Salzwedel l „Auch zu DDR-Zeiten gab es Kinder, die vernachlässigt wurden. Es gab damals wie heute Eltern, die getrunken haben, Väter, die ihre Frauen und Kinder geschlagen habe“, weiß die Salzwedelerin Elke Haß nur zu gut. Damals durfte man jedoch nicht darüber reden. Doch nur, wenn über Probleme geredet werde, könne man sie auch ändern. Denn Frauen und Kinder brauchen Räumlichkeiten, in denen sie angstfrei leben können.

Deshalb gehörte Elke Haß 1991 zu den Mitbegründerinnen des Frauen- und Kinderhauses und engagiert sich unermüdlich im Trägerverein der Einrichtung. Der Vorstand um seine Vorsitzende Sabine Rönnefahrt schlug Elke Haß deshalb für den Bürgerpreis des Altmarkkreises in der Kategorie Lebenswerk vor. „Unermüdlich streitet sie von Anbeginn bis zum heutigen Tage aktiv für den Fortbestand unserer Einrichtung“, schreibt Sabine Rönnefahrt und weiter: „Sie half mit ihren Erfahrungen und ihrem aktiven Einsatz das heute für uns wichtige Netzwerk an Hilfen mit aufzubauen.“

Elke Haß‘ Einsatz für soziale Belange begann zu Wendezeiten in der Arbeitsgruppe Soziales des Neuen Forums. In dieser Zeit hat sie eine wichtige Erfahrung gewonnen: „Man konnte etwas bewirken, wenn man sich darum gekümmert hat.“ Iris Jugl und Brigitte Blaut, die bereits zu DDR-Zeiten im sozialen Bereich gearbeitet hatten und wussten, was sich hinter manch scheinbar heilen Fassade verbarg, wollten ein Frauenhaus auch in Salzwedel einrichten. Dazu wurde ein Trägerverein gegründet, in dem sich auch Elke Haß engagierte. „Das erste Frauenhaus befand sich in der Goethestraße. Es war noch nicht mal fertig eingerichtet, da stand die erste Frau schon vor der Tür“, erinnert sich Elke Haß.

Vielfältige Aufgaben

Neben der unmittelbaren Fürsorge für die von Gewalt betroffenen Frauen und Kinder sind zahlreiche andere Aufgaben zu erledigen, Aufgaben, um die sich auch Elke Haß kümmert: der ehrenamtliche telefonische Bereitschaftsdienst, die Buchprüfung für den Verein, verschiedenste Dinge besorgen, die für das alltägliche Leben erforderlich sind, ebenso die Einrichtung, wenn die Frauen dann in eine neue Wohnung ziehen, und immer wieder Aufklärungs- und Lobbyarbeit leisten, wenn sie auf Unwissenheit und Vorbehalte gegenüber dem Frauenhaus stößt.

„Anfangs konnten viele Leute so ein Frauenhaus eben nicht einordnen“, blickt leicht schmunzelnd Elke Haß zurück. Und es wird noch lange gebraucht werden. „Nicht immer haben betroffenen Frauen die Möglichkeit, sich von ihrer Familie oder von Freunden helfen zu lassen. Manchmal ist Unterstützung von außen einfach besser“, weiß Elke Haß.

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