Salzwedel l Gleich an drei Fronten arbeiten die Mitarbeiter der Firma Galeiwa gemeinsam mit der Firma Strabag derzeit in der Altperverstraße. Dabei kämpfen die Bauarbeiter auch mit der Sommerhitze, wie Vorarbeiter Frank Große am Mittwochmittag (19. Juni) im Gespräch mit der Volksstimme berichtete. „Wir müssen regelmäßig Trinkpausen einlegen“, betonte Große mit Blick auf die gleißende Sonne, die die Männer bei ihrem Job kräftig ins Schwitzen bringt.

„Wir verlegen derzeit die Hauptwasserleitung und arbeiten parallel an den Hausanschlüssen sowie am Einbau des Mischwasserkanals“, erklärte Große die drei Fronten. So ziehen die Bauarbeiter von Haus zu Haus. Dort müssen die Anwohner dann zeitweise auf Trinkwasser aus der Leitung verzichten, während Großes Mitarbeiter die neuen Anschlüsse herstellen. Bisher komme man aber mit allen Anwohnern gut zu recht, hieß es auf der staubigen Baustelle.

Mit Situation arrangiert

Auch die ansässigen Gewerbebetriebe haben sich mit der Situation arrangiert. „Es geht voran, so wie es auf dem Bau sein soll“, meinte ein Mitarbeiter des Grünen Marktes, den Kunden derzeit über den Parkplatz des Kulturhauses anfahren können. „Die Stammkunden halten dem Markt die Treue“, war vor Ort zu erfahren. Auch die Fußgängerwege durch die Baustelle seien gut geregelt, meinte der Markt-Mitarbeiter.

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Auch Markus Roßbander von Fahrrad Rossi auf der gegenüberliegenden Straßenseite kann mit der Baustellensituation leben. „Es liegt aber auch an unserer Branche“, berichtet Roßbander, dass im Fahrradsegment derzeit ein gutes Wachstum zu verzeichnen sei. So kämen die Kunden derzeit zu 70 bis 80 Prozent über den Eingang am Chüdenwall in das Geschäft. „Es war uns ja klar, dass es hier irgendwann los geht“, sagt Markus Roßbander.

Archäologen werden fündig

Unterdessen haben auch die Archäologen des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie im Untergrund der Altperverstraße einige Entdeckungen machen können. Allerdings bleibt ihnen zur Sichtung und Katalogisierung der Funde nicht viel Zeit, weil die Baumaßnahme so zügig wie möglich vorangetrieben wird. Unter anderem, so berichtet auch Frank Große, seien direkt am Karlsturm große Fundamente aus Findlingen gefunden worden. „Damit können wir die Maße des ehemaligen Tores dort genau bestimmen“, freute sich Dr. Uwe Fiedler, Mitarbeiter des Landesamt im Gespräch mit der Volksstimme.

Besonders spannend wurde es für die Wissenschaftler dann am Mittwoch. Bei Ausschachtungsarbeiten für den Mischwasserkanal in Richtung der Kreuzung zum Chüdenwall stießen die Bauarbeiter im Boden auf einen mindestens drei Meter langen, massiven Holzbalken. Dr. Barbara Fritsch, Referentin für Bodendenkmalpflege, eilte noch am Nachmittag an den Fundort. „Der ist aus dem späten Mittelalter“, schätzte die Expertin noch vor Ort ein. Er diente wahrscheinlich als Unterlage für weitere Bohlen, die in dieser Zeit (zwischen 1200 und 1500) die Straßenoberfläche bildeten. „Das ist die typische Straßenschicht“, zeigte Fritsch auf eine gut sichtbare, dunklere Erdschicht in der Baugrube.

Fred Timm und Uwe Fiedler ermittelten via GPS die Ausmaße des Fundes. Dieser wurde später geborgen. Proben des Balkens werden zur Alters- und Holzartbestimmung dendrochronologisch untersucht.

Weiter entdeckten die Bauarbeiter in dem Bereich Tierknochen und ein gut erhaltenes Stück eines Wellenhufeisens, das seine Form aufgrund der Ausbeulungen für den sogenannten Hufnagel erhielt. Auch dieses Stück stammt aus dem späten Mittelalter. „13. bis 14. Jahrhundert“, erklärte Uwe Fiedler.

Die Wissenschaftler begrüßten bei allen Funden die gute Zusammenarbeit mit den Baufachleuten. „Es läuft alles sehr kooperativ“, betonte Barbara Fritsch.