Aufarbeitung der SED-Diktatur

Beratungstag für Betroffene von SED-Unrecht in Salzwedel

Rehabilitierung wichtig für die finanzielle Absicherung im Alter

11.07.2021, 15:32 • Aktualisiert: 12.07.2021, 10:31
Ehemalige Stasi-Häftlinge besichtigen das einstige U-Haft-Gefängnis der Stasi in Rostock.
Ehemalige Stasi-Häftlinge besichtigen das einstige U-Haft-Gefängnis der Stasi in Rostock. Foto: dpa

Salzwedel (be) - Wer in der DDR als politischer Häftling inhaftiert war, dem droht bei der Klärung seiner Rentenkonten oft eine böse Überraschung. Sammelt man doch nach deutschem Sozialversicherungsrecht während Haftzeiten keine Rentenpunkte. Eine strafrechtliche Rehabilitierung ist für Betroffene deshalb wichtig, um keine Lücke in ihren Rentenversicherungszeiten zu haben.

Beratung erstmals wieder in Salzwedel vor Ort

Mitarbeiter der Beauftragten des Landes Sachsen-Anhalt zur Aufarbeitung der SED-Diktatur beraten in einstündigen Gesprächsterminen im Salzwedeler Rathaus Betroffene regelmäßig dabei, einen entsprechenden Antrag zu stellen. Am kommenden Donnerstag sind sie wieder in der Hansestadt, erstmals seit dem Corona-Lockdown. Die monatlichen Sprechtage waren zwischenzeitlich wegen der Pandemie nur noch telefonisch angeboten worden. Seit im November 2019 die zuvor gültigen Antragsfristen für die Rehabilitierung aufgehoben wurden, hat die Beratungsnachfrage angezogen. Darauf weist Wolfgang Laßleben, Referent bei der Beauftragten des Landes Sachsen-Anhalt zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, hin. Bestimmte Betroffenengruppen erhielten seit der Gesetzesänderung 2019 bessere Leistungen.

Vielfältige Nachwirkungen bis heute

Der Beratungstag richtet sich an Menschen, die bis heute unter den Folgen des SED-Staates leiden, insbesondere zu Unrecht Inhaftierte, Betroffene von Zersetzungsmaßnahmen der Stasi, Personen, die Repressalien in Beruf oder Ausbildung ausgesetzt waren, Menschen die enteignet wurden, Verschleppte und deren Angehörige sowie Hinterbliebene und Angehörige von Opfern sowie Personen, die nach Einsicht in ihre Stasi-Akten eine erneute Traumatisierung erlitten haben. „In Salzwedel geht es in den Beratungsgesprächen häufig um die Folgen der Förderung von Erdöl und Erdgas zu DDR-Zeiten. Viele Menschen, die dort beschäftigt waren, haben gesundheitliche Schäden erlitten und nun Schwierigkeiten, das gegenüber der Berufsgenossenschaft nachzuweisen“, berichtet Wolfgang Laßleben auf Nachfrage der Volksstimme.

Zudem sei die Grundstücksrückübereignung ein häufiges Thema in und um Salzwedel, verbunden mit Problemen bei der Integration in die Dorfgemeinschaften, in die die früheren Eigentümer zurückkehren. So existierten in vielen Dörfern aufgrund damals verbreiteter Gerüchte auch heute noch Vorurteile gegen die Zwangsausgesiedelten.