Salzwedel/Stendal l Die beiden Säulen an den Ortseingängen von Erxleben im Landkreis Stendal mussten schon einiges mitmachen. Kaum waren sie aufgestellt, wurden sie mit Farbe besprüht. Seit Herbst 2016 nehmen die festinstallierten Blitzer an der B189 die Raser ins Visier. Eine große Ausnahme in der gesamten Altmark. Nur einen weiteren festen Blitzer gibt es in der Region - bei Buchholz, ebenfalls an der B189 in Richtung Magdeburg. Für Raser herrschen damit im Norden Sachsen-Anhalts offensichtlich paradiesische Zustände.

Fährt der Altmärker aber nach Norden oder in den Westen,  tritt er womöglich öfter auf die Bremse. Allein im Landkreis Lüchow-Dannenberg gibt es 23 stationäre Geschwindigkeitsmessgeräte (inklusive Doppelstandorte), wie eine Sprecherin des niedersächsischen Kreises auf Anfrage der Volksstimme erklärte. Kaum auf der B248 aus Salzwedel heraus, steht der erste bereits in Lübbow nur einen guten Kilometer hinter der Landesgrenze.

Einnahme von etwa 1.5 Millionen Euro

Ähnlich ist es in Richtung Uelzen. "Wir haben an 15 Standorten 22 Anlagen", beziffert Martin Theine, Sprecher des Landkreises Uelzen. Der erste aus Richtung Salzwedel befindet sich direkt in Bergen (Dumme) an der B71 ebenfalls unweit der Landesgrenze. Für die beiden niedersächsischen Kreise eine wertvolle Einnahmequelle. Allein im Landkreis Uelzen kamen zuletzt jährlich rund 1,5 Millionen Euro an Verwarn- und Bußgeldern zusammen.

Hauptgrund bleibt allerdings die Verkehrssicherheit, sollen doch Blitzer an Unfallschwerpunkten und Gefahrenstellen die Verkehrsteilnehmer dazu zwingen, sich an die geltenden Geschwindigkeitsbeschränkungen zu halten. Das wünschen sich auch Anwohner der Ortschaften Ritzleben, Binde, Kläden und Leppin an der B190 im Norden des Altmarkkreises. Doch unlängst kassierte die Arendseer Stadtverwaltung vom Kreis eine Absage auf einen Antrag.

Absage für Orte an der B190

Wie Arendsees Bürgermeister Norman Klebe Mitte September informierte, habe der Altmarkkreis nicht vor, an der B190 Blitzer installieren zu lassen. Dafür werde keine Notwendigkeit gesehen, hieß es in der Absage auf die Anfrage aus der Seestadt. Verwiesen wurde stattdessen auf die Möglichkeit von Blitzaktionen. Eine dauerhafte Kontrolle war damit für die Zukunft aber vorerst vom Tisch. Doch warum fällt den altmärkischen Landkreisen die Aufstellung stationärer Tempokontrollanlagen so schwer?

Bei der Antwort darauf landet man wieder beim Thema Geld. Denn in Sachsen-Anhalt kassiert das Land mit, wenn Kommunen (über 20.000 Einwohner) oder Landkreise die Investition eines Blitzers übernehmen. Genau erklärt es Inka Ludwig, Sprecherin des Altmarkkreises: "Verwarngelder dürfen die Landkreise und Städte behalten. Alle Bußgelder gehen jedoch zur Hälfte an das Land, obwohl die Investition und die laufenden Kosten die Landkreise und Städte tragen." Kurz gesagt: Es rechnet sich nicht. Dabei schauen die sachsen-anhaltinischen Kommunen neidvoll auf andere Bundesländer.

So ist es nicht verwunderlich, dass beide Altmarkkreise derzeit nicht einen einzigen stationären Blitzer planen. Einige Autofahrer dürfte das freuen, einige Anwohner müssen dagegen weiterhin mit Rasern im Ort leben.

Gerast wird doch

Und gerast wird, wie aktuelle Meldungen der Polizeiinspektion (PI) Stendal bestätigen, definitiv. Zwar gebe es keine bestimmten Stelle, an denen sich Unfälle aufgrund erhöhter Geschwindigkeit häufen würden, sagt PI-Sprecher Joachim Albrecht. Doch der Beamte kann einige Temporekorde nennen, die bei mobilen Messungen festgestellt wurden.

So wurde im Juni in Miltern bei Tangermünde ein Autofahrer mit 126 km/h bei erlaubtem Tempo 70 gemessen. In Bindfelde bei Stendal hatte Anfang August ein Raser 175 km/h bei erlaubten 100 km/h auf dem Tacho. Durch die Ortslage Ackendorf (Tempo 50) rauschte Ende August dann ein Fahrer mit 101 km/h.