Salzwedel l Das öffentliche Leben in der Hansestadt wird immer weiter eingeschränkt, um die Verbreitung des Coronavirus‘ zu verlangsamen. Ein Überblick der Lage in Salzwedel (Stand: Montag, 16. März).

Schulen

Das Abitur findet statt! Nach einem Rundschreiben des Landesschulamtes vom Montag bestehe für Abiturienten kein Grund, ihre Prüfungsvorbereitung zu unterbrechen. Auch die Schüler anderer Klassenstufen sollten das vorläufige „Corona-Aus“ der Schulen nicht auf die leichte Schulter nehmen, rät Ralf Hoppstock: „Wir haben keine Ferien“, sagt der Leiter des Jahngymnasiums in Salzwedel. Nach Auskunft des Schulleiters bestehe kein Zweifel, dass Lerninhalte, welche die Schulen nun auf verschiedensten Wegen zur Verfügung stellen, geprüft werden. Zudem werde auf diesem Stoff aufgebaut, sobald wieder ein geregelter Unterricht möglich ist.

Das Kollegium der Oberschule hatte am Montag damit begonnen, Testfragen und Lerninhalte auf den Bildungsserver des Landes zu laden. Der zentrale Computer biete Schülern und Eltern Gelegenheit, die gestellten Hinweise einzusehen und Aufgaben zu beantworten. „In den meisten Fächern bekommen die Schüler einer Klassenstufe dieselben Aufgaben“, erklärt Hoppstock. So sei die durchgehende Betreuung von Schülern auch in den Fällen sichergestellt, in denen sich einzelne Lehrer an dem Corona-Virus anstecken.

Einen anderen Weg geht das Kollegium der Comeniusschule. Besucher der Internetseite begrüßt ein grün unterlegter Hinweis, der Interessenten zu einem „Aufgabenportal für Schüler“ leitet. „Wir sind ins kalte Wasser gesprungen“, sagt Schulleiter Norbert Hundt: „Die Situation ist für uns ebenso ungewohnt, wie für Eltern und Kinder. Nun machen wir das Beste daraus.“ Zwei Schüler der fünften und sechsten Klassenstufe hatten am Montag die Notbetreuung in Anspruch genommen. Claudia Kleitzke, pädagogische Mitarbeiterin, hatte sich mit den Kindern beschäftigt, sagt Hundt: „Unser Angebot entspricht dem, was die Eltern zu Hause auch machen könnten“, erklärt der Schulleiter und empfiehlt eine Mischung aus Spiel, Bewegung und der Beschäftigung mit den Lerninhalten auf den Internetseiten der Schule. Nach Einschätzung von Hundt sei es kein guter Weg, Kinder und Jugendliche in der unterrichtsfreien Zeit vor dem Fernseher oder Computer abzuladen.

Kindertagesstätten

Noch etwas unübersichtlich war am Montag (16. März) die Situation in den Kindertagesstätten der Hansestadt. „Wir stecken mitten in der Organisation“, sagte Thomas Wnuck vom Kinderhouse. Die Richtlinien für die Betreuung von Kindern und Jugendlichen in Kitas und Schulen hatte das Sozialministerium des Landes erst am Sonntag (15. März) bekannt gegeben. „Seitdem haben wir alle Hände voll zu tun, die Vorgaben in die Tat umzusetzen“, sagt Wnuck. Ähnlich äußerte sich die Leiterin der Kita-Eigenbetriebe der Stadt Salzwedel, Doris Gensch.

„Die Situation der Schulen ist vergleichsweise einfach“, erklärt Wnuck auf Nachfrage: „Viele Schülerinnen und Schüler sind in einem Alter, in dem sie sich selber beschäftigen, und einige Stunden ohne Aufsicht gelassen werden können. Bei den Kleinen ist deutlich mehr Aufmerksamkeit gefragt.“ Angesichts der, zum Wochenanfang unsicheren, Gesamtlage, hätte der überwiegende Teil der Eltern, deren Nachwuchs im „Kinderhouse“ betreut wird, von sich aus „die Notleine gezogen“ und die Kinder zu Hause gelassen. Rund ein Dutzend der sonst etwa 50 Kinder, hatten am Montag die Notbetreuung im Kinderhouse in Anspruch genommen.

Tafel

Barbara Quast, Vorstandsvorsitzende vom Diakonischen Werk Altmark West, informierte, dass die Tafel-Ausgabestellen im Altmarkkreis – in Salzwedel, Gardelegen, Klötze und Jahrstedt – vorübergehend schließen. Auf telefonische Nachfrage erklärte sie, dass dies zunächst für diese Woche (KW 12) gelte. Ab der kommenden Woche (KW 13) soll eine Notausgabe auf die Beine gestellt werden. „Es wird eventuell fertig gepackte Tüten geben“, berichtete sie. „Wir suchen junge Menschen, die uns helfen können“, warb Quast um Freiwillige, da viele aktuelle Helfer schon älter sind. Wer sich engagieren möchte, kann sich unter Telefon 03901/30 30 64 bei Barbara Quast melden.

Seniorenheime

Im städtischen Seniorenzentrum Vita gelten seit Montag (16. März) strengere Besuchszeiten. „Täglich von 14 bis 16 Uhr“, nennt Geschäftsführerin Marion Vongehr-Bülow die zwei Stunden, in denen Angehörige ihre Verwandten besuchen dürfen. „Wir haben Besucherlisten ausgelegt, für den Fall, dass wir Kontaktpersonen erfassen müssen“, berichtet die Geschäftsführerin. Sie bittet Angehörige zudem, die Besuche bei den Großeltern und Eltern auf ein Minimum zu beschränken.

Im Pflegeheim am Karlsturm ist der Besuch der Bewohner seit Freitag (13. März) komplett untersagt. Geschäftsführer Jürgen Letzas berichtete, dass die Angehörigen bisher mit viel Verständnis auf die strenge Schutzmaßnahme reagiert hätten. „Die Maßnahme ist drastisch“, ist sich Letzas bewusst. Doch auch die Bewohner hätten verständnisvoll reagiert. Man versuche derzeit andere Wege, zum Beispiel Video-Telefonie über den Online-Dienst Skype, zu finden, damit „Töchter oder Söhne ihre Mutter sehen können“. Jürgen Letzas hofft, dass die Einschränkungen bald wieder gelockert werden können.

Daneben habe man die Hygienemaßnahmen, zum Beispiel die Desinfektion von Handläufen, deutlich verstärkt. Sorge bereitet dem Geschäftsführer die Verfügbarkeit von Desinfektionsmitteln. Noch seien Vorräte ausreichend vorhanden, doch die Neubeschaffung gestalte sich derzeit schwierig.

Frauen- und Kinderhaus

„Wir haben noch nicht geschlossen, nehmen im Notfall Frauen und Kinder auf“, sagt Liane Kretschmer, Leiterin des Frauen- und Kinderhauses in Salzwedel. Derzeit sei das Team in der Findungsphase, tausche sich mit den Mitarbeitern anderer Häuser in Sachsen-Anhalt aus. Hygienetipps seien ausgehangen, die Frauen gebeten worden, gut zu lüften. Am Dienstag werde mit dem Förderverein beraten, wie es weitergehen solle. „Seifenblasen sind an die Kinder verteilt, sie haben ihre Freude damit. Das Leben in unseren vier Wänden ist momentan noch in Ordnung.“