Salzwedel l Aufregende Wochen für den Zweckverband Breitband Altmark (ZBA), doch für Andreas Kluge kein Grund, den Optimismus zu verlieren. „Ich bin zuversichtlich, dass wir in Kürze starten können“, sagte er – vor der Einigung mit dem Magdeburger Wirtschaftsministerium über die Details der Förderbescheide. Auch wenn das Wort Klage wohl dramatisch klang – im Grund habe es sich um einen Widerspruch gegen die Nebenbestimmungen des Förderbescheides gehandelt, erklärt der Geschäftsführer des Verbandes.

Die Intervention auf politischer Ebene und die Tatsache, dass Wirtschaftsminister Armin Willingmann die Angelegenheit des ZBA zur Chefsache erklärte, habe dabei sehr geholfen, schätzte Andreas Kluge ein.

Vergaberecht und Fristen

Nunmehr solle mit den Detailplanungen begonnen werden, die wiederum Voraussetzung für die Genehmigungsplanung sind. Zudem ist der ZBA bei einer Investitionssumme von 140 Millionen Euro an das europäische Vergaberecht gebunden, das die Einhaltung von Fristen vorschreibt. „Vor August 2018 wird keine Maßnahmen starten“, schätzt Andreas Kluge.

Bei der digitalen Infrastruktur, die der ZBA in der Region installiert, handelt es sich um ein sogenanntes open access-Netz, ein für jeden Anbieter zugängliches Netz. Und beim ZBA ist man sich sicher: Eines Tages wird auch die Telekom, die derzeit in zahlreichen Orten auf das Vectoring-System mit Kupferleitungen vom Verteiler bis zum Haus setzt, dieses Netz nutzen.

Marktversagen

Denn der Nachweis, dass der Markt versage und Wettbewerb in der Altmark nicht greife, sei erbracht. Wie eine Wettbewerbssituation aussieht, beschreibt die Europäische Kommission in ihren Leitlinien für die Anwendung der Vorschriften über staatliche Beihilfen im Zusammenhang mit dem schnellen Breitbandausbau sehr genau. Für einen sogenannten schwarzen Fleck ist dann kein staatliches Handeln erforderlich, wenn es mindestens zwei Breitbandgrundversorgungsnetze unterschiedlicher Betreiber gibt. In den Leitlinien wird auch die Option des zukünftigen Ausbaus berücksichtigt. Allerdings verlangt die Leitlinie, dass der Ankündigung innerhalb von drei Jahren auch Taten folgen.

Dabei war die Altmark vor einigen Jahren in Sachen Internetanbindung noch ein Tal der Ahnungslosen, erinnert sich Axel Schulz vom ZBA. Vor etwas mehr als zehn Jahren hatte er sich mit weiteren Aktivisten zum ersten Mal in Kusey getroffen, um in der Region Internet zu ermöglichen. „Seit 1998 gab es DSL mit Datenmengen von 750 kBit“, erinnert er sich. „Das war damals Highspeed“, ergänzt Andreas Kluge, „das gab es in großen Städten, aber nicht hier.“ Die Altmärker wollten wissen, wann sich die Situation ändere. Doch beim Telekommunikationsunternehmen schüttelte man nur den Kopf. Andere Anbieter erkundigten sich zunächst nach der Telefonvorwahl. Die Internetaktivisten lernten: Je länger die Vorwahl, desto ländlicher die Region und umso unwahrscheinlicher der Ausbau.

Reise nach Oerel

Wie es auch anders funktionieren kann, erlebte Axel 2009 Schulz in Oerel (Landkreis Rothenburg/Wümme). Der 300-Einwohner-Ort hatte parallel zu seinen Tiefbauvorhaben Glasfaseranschlüsse bis in die Häuser verlegt. Als Betreiber fungierte die Unser Ortsnetz GmbH, die seit September zur Deutschen Glasfaser Wholesale GmbH gehört.

Auch die Vertreter der Kreisverwaltungen aus Salzwedel und Stendal, die an dieser Reise teilnahmen, erlebten das Prinzip als gelungene Sache: ein kommunaler Bauherr, der die Infrastruktur an einen Betreiber vermietet.

Vollzeitjob

Gemeinsam mit Sebastian Stoll, dem Zweiten Beigeordneten des Stendaler Landrates, trug Axel Schulz die Informationen für die Etablierung eines Zweckverbandes zusammen, während die altmärkischen Landräte die Gründung vorantrieben. „Es war schnell absehbar, dass das ein Vollzeitjob sein würde. Internetausbau so nebenbei zu betreiben, das war unrealistisch“, resümierte Axel Schulz. Heute hat der Zweckverband Breitband Altmark acht Mitarbeiter, zum Teil als Mitarbeiter aus der Kreisverwaltung abgeordnet.

Im Pilotcluster Arneburg sammelte der ZBA Erfahrung mit der Umsetzung des Ausbaus. Aufgrund der Struktur mit kommunalen Gebietskörperschaften als Mitglieder „sind wir nicht so schnell wie ein privatwirtschaftlicher Dienstleister, aber für unsere Dimensionen gut“, zieht An-dreas Kluge ein Fazit. Der ZBA sei ein Dienstleister, und das von ihm errichtete Netz könne jeder nutzen, stellt der Geschäftsführer klar. „Auch die, die eigene Netze bauen.“

Kilometerweit Glasfaser

Die Dimensionen klingen beachtlich. Allein im Cluster 1 rund um Arneburg seien 150 Kilometer Glasfaserkabel verlegt worden. Alles in allem werden im Gebiet des ZBA etwa 3000 Kilometer an Tiefbauleistungen zusammenkommen, für mehr als 30 000 Hausanschlüsse. Die Motivation für den Ausbau des schnellen Internets in der Region in der Verbandsversammlung mit ihren 22 Mitgliedern erlebt Andreas Kluge als sehr hoch. Zumal Rückmeldungen in Sachen Vectoring bestätigen, dass mit zunehmender Entfernung vom Verteilerkasten die zur Verfügung stehenden Datenmengen abnehmen. „VDSL ist eine Übergangstechnologie“, sagt Axel Schulz. Zwar ist das Glasfasernetz bis in die Häuser (Fibre to the Home) teuer, doch seien die Finanzierungsmöglichkeiten aufgrund der Zinslage an den Kapitalmärkten günstig.

Der vom ZBA verlegten Kabel enthalten jeweils sechs Glasfasern. Eine Faser allein ermögliche bereits Übertragungsraten von einem Gigabit. „Damit haben wir das langfristige Ziel, dass die Europäische Union für den Breitbandausbau ausgibt, bereits erfüllt“, so Andreas Kluge. Auch entlegene Orte, etwa wie Haselhorst bei Diesdorf oder Eigenthum, ein Ortsteil der Hansestadt Gardelegen, werden angeschlossen – Orte, in denen wenige Menschen und demzufolge für Privatanbieter wenige Kunden leben. Daher sind für den Ausbau Fördermittel wichtig. Andreas Kluge und Axel Schulz sind überzeugt: „Für die Altmark ist das der richtige Schritt.“