Salzwedel l „Warum abschieben? Es ist doch Raum in unseren Häusern und Herzen“ ist auf einem der Plakate zu lesen, die Demonstrationsteilnehmer am Sonnabend mit sich führen. Zur Veranstaltung hatten das Aktionsbündnis Solidarisches Salzwedel, die Solidarische Provinz Wendland-Altmark und der Verein eXchange eingeladen. Gerechnet wurde mit 200 Mitstreitern. In Spitzenzeiten sind etwa 90 Personen dabei. Vielleicht war das dem Regen geschuldet?

Das Thema sei sehr aktuell, meinen Christine Bölian vom Flüchtlingsrat Sachsen-Anhalt und Stadträtin Cathleen Hoffmann, die die Veranstaltung gemeinsam angemeldet hatten. Ziel sei es, Solidarität mit Menschen zu zeigen, die fliehen müssen oder geflohen sind, aber auch, sich gegen rechte Übergriffe zu wehren, sagt Christine Bölian. „Die Geflüchteten leben hier in Angst, fühlen sich bedroht“, hat sie in persönlichen Gesprächen erfahren.

Bekenntnis zum "Sicheren Hafen" eingefordert

Im Altmarkkreis Salzwedel seien die Zahlen der Opfer rechter Gewalt gestiegen, sagt Cathleen Hoffmann. Ihrer Meinung nach fehle es an politischem Willen und der Lobby, sich für Geflüchtete einzusetzen. „Damit müssen sich der Stadtrat und der Kreistag intensiv auseinandersetzen“, fordert sie ein. Christine Bölian wünscht sich, dass der Salzwedeler Stadtrat sich dafür ausspricht, ein sogenannter sicherer Hafen für das Seebrücken-Bündnis zu werden. Dabei gehe es darum, dass geflüchtete Menschen, die an der EU-Außengrenze gestrandet seien, direkt in Deutschland aufgenommen würden. Die Stadträte von Magdeburg oder Berlin beispielsweise hätten sich bereits dafür ausgesprochen. „Mit solchen Aktionen wie heute wollen wir die Notwendigkeit des ,sicheren Hafens‘ aufzeigen und ins Bewusstsein rücken“, ergänzt Cathleen Hoffmann.

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Der Zug marschiert von der Lüneburger Straße über Süd- und Nordbockhorn, Wall- und Neuperverstraße sowie Vor dem Neuperver Tor bis zum Kulturhausvorplatz. Kurzzeitig wird der Fahrzeugverkehr beeinträchtigt, teilweise umgeleitet. Begleitet werden die Demonstranten von Beamten des Polizeireviers Altmarkkreis Salzwedel, Kollegen der Landesbereitschaftspolizei Magdeburg, des Zentralen Einsatzdienstes und des Verkehrsüberwachungsdienstes der Polizeiinspektion Stendal.

Besser Wohnung als Sammelunterkunft

Am Endpunkt gibt es weitere Redebeiträge. Kritisiert wird beispielsweise, dass Geflüchtete in Salzwedel in Sammelunterkünften leben müssen, obwohl es viele freie Wohnungen gibt. Eine weitere Forderung lautet, nicht nach Hautfarbe und Religion zu unterscheiden, sondern sich gemeinsam gegen Faschismus einzusetzen.

Ein Iraner, der seit fast einem Jahr mit seiner Familie in Salzwedel lebt, berichtet über die Flucht. Die Familienmitglieder seien viele Monate unterwegs gewesen. Er würde gern arbeiten, könne aber noch kein Deutsch. Durch die fehlende Sprachkenntnis könne er auch keinen Führerschein machen, beschreibt er.

Störungsfreier und friedlicher Verlauf

Die Veranstaltung sei störungsfrei und friedlich verlaufen, resümiert Salzwedels Polizeirevierleiter Sebastian Heutig. Ein wesentlicher Garant dieses Erfolgs sei die gezeigte Polizeipräsenz.

Alle Corona-Auflagen seien eingehalten worden, bestätigt Kreis-Ordnungsamtsleiter Hans Thiele, der mit seinen Mitarbeitern das Geschehen im Blick hat. In diesem „demonstrationsreichen Jahr“ gebe es viel zu tun, merkt er an.