Salzwedel l Vermeintliche Fehler bei der Lebensplanung können sich im Nachgang als glückliche Fügung erweisen. Manchmal eröffnen sich unerwartete Chancen, die die eigene Biografie sehr bereichern können. Vor knapp einem Jahr hätte sich Oliver Weißbach wohl kaum vorstellen können, über seine Erlebnisse im Bundesfreiwilligendienst an der Lessingschule zu berichten. Doch er bereut den Umweg nicht. Stattdessen sitzt der 20-Jährige am Montagvormittag zufrieden in der gemütlichen Sitzecke, berichtet über seine Aufgaben und erzählt, weshalb er außerplanmäßig für ein Jahr an der Ganztagsschule gelandet ist.

Nach Leipzig sollte es für den Salzwedeler nach dem Abitur am Jahngymnasium eigentlich gehen, zum Studium der sozialen Arbeit an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur. Dann tat sich im Spätsommer 2017 ein Problem auf: Die Zahl der Studienplatzbewerber überstieg die freien Kapazitäten bei weitem. Oliver Weißbachs Abiturnote reichte nicht aus, um zum Studium zugelassen zu werden. „Ich hatte mich leider etwas zu sehr auf Leipzig festgelegt.“

Alternativen mussten her

Nichts war es mit dem Umzug in die sächsische Metropole, Alternativen mussten her. Doch in welche Richtung sollte es nun gehen? Vielleicht einen Job suchen, bei dem man in kurzer Zeit relativ viel Geld bekommt? Oder besser schon mal eine Tätigkeit im sozialen Bereich suchen, wenn er in der Zukunft sowieso gerne in diesem Bereich arbeiten würde?

Oliver Weißbach entschied sich für zweiteres und begann zunächst ein Praktikum an der Lessingschule. Nach Rücksprache mit dem Altmarkkreis wurde schließlich eine Bundesfreiwilligendienst-Stelle geschaffen. Schwerpunkt der Jobbeschreibung: Die Arbeit mit geflüchteten Schülern, die zahlreich in der Schule an der Lindenallee vertreten sind.

Entspannte Atmosphäre

Für den frisch gebackenen Bufdi, so die gängige Abkürzung, ging es gleich richtig los. Zunächst bei den Kennlern-Tagen der fünften Klassen, danach im Deutschunterricht für Flüchtlinge. „Davor hatte ich ein wenig Respekt, aber ich habe versucht, möglichst locker an die Sache ranzugehen“, beschreibt Oliver Weißbach, mit welcher Einstellung er in seine erste selbst gehaltene Unterrichtsstunde ging. Laut eigener Einschätzung sei die Taktik ganz gut aufgegangen: „Die Atmosphäre war bis jetzt immer entspannt. Ich bin ganz zufrieden.“

Bringt er Schülern mit Migrationshintergrund nicht grade Deutsch bei, hilft Oliver Weißbach vor allem der Schulsozialarbeiterin Irene Barth. Mit ihr teilt er sich das Büro. Auch beim sogenannten Projektlernen ist er regelmäßig dabei. Zu einem bestimmten Thema müssen die Schüler dann verschiedene Aufgaben erfüllen. „Da gebe ich Denkanstöße und achte darauf, dass konzentriert gearbeitet wird.“ Am Nachmittag findet man ihn außerdem oft im Fitnessraum der Schule, um den Sportlehrern zu assistieren.

Der Salzwedeler verbringt ein abwechslungsreiches Jahr an der Lessingschule. Studieren möchte Oliver Weißbach trotzdem noch. Ob Lehramt oder Soziale Arbeit ist noch nicht ganz klar. Sicher ist nur, dass er sich diesmal an mehreren Unis bewirbt. Noch ein Umweg muss nicht sein. Obwohl sich der erste im Nachhinein richtig gelohnt hat.