Niephagen/Wallstawe l Momentan – und wohl noch einige Monate länger – präsentiert sich dem Verkehrsteilnehmer folgende Situation: Gleichgültig, von welcher Seite er sich auf der Landesstraße 8 bei Niep- hagen der Abzweigung nach Tylsen nähert: Ein Schild signalisiert ihm, dass sich die Fahrbahn verengt. Gleichzeitig macht ihm ein Verkehrszeichen klar: nicht schneller als Tempo 30. Dann geht es über eine kleine Brücke. Das war es dann schon. Vielen Autofahrern erschließt sich nicht, warum die Straße verengt wird und die Tempobegrenzung notwendig ist.

Der Grund dafür ist die kleine, mehr als 100 Jahre alte Brücke, die nicht mehr den heutigen Erfordernissen entspricht. Bei einer „Bauwerksprüfung“, so heißt es im offiziellen Sprachjargon, sind Risse und Ausbrüche an den Bogenstirnseiten festgestellt worden. Um die Schadensentwicklung auf ein Minimum zu reduzieren, wurde deshalb eine Einengung der Fahrbahn vorgenommen. Mit der Folge, dass immer nur ein Fahrzeug den Engpass passieren kann.

Das Bauwerk soll 490 000 Euro kosten

Schnell war klar, dass die Brücke rasch einer Sanierung bedarf. Geld für das Projekt ist bereits vorhanden. Rund 490 000 Euro soll der Bau kosten. Laut Plan sollte im Juni mit den Arbeiten begonnen und die Brücke durch einen Rahmendurchlass mit einer lichten Weite von 1,95 Meter ersetzt werden. Eine grundhafte Instandsetzung des Bauwerkes wurde ebenfalls untersucht, kam allerdings aus wirtschaftlichen Gründen nicht in Frage.

Doch als es an die Umsetzung des Projekts ging, fingen die Probleme an. Kern der Diskussionen ist die mit dem Bau verbundene Umleitung. Denn aus naturschutzrechtlicher Sicht ist eine örtliche Umfahrung entlang des Bauwerkes auf der südlichen Seite auszuschließen.

Auf der nördlichen Seite stehen bautechnologische und verkehrsorganisatorische Aspekte dagegen. Die Vorzugsvariante der Landesstraßenbaubehörde Sachsen-Anhalt Nord in Stendal (kurz LSBB) ist die Umleitungsführung ab Eversdorf über die Kreisstraßen 1377 und 1002 sowie die Landesstraße 6 bis zum Erreichen der Landesstraße 8.

„Diese Variante findet derzeit noch keine Akzeptanz“, hatte Manfred Krüger, Regionalbereichsleiter der LSBB mit Sitz in Stendal, bereits im April festgestellt. Und daran hat sich bis heute nichts geändert. Auch in Gesprächen mit allen Beteiligten konnte bislang noch keine Einigung erzielt werden.

In diesem Jahr wird nichts mehr passieren

Ein großer Partner in diesem Zusammenhang ist laut Krüger auch der Öffentliche Personennahverkehr, der „adäquate Routen benötigt“. Gegenstand der Diskussion ist auch der Missbrauch von Straßen, die allerdings nicht zum Befahren geeignet sind. Einheimische kennen schließlich die Schleichwege, ein Umstand, der bei Straßensperrungen immer wieder zu beobachten ist. Sollte es zu keiner Lösung kommen, mit der alle Seiten leben können, wird wohl ein Baurechtsverfahren eingeleitet oder das Landesverwaltungsamt eingeschaltet.

Nun wird überlegt, die Bauarbeiten eventuell bei einer halbseitigen Sperrung über die Bühne zu bringen. „Die Kosten werden ermittelt“, sagt Krüger auf Anfrage der Volksstimme. Er ist sicher, dass dies die teurere Variante ist, deren Mehrkosten letztlich vom Landeshaushalt aufgefangen werden müssten.

Jedenfalls wird „in diesem Jahr nichts mehr passieren“, bilanziert Krüger. Dafür reiche schon alleine die Zeit nicht mehr, denn es mache keinen Sinn, eine Baustelle aufzumachen, die dann während des Winters brach liegt. So bleibt die Hoffnung auf 2019. Wenn es denn läuft, wie es laufen soll, dann könnten die Arbeiten im Winter ausgeschrieben, im April oder Mai mit der Umsetzung begonnen und bis November abgeschlossen werden.