Salzwedel l In Klötze hat der Ausbau bereits begonnen, für Gardelegen ist der erste Spatenstich für einen Breitbandausbau bereits terminiert. Nun will die Telekommunikationstochter des Energieversorgers Avacon auch in Salzwedel durchstarten. Was Avacon-Connect-Geschäftsführer Detlef Gieselmann am Mittwochabend im Stadtrat vorstellte, stieß auf großen Zuspruch unter den anwesenden Ratsmitgliedern.

Eigenwirtschaftlich will die Firma in Salzwedel mit seinen Gewerbegebieten sowie in Brietz und Chüttlitz tätig werden. Es gehe um 12  700 Nutzungseinheiten und 5750 Hausanschlüsse, erklärte Gieselmann. Dabei wolle die Firma flächendeckend ein komplett neues Glasfasernetz verlegen. Damit würden auch die sogenannten weißen Flecken verschwinden. Also unterversorgte Gebiete. Zudem sollen die Schulen im Ausbaugebiet mit angeschlossen werden.

Hohe Nachfrage

Es gebe eine hohe Nachfrage aus dem Gewerbe und dem privaten Bereich. Wie hoch diese tatsächlich ist, soll mit der Akquise von Vorverträgen ermittelt werden. Wann diese starten kann, sei aufgrund der Corona-Pandemie momentan nicht vorherzusagen, erklärte Gieselmann. Er bat die Stadträte dahingehend als Multiplikatoren mitzuwirken. Denn Wirtschaftlichkeit sei die Basis, um das Vorhaben in die Tat umzusetzen.

Bei einem Erfolg der Vorvermarktung soll der Ausbau nächstes Jahr beginnen und 2022 abgeschlossen sein. „Ohne einen Cent Fördergeld und von der Stadt“, erklärte Gieselmann.

Förderung vom Land

Für Orte wie Klein und Groß Chüden, Ritze, Klein und Groß Gerstedt will die Stadt eine Förderung vom Land in Höhe von 90 Prozent in Anspruch nehmen. Sie beträgt maximal drei Millionen Euro. Diese sei nicht an Anschlussquoten gebunden, wie Theo Struhkamp von der Staatskanzlei erklärte. Er begrüße das Projekt mit einer Kombination aus eigenwirtschaftlichem Engagement und Förderung.

Der Weg, der jetzt beschritten werden soll, hat sich auch ergeben, weil eine Ausschreibung für das gesamte Stadtgebiet mit allen Ortsteilen gescheitert war. In den momentan unterversorgten Dörfern wäre eine Glasfaserschließung defizitär.

Mit der Stadt soll nun eine „partnerschaftliche Vereinbarung geschlossen werden“, wie Gieselmann erklärte. Sie bezieht sich darauf, dass Genehmigungsverfahren für die großflächige Erschließung im Stadtgebiet zügig erteilt werden. Zudem stelle die Stadt kommunale Flächen dafür zur Verfügung.

Stadträtin Gabriele Gruner fragte, ob mit dem Ausbau über das Fördergeld nicht gewartet werden muss, bis der Bund sein angekündigtes Förderprogramm aufgelegt hat. Über diese Gigabit-Strategie soll es möglich sein, auch Gebiete gefördert auszubauen, die bereits mit mindestens 30 MBit/s erschlossen sind – auch graue Flecken genannt. Es sei noch nicht klar, ab welcher Schwelle diese Regelung gelte, entgegnete Struhkamp. Dann müsse das Programm erst aufgelegt werden, und die Förderung betrage nur 70 Prozent. „Es ist richtig, das im Hinterkopf zu behalten, aber nicht darauf zu warten“, sagte er.

Freier Wettbewerb

Die Wohnungsbaugesellschaft und die -genossenschaft hätten hinsichtlich des schnellen Internets für ihre Mieter Gespräche mit der Telekom geführt und diese nun „auf Eis gelegt“. „Bleibt ihnen die Wahl?“, wollte Linken-Stadtrat Marco Heide wissen.

Natürlich sei Avacon-Connect daran interessiert, mit den Wohnungsbauunternehmen ins Gespräch zu kommen, denn Mehrfamilienhäuser seien besonders attraktiv. Trotzdem sei es deren Entscheidung. „Wir stehen im Wettbewerb“, so Gieselmann.

Bei einer Enthaltung beschlossen die Stadträte, die Breitbanderschließung der Hansestadt Salzwedel für unterversorgte Gebiete erneut auszuschreiben und die Bürgermeisterin zu ermächtigen, Zuwendungen aus Breitbandförderprogrammen zu beantragen.