Altmarkkreis l Eine vom Bundeskabinett gebilligte Corona-Arbeitsschutzverordnung gibt klare Regeln vor. Wenn keine zwingenden Gründe dagegen sprechen, sollen Arbeitgeber ihren Mitarbeitern das Arbeiten von Zuhause anbieten. Auch wenn kein Zwang dazu bestehen soll, sind die Arbeitgeber in der Pflicht. Bis Mitte März gilt diese Ansage. Wie verfahren eigentlich die Verwaltungen damit?

Keine Kurzarbeit in Kreisverwaltung

In der Kreisverwaltung befanden sich bislang 13 Mitarbeiter im Homeoffice. Ihre Zahl soll sich in dieser Woche deutlich erhöhen. „Nach derzeitiger Prognose werden es mehr als 100 sein“, erklärt Kreissprecherin Birgit Eurich. So viele Anträge sind derzeit bei den jeweiligen Vorgesetzten gestellt und das sei noch nicht das Ende der Fahnenstange. Von den insgesamt 476 Stellen seien nur etwa 130 nicht für Homeoffice geeignet. Der überwiegende Teil der Beschäftigten bleibe aber nicht komplett zu Hause, sondern tageweise, um sich mit anderen abzuwechseln. In Kurzarbeit ist in der Kreisverwaltung niemand.

Bereits im vergangenen Jahr seien zusätzliche Laptops beschafft worden, um mobiles Arbeiten zu ermöglichen. Eurich: „Darüber hinaus wurde zum Jahreswechsel der sicherer Zugang zu unserem Netzwerk errichtet.“ Der Testlauf war vor wenigen Tagen erfolgreich. Damit könne den Homeoffice-Arbeitsplätzen eine gesicherte Verbindung ermöglicht werden. Die Beschaffung von Laptops werde fortgesetzt. Perspektivisch sei davon auszugehen, dass mehr mobile Arbeitsplätze erforderlich seien.

Teilweise "analoge" Akten

Was das Internet angehe, sehe es nicht überall rosig aus. An den einzelnen Wohnorten der Beschäftigten seien unterschiedliche Qualitäten vorhanden. Sei ein brauchbarer Anschluss verfügbar, werde auf dieser Basis ein digitaler Homeoffice-Platz eingerichtet. Einige Kollegen könnten unter Verwendung von „analogen“ Akten ihre Aufgaben erfüllen.

Die Kreisverwaltung selbst verfüge über Internetanschlüsse, die bisher ein reibungsloses Arbeiten zuließen. Aufgrund der Umstellung der Kommunikation auf digitale Systeme bedürfe es aber erheblich größerer Bandbreiten, die nicht anliegen würden. Erst kürzlich sei das System bei einer Videokonferenz zusammengebrochen. Eurich: „Hier machen sich die Fehler der Vergangenheit in der Bundesrepublik deutlich bemerkbar, was den Ausbau der digitalen Infrastruktur, sprich des Glasfasernetzes, betrifft.“

Geschlossene Kitas und Schulen sind ein weiterer Faktor, der sich auswirkt. Beschäftigte die unentbehrlich sind, erhielten für ihre Kinder den Nachweis für die Notbetreuung. Andere versuchen, sowohl Homeoffice als die auch Betreuung ihrer Sprösslinge unter „einen Hut“ zu bringen.

Im Landratsamt würden alle wichtigen Aufgaben weiterhin erledigt. Eurich: „Es ist klar, dass derzeit andere Prioritäten gesetzt sind, dennoch soll die Verwaltung so funktionieren, dass Leistungsempfänger ihre Leistungen bekommen, dass Anträge bearbeitet werden, damit die Wirtschaft nicht zusätzlichen Schaden nimmt.“ Die Zulassungsstelle bleibe geöffnet, ordnungsrechtliche Aufgaben würden ebenfalls erfüllt.

Stadtverwaltung stellt Technik

In Salzwedels Stadtverwaltung befinden sich derzeit fünf Mitarbeiter im Homeoffice, 20 sollen es insgesamt werden. Zudem sind 22 Beschäftigte in Kurzarbeit, teilt Kirsten Schwerin von der Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit mit. In Rathaus und Bürgercenter, also in der Kernverwaltung, arbeiten 96 Männer und Frauen.

Wer nicht über die erforderliche Computertechnik für Homeoffice verfügt, bekomme diese von der Verwaltung zur Verfügung gestellt. Es werde zudem ein gesicherter Zugang zum Netzwerk unter Einhaltung aller Sicherheits- und Datenschutzrichtlinien ermöglicht. Schwerin: „Ein tatsächliches Problem ist allerdings der – nicht vorhandene – Breitbandausbau.“ Es gebe insbesondere Schwierigkeiten, wenn neben dem Homeoffice auch Homeschooling über das Datennetz laufen müsse.

Personalausfälle wegen geschlossener Schulen und Kitas hielten sich in Grenzen. „Wo immer unter Beachtung der Absicherung systemrelevanter Bereiche möglich, wird die Kinderbetreuung ermöglicht“, betont sie. Der Erhalt wichtiger Verwaltungsabläufe erfolge über Kontaktbeschränkungen in den Gebäuden und Arbeit in Einzelbüros oder zu Hause.

Nach wie vor könnten die Bürger ihre Angelegenheiten über eine telefonische oder per Mail vorgenommene Terminvereinbarung erledigen.

Verwaltungsmitarbeiter vereinzelt

„Wir haben ohnehin alle Verwaltungsmitarbeiter vereinzelt“, sagt Dietrich von Gruben, Chef der Deba Badsysteme in Salzwedel. Weitere Kollegen würden sich im Homeoffice befinden. „Daher sehe ich keinen Grund, dass Homeoffice gesetzlich vorzuschreiben.“ Insgesamt würden 41 Mitarbeiter vereinzelt in einem Büro ihrer Arbeit nachgehen und weitere sieben in Heimarbeit.

Ein Homeoffice-Zwang würde sich unmittelbar auf die Lehre junger Menschen auswirken, ist sich von Gruben sicher. „Was ist mit den Auszubildenden, vom wem sollen die dann etwas lernen?“, fragt er sich. Zudem seien Praktikanten betroffen, die Praktika im Rahmen ihrer Ausbildung absolvieren müssten.

Kontakte beschränkt

Die Deba habe sich ohnehin, schon vor einer Diskussion zur Homeoffice-Pflicht, mit dem Thema der Kontaktbeschränkung auseinandergesetzt. Denn vor Corona seien Produktionsmitarbeiter für interne Absprachen direkt in den Verwaltungstrakt gekommen. Das sei längst nicht mehr so. Ein Mitarbeiter sei nun dazwischengeschaltet, gewissermaßen die Nahtstelle zwischen Produktion und Verwaltung. „Daher kommt kein Produktionsmitarbeiter mehr in die Verwaltung“, erklärt der Deba-Chef.

Im Ergebnis geht Dietrich von Gruben die Diskussion etwas gegen den Strich. „Ich bin frustriert: Als würden wir uns gegen Lösungen wehren und nicht selbst welche suchen – natürlich kümmern wir uns“, sagt er. Sowohl um die Mitarbeiter zu schützen, als auch im Interesse der Firma. Abgesehen davon sei eine Homeoffice-Pflicht bei Weitem nicht das einzige Problem, womit sich die Firma auseinandersetzen müsse. Denn zu wichtigen Märkten der Deba in England und der Türkei könne derzeit nicht geflogen werden.