Die Schwächsten der Gesellschaft ausgeraubt

Von Wolfgang Biermann

Stendal/Gardelegen l Sie lebten sinnlos in den Tag hinein, nahmen Rauschgift und beschafften sich das Geld für den Drogenkonsum durch Diebstähle und Raub. Dafür suchten sie sich die Schwächsten der Gesellschaft aus: alte Menschen und Behinderte.

Weil sie in Gardelegen Seniorinnen, körperlich Behinderte und weitere Menschen ausraubten und dabei auch deren Verletzung in Kauf nahmen, kamen drei junge Männer im Alter von 20 und 21 Jahren in Untersuchungshaft und stehen seit dem 14. November in Stendal vor dem Landgericht (die Volksstimme berichtete).

Die Justiz musste sich mit dem Trio in den zurückliegenden Jahren schon mehrfach beschäftigen, wie aus den gestern vom Vorsitzenden Richter Ulrich Galler verlesenen Strafregistereinträgen hervorging. "Warum haben Sie denn keine Arbeit gesucht?", fragte die Staatsanwältin einen der Angeklagten. "Keine Lust", bekam sie zur Antwort von dem 20-Jährigen, der bis zu seiner Festnahme keinerlei Einnahmen hatte. "Und was soll die Lust in Zukunft fördern?", bohrte sie weiter. Als Antwort erntete sie nur Schweigen. Immerhin bekundeten die Angeklagten, zwei Überfallopfern Schmerzensgeld und Schadenersatz leisten zu wollen. Einer will damit auch umgehend beginnen. Er habe Arbeit in der U-Haft und wolle monatlich 50 Euro zahlen. Wie berichtet hatte am 11. April eine um die Handtasche beraubte 94-Jährige durch den Sturz einen Beckenbruch erlitten. Einer 79-Jährigen brachen sie beim Raub ihrer Handtasche am 29. April zwei Finger, weil sie die Handtasche nicht loslassen wollte. Am Montag werden die Plädoyers gehalten, und das Gericht stellte auch das Urteil in Aussicht.