Salzwedel l In dieser Woche erhält der Altmarkkreis wieder mehr Impfstoff vom Land. Er reicht für 500 bis 600 Leute, die der höchsten Prioritätsstufe angehören. Das sind unter anderem über 80-Jährige, Pflegekräfte und medizinisches Personal. Für Mitarbeiter ambulanter Pflegedienste sollen ab kommender Woche gesonderte Termine in den Impfzentren in Gardelegen und Salzwedel angeboten werden, erklärte Landrat Michael Ziche am 2. Februar in einer Pressekonferenz.

Bisher haben 2592 Menschen in der Westaltmark ihre Erst- und mehr als 1000 ihre Zweitimpfung erhalten. In den Pflegeheimen sollen die Zweitimpfungen demnächst abgeschlossen sein. „Damit haben dann etwa ein Drittel der zurzeit Impfberechtigten im Landkreis ihre Immunisierung gegen das Coronavirus erhalten“, erklärte Ives Müller, Leiter der Impfzentren.

Impfstoff fehlt

Die personellen, technischen und räumlichen Kapazitäten würden eine deutlich höhere Zahl an Impfungen zulassen. Müller schätzt, dass bis zu 1000 am Tag zu schaffen seien. Und auch die Anzahl der Tage, an denen in den Zentren geimpft wird, könnten an beiden Standorten auf sechs hochgefahren werden. Momentan sind es jeweils zwei in der Woche. „Limitierender Faktor ist und bleibt der Impfstoff“, sagte der Landrat. Er hofft, dass sich die Liefermengen in den kommenden Wochen deutlich erhöhen. Dann soll das „Flächenkonzept“ Realität werden, entweder in den Praxen der Hausärzte oder alternativ in geeigneten Räumen der größeren Gemeinden, wie beispielsweise Kalbe oder Arendsee. Seitens der Ärzte gebe es eine hohe Bereitschaft, sich an der Strategie zu beteiligen, sagte Ziche. Aber: „Nach heutigen Erkenntnissen zu den Liefermengen, ist ein dezentrales Impfen vor März nicht umsetzbar“, erklärt er.

Termin vor Ort

Anders als für die Impfzentren erfolgt die Terminvergabe nicht über die Hotline 116 117 oder das Onlineportal, sondern soll vor Ort erfolgen. Ziche: „Hier setzte ich auf das Engagement der Bürgermeister und Räte, die Impfberechtigten anzusprechen und eine hohe Bereitschaft mit flankierenden Maßnahmen zu erlangen.“

Dass es momentan Probleme gibt, einen Termin zu bekommen, sei bekannt. Damit sind auch die Mitarbeiter der Kreisverwaltung am Corona-Bürgertelefon täglich konfrontiert. Das Land habe allerdings per Erlass klargestellt, dass es an der derzeitigen Praxis festhält. Mit der dezentralen Kampagne werde sich gerade für die älteren und nicht mehr so mobilen Einwohner die Situation deutlich entspannen.

Abwärtstrend erkennbar

Sorge bereitete ihm nach wie vor das Infektionsgeschehen im Altmarkkreis, auch wenn der Sieben-Tage-Inzidenzwert in den vergangenen Tagen gesunken und ein Abwärtstrend zu erkennen sei. Zwar sei es nicht zu einschneidenden Maßnahmen gekommen, wie sie ab einem Wert von mehr als 200 vorgesehen waren, dennoch sei eine Inzidenz von 115 deutlich zu hoch, betonte Ziche. Der Altmarkkreis gelte im Land als unauffällig, weil es keine Hotspots und eine eher diffuse Infektionslage gebe, dennoch könne keine Entwarnung gegeben werden. Im Gegenteil, erst ab einer Inzidenz von unter 35 könne das gesellschaftliche Leben wieder anspringen und die Menschen zur Normalität zurückkehren. „Davon sind wir noch weit entfernt“, räumte er ein.

Vor allem die Todesfälle gingen ihm nahe. Der Kreis hat 47 gezählt, das Land 56. Die Ursache dieser Differenz sei noch nicht klar. Vermutlich zähle das Robert-Koch-Institut (RKI) auch Westaltmärker hinzu, die außerhalb des Landkreises an oder mit dem Coronavirus gestorben sind.

Widersprüchlich seien auch die Angaben des Landes zu den Corona-Fällen, wobei mitunter ganze Datensätze nicht vollständig oder erst später dem RKI gemeldet würden. Maßgeblich seien für ihn Meldungen aus dem Gesundheitsamt des Kreises, die direkt aus den Laboren oder von den Hausärzten kommen. „Sie sind valide“, betonte er.