Arendsee l Schilfpflanzen auf dem Trockenen, große Lücken und nur vereinzelt ist Grün zu sehen: Für manche Betrachter wirkt dies besorgniserregend. Besonders auffallend ist die Situation nahe der Pferdeschwemme. Experten sehen keine akuten Gefahren, verweisen aber auf die Bedeutung des grundsätzlichen Schutzes. Einheimische vermuten nicht die Trockenheit, sondern Nutrias als Grund für den lückenhaften Bewuchs, insbesondere auf der Zießauer Seite.

Bislang keine Fressschäden festgestellt

Eine Anfrage dazu beim Land, dem Besitzer des Arendsees, brachte zunächst keinen Erfolg. Das Umweltministerium verwies auf das zuständige Kreis-Umweltamt. Dort ist das Vorkommen an Nutrias im Zießauer Bereich seit Jahren bekannt. Wie Birgit Eurich von der Pressestelle nach Rücksprache mit den Fachleuten informiert, konnte bislang kein Rückgang, der auf Fressschäden der Tiere beruht, festgestellt werden. Da der Schutz des Röhrichtbereiches, so der offizielle Name für das Biotop im Uferbereich, aber hohe Priorität habe und dies auch im Bundesnaturschutzgesetz verankert ist, wurde mit zuständigen Jagdpächtern gesprochen. Die Nutrias sollen gezielt bejagt werden, um die vorhandenen Bestände zu minimieren. Darüber hinausgehende Schutzmaßnamen für den Röhrichtbereich am Arendsee sind derzeit nicht geplant, heißt es seitens der Naturschutzbehörde des Altmarkkreises.

Die untere Wasserbehörde äußert sich ebenfalls zu diesem Thema. Röhricht habe wichtige Funktionen für Gewässer. Dazu gehöre das Stabilisieren der Uferbereiche. Dies sei gerade für den Arendsee von Bedeutung. Denn der Wind hat große Angriffsflächen, und so können Wellen mit einer Größe von über einem halben Meter entstehen. Diese richten Schäden am Ufer an, wenn sie durch Röhricht nicht abgebremst werden. Zudem entziehen Schilfpflanzen dem Wasser in der Vegetationsphase Nährstoffe. Dies ist für eine bessere Wasserqualität von Bedeutung.

Wasserstand gesunken

Für das aktuelle Erscheinungsbild des Röhrichtbereiches nahe Zießau gibt es von den Fachleuten eine Erklärung. Da der Wasserstand in den vergangenen Jahren gesunken ist, fielen Zonen, in denen Schilf wächst, trocken. Die Pflanzen selbst haben tiefe Wurzeln und können sich darüber versorgen. Die natürlich abgestorbenen Teile bleiben aber liegen. Sie wurden sonst vom Wasser weggeschwemmt. Dadurch erscheint der Eindruck, es ist mehr Schilf abgestorben als normalerweise. Die Kreisverwaltung hat Rücksprache mit dem Landesamt für Hochwasserschutz gehalten. Auch dort gibt es die Meinung: Durch die Nutrias sind keine Gefahren für den See zu befürchten. Die Pflanzen sind auch auf der anderen Seeseite wichtig. Unterhalb der Stadt wurde 2019 auf Einwohner-Initiative und mit Hilfe von Schülern gepflanzt, um Lücken zu schließen.