Salzwedel l Die Bauarbeiter sind sauer, sie wollen endlich mehr Lohn sowie die Angleichung Ost an West. „Leider haben die Arbeitgeber immer noch kein annehmbares Angebote vorgelegt“, erklärt Andreas Ramme von der IG Bau. Er hatte gemeinsam mit weiteren Demonstranten bei den Verhandlungen in Berlin die Forderungen deutlich gemacht, unter anderem ein Lohn-Plus von sechs Prozent bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Ebenso ein 13. Monatseinkommen für alle Bauarbeiter. Für die Zukunft sei wichtig, dass die Beschäftigten die Anfahrt zur Baustelle bezahlt bekämen und, dass die Arbeitgeber alle Ausbildungskosten übernehmen. Dazu gehöre beispielsweise auch, dass der Ausbildungsbetrieb die Fahrten zur Berufsschule bezahlt. „Der Bau muss den Azubis einfach mehr bieten“, fordert Elke Bobles von der IG Bau, die den Protest mit organisiert hatte.

Momentan gebe es einen Bau-Boom. Und die Betriebe im Altmarkkreis hätten volle Auftragsbücher. „Viele wissen nicht, woher sie die Leute nehmen sollen, um die Arbeit zu erledigen. Trotzdem haben die Arbeitgeber nur ein beschämend dürftiges Angebot auf den Tisch gelegt“, sagt Bobles, die befürchtet, dass der Tarifstreit eskaliert.

Dass die Auftragslage momentan sehr gut ist, bestätigt der Obermeister der Bau Innung Stendal/Altmark Eckhard Schulze. „Die Angleichung der Löhne an das Westniveau erfolgt bereits seit einigen Jahren. Es nähert sich immer mehr an und das geht auch so weiter“, erklärt er. Er rechnet allerdings damit, dass es noch zwei bis drei Jahre dauert bis es in Ost und West gleiche Löhne auf dem Bau gibt.

Fachkräftemangel

Andererseits sei der Fachkräftemangel schon lange im Baugewerbe angekommen. Das führe dazu, dass die Auftraggeber sich auf längere Wartezeiten einstellen müssten. „Wir bekommen ja in den vergangenen vier bis fünf Jahren auch kaum noch Lehrlinge, um Nachwuchs auszubilden“, beschreibt der Obermeister das Dilemma. Dabei sei das Lehrlingsentgelt mit 600 bis 800 Euro auf dem Bau schon höher als beispielsweise in anderen Handwerksberufen.

Von einer „Lohnspreizung“ spricht der Hauptgeschäftsführer des Baugewerbeverbandes in Sachsen-Anhalt Giso Töpfer. Die Schere gehe weit auseinander. Bei den Tariflöhnen sei es so: „Was auf dem Papier steht ist das eine, was gezahlt wird das andere,“ erklärt er. Aus seiner Sicht sind die von der Gewerkschaft geforderten Tariflöhne und die Zulagen nicht marktkonform. Zwar seien Umsätze im Baugewerbe steigend, aber das heiße noch lange nicht, dass es entsprechende Erlöse gebe. So verzeichneten die Unternehmen eine enorme Kostensteigerung beim Material und auch bei der Entsorgung von Bauschutt und -müll.

Knochenjob

Die Bauaunternehmer seien bereit mehr zu zahlen. „Sie wollen ihre Leute halten und es ist ja auch ein Knochenjob“, erklärt Töpfer. Aber was jetzt im Paket gefordert wird, sei eine Steigerung von zusammengerechnet 30 Prozent, wobei er was die Ausbildung anbelangt, den Staat in der Pflicht sieht, betont Töpfer.

„Die Baubranche entwickelt sich weiterhin positiv. Fachkräfte sind deshalb selten geworden“, schätzt Annika Pieper Pressesprecherin der Agentur für Arbeit ein. Im Agenturbezirk gibt es rund 6300 Beschäftigte im Bereich Bau – Tendenz steigend.

Nur 50 Bewerber

Insgesamt wurden der Agentur seit Beginn des Berichtsjahres 77 Ausbildungsstellen im Bereich Bau, Architektur, Vermessung und Gebäudetechnik gemeldet. Das sind zwölf mehr als im Vorjahr. Demgegenüber stehen 50 Bewerber.

Die Nachfrage, insbesondere nach Fachkräften, sei anhaltend groß, jedoch werde der Ausgleich am Arbeitsmarkt immer schwieriger. Bewerber, die ihre Ausbildung beenden, werden in der Regel direkt vom Ausbildungsbetrieb übernommen oder finden zeitnah eine Anstellung in einer anderen Firma, berichtet Pieper.

Die Agentur unterstützt Arbeitgeber mit Probearbeiten, Eingliederungszuschüssen oder Weiterbildungen für potentielle Arbeitnehmer, sofern diese nicht die entsprechende Qualifikation besitzen, sich aber eine Tätigkeit in dem Bereich vorstellen können.