginnt jetzt die Planung zum Ausbau“, kündigte er an. Erst 2025 sei mit der Inbetriebnahme zu rechnen.

Spezialfenster möglich

Und so lange werde es wohl auch mit Maßnahmen zum Lärmschutz dauern, machte er klar. Da die bestehenden alten zweigleisigen Abschnitte Bestandsschutz hätten, sei ursprünglich dafür auch kein Lärmschutz vorgesehen gewesen. „Und es gibt auch keinen Rechtsanspruch darauf“, versetzte er der aufkeimenden Hoffnung zunächst einen Dämpfer.

„Aber es wurde eine sogenannte Fußnote ins Bundesschienen-Ausbaugesetz eingefügt, die den Ausbau von Lärmschutzwänden oder anderen Maßnahmen vorsieht“, versicherte er. Solche Wände würden nach Möglichkeit sehr dicht an die Strecke gebaut. Es gebe außerdem niedrigere Wände, die trotzdem effektiv die Rollgeräusche dämpfen. Wo dies alles nicht machbar sei, müsse über passive Maßnahmen nach Schutzmaßnahmen gesucht werden, wie zum Beispiel Spezialfenster.

Die Lärmschutzgutachten gehen jetzt in Auftrag, 2018 sollten Ergebnisse vorliegen und Modelle vorgestellt werden.

Längere Schrankenschließzeit

Befremden rief bei den Anwesenden hervor, dass die Immissionsgrenzen im Dorf(Misch)Gebiet höher liegen als in reinen Wohngebieten und in der freien Landschaft noch einmal ansteigen. Ebenso rief Protest hervor, dass eventuell einige Bahnübergänge geschlossen werden sollen oder wegen des höheren Verkehrsaufkommens die Schrankenschließzeiten sich verlängern.

Kerkaus Ortsbürgermeister Michael Wrana forderte, das Problem der Rettungswege zu den Gleisen ins Blickfeld der Planung zu rücken.