Altmark l Der eine steigt bei der Audi-Limousine hinten ein, der andere muss sich den kleinen Dacia mit anderen teilen und rechtzeitig anmelden. Die altmärkischen Bürgermeister und die beiden Landräte trennen beim Thema Fuhrpark manchmal Welten. Die eine Kommune verzichtet ganz auf Dienstwagen für den Verwaltungschef, die nächste hat ein paar Pkw für alle Mitarbeiter und wieder andere haben eine Limousine ganz für sich – sogar mit Fahrer. Doch sind die Wagen notwendig? Gibt es in der weitläufigen Altmark überhaupt die Möglichkeit auf einen Dienstwagen zu verzichten? Und wie sieht es mit umweltfreundlicheren Modellen aus? Fast alle Stadt- und Kreischefs aus dem Norden des Landes haben dazu auf Fragen der Volksstimme geantwortet.

„Also viel kleiner geht es wirklich nicht", meint Michael Olms, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Beetzendorf-Diesdorf. „Wir haben einen Skoda Fabia Kombi und einen VW Polo", berichtet Olms am Telefon. Die Fahrzeuge teilen sich diverse Mitarbeiter, als Sprit- und CO2-Schleudern gelten sie im Vergleich auch nicht. Doch Olms hat seine Rechnung ohne einen Blick an den Arendsee gemacht. Dort verfügt die Gemeinde über zwei Dacia Sandero, teilt Bürgermeister Norman Klebe mit. Er stellt auf die Frage, nach einer möglichen umweltfreundlicheren Alternative nüchtern fest: „Beide Fahrzeuge sind schon dem Kleinwagensektor zuzuordnen, so dass es darunter keine Fahrzeugklassen gibt." Beim Thema Umstieg auf Elektromobilität sind sich die beiden befragten Ortschefs einig: Sicher ein Thema, aber erst wenn sich die Ladeinfrastruktur verbessert hat. Daran können beide mitwirken. Norman Klebe verspricht: „Es gibt Bestrebungen dieses Manko in der nächsten Zeit anzugehen." Gemeint ist eine Lademöglichkeit in Arendsee.

Sabine Blümel fährt selbst

Auf einer Ebene höher wird der Verwaltungschef noch chauffiert. Patrick Puhlmann (SPD), Landrat des Landkreises Stendal, sowie Michael Ziche (CDU), Landrat im Altmarkkreis Salzwedel, haben beide einen eigenen Fahrer. Und auch die Fahrzeuge sind deutlich komfortabler. So kann der Sozialdemokrat in einem Audi A6 (Diesel) Platz nehmen, während der Christdemokrat in einen 5er-BMW (Diesel) einsteigt. Beide werden vorerst dabei bleiben, denn der technische Stand bei elektrobetrieben Fahrzeugen hinsichtlich Reichweite würde noch nicht ausreichen, heißt es zum Beispiel aus der Pressestelle des Landkreises Stendal. In Salzwedel ergänzt der Kreis, dass auch die Ladeinfrastruktur noch nicht ausreiche.

Auch Klaus Schmotz, Oberbürgermeister von Stendal, lässt sich noch chauffieren. Dafür hat die Hansestadt eine Audi A6-Limousine  (Diesel) geleast. Derzeit gebe es keine Bestrebungen den Wagen auszutauschen.  In Salzwedel dagegen muss Stadtchefin Sabine Blümel selbst fahren. Sie nutzt für Dienstfahrten einen VW Touran (Benziner), den sie sich mit weiteren Mitarbeitern teilt. Derzeit sei keine Neuanschaffung geplant, heißt es aus dem Rathaus. Wenn, dann werde man „ökologische Belange" berücksichtigen.

Hybrid-Antrieb für nächsten Wagen

In Osterburg ist man hinsichtlich Umweltaspekt schon einen kleinen Schritt weiter. „Die Stadt hat die Beschaffung eines Hybrid-Antriebes ausgeschrieben", teilt Bürgermeister Nico Schulz mit. Er teilt sich mit seinen Verwaltungsmitarbeitern einen Golf Variant (Benzin), der aber demnächst getauscht werden soll. Der neue Wagen soll ein Passat-Variant werden.

„Kleiner geht es kaum", sagt René Schernikau, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Arneburg-Goldbeck. Er teilt sich mit seiner Verwaltung einen Hyundai i20. Wenn ein neuer Wagen beschafft werden soll, dann werde auch über eine umweltfreundliche Alternative nachgedacht, beantwortet Schernikau die Volksstimme-Frage mit einem knappen: „Ja."

Annegret Schwarz nimmt den Privatwagen

Rüdiger Kloth, Verwaltungschef der Verbandsgemeinde Seehausen, spart mit Fakten zum Dienstwagen. „Ich habe keinen eigenen Dienstwagen. Wenn der allgemeine Dienstwagen frei ist, benutze ich ihn", antwortet er. Ansonsten nutze er seinen Privatwagen. So macht es wohl auch Annegret Schwarz, Stadtchefin in Bismark. „Ich habe keinen Dienstwagen", antwortet sie kurz. Es sei auch nicht vorgesehen, dass sie in Zukunft einen bekomme. Auch auf Fahrzeuge der Stadt greife sie nicht zurück, erklärt Schwarz.

Im Süden des Landkreises Stendal kann der Tangermünde Bürgermeister, Jürgen Pyrdok, in eine ordentliche Passat Limousine (Benzin) steigen. Allerdings muss er sich den 14 Jahre alten Wagen mit der Verwaltung teilen. Eine neue Anschaffung sei derzeit nicht angedacht, heißt es aus dem Rathaus. Aus finanziellen Gründen sei der Kauf eines Elektroautos „vorerst nicht geplant".

Welcher Wagen Andreas Brohm, Bürgermeister von Tangerhütte, zur Verfügung steht, sagt der Stadtchef nicht. „Die Gemeinde verfüge über einen Fuhrpark", teilt er mit. Es sei aber klar, dass die Gemeinde bei Neuanschaffungen die Möglichkeit alternativer Antriebe prüfe.

Elektroauto in der Zukunft?

Aus der westlichen Altmark äußerten sich zudem Mandy Schumacher (Gardelegen) und Karsten Ruth (Kalbe) zu ihren dienstlichen Fahrzeugen. Die Gardelegener Stadtchefin muss auf ein älteres „Pferd" setzen. Ihr steht ein VW Jetta (Benzin), Baujahr 2007, zur Verfügung. „So lange mein Dienstwagen hält, bleibt er", sagt Schumacher. Später könne es gerne ein kleineres Fahrzeug sein. Immerhin verfügt die Stadt Gardelegen bereits über ein Elektrofahrzeug. Stimme die Reichweite, dann kann sich die Stadtchefin auch einen Elektro-Dienstwagen vorstellen. Das wird es in Kalbe vorerst nicht geben. Dort wurde die Regelung getroffen den Privatwagen von Karsten Ruth als Dienstwagen anzuerkennen, und den steuert der Bürgermeister natürlich selbst.