Binde/Ritzleben l Bei strahlendem Sonnenschein und moderaten Temperaturen trafen sich am Dienstag (10. Dezember) rund 50 Landwirte aus der Region – Binde, Ritzleben, Vissum, Kaulitz, Kläden, Dessau, Kerkau und Sanne – zu einer Mahnwache an der B 190. Auf einem umgepflügten Acker zwischen Binde und Ritzleben parkten sie ihre Trecker. Daran prangten die Plakate mit den Forderungen und Ansichten der Akteure in Kurzform: „Lieber Verbraucher: Ich bin noch da. Rede bitte mit mir, nicht über mich!“, „Wir lieben Lebensmittel! Ihr auch“, „Achtung! Hier fahren Arbeitsplätze. Noch.“ oder „Niemand soll es je vergessen: Bauern sorgen für das Essen!“.

Mit ihrer Aktion wollen die Landwirte zeigen, dass die große Demonstration in Berlin vor zwei Wochen keine einmalige Sache war. „Wir wollen auf uns und unsere Probleme, die ja nicht nur unsere sind, aufmerksam machen, immer wieder“, erklärte Mitorganisatorin Ulrike Marquardt aus Vissum.

Mitbestimmen

„Wir fordern, dass man in der Landes- und Bundesregierung mit uns als Fachleute und Betroffene redet, dass wir gehört werden und mitbestimmen können, wie es in der deutschen Landwirtschaft weitergeht“, betonte sie.

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Denn die Landwirtschaft werde von Gesetzen und Auflagen überzogen, die kaum noch zu erfüllen seien. Die Betroffenen seien gut ausgebildete Spezialisten, von denen keiner seinen Boden verseuche. „Wir wollen von und mit unseren Tieren leben – also sorgen wir für optimale Bedingungen“, fügte sie unter Zustimmung der Umstehenden an.

Das Problem seien auch die Verbraucherpreise, die diese Regierung und diese Industrie vorgebe. „Da ziehen Billigprodukte ein, die aber nicht zu den hohen Bedingungen und Standards wie in Deutschland produziert werden“, machte Landwirt Jörg Liestmann aus Dessau deutlich.

Es müsse sich dringend etwas ändern angesichts der herrschenden Zustände, die den Bauern das Leben und die Zukunft schwermachen. „Wie sollen wir unserem Nachwuchs die Übernahme unserer Höfe schmackhaft machen, wenn sie sehen, wo das hinführt und wie man respektiert beziehungsweise nicht respektiert wird“, hieß es. Man sehe die Folgen des Klimawandels, sei für den Schutz von Umwelt und Natur. Aber das könne nur miteinander gehen.

Auch bei Langenapel an der Landesstraße 8 hatten sich gestern etwa 20 Landwirte zu einer weiteren Mahnwache versammelt. Sie postierten ihre Traktoren an einer Kreuzung so, dass vorbeifahrende Pendler ihre Forderungen auf den Plakaten gut registrieren konnten. Mit dabei waren Vertreter landwirtschaftlicher Betriebe aus Dähre, Wallstawe, Dolsleben, Eversdorf und Seebenau.