Salzwedel l Wer in den Krankenhäusern des Altmarkklinikums Salzwedel und Gardelegen aufgenommen wird, bekommt jetzt die Möglichkeit, seine Krankenakte online einzusehen. Dazu muss sich der Patient auf einer Internetseite mit seinen Zugangsdaten einloggen, für zusätzliche Sicherheit sorgt ein TAN-Verfahren. Das heißt, bei jedem neuen Anmelden auf der Seite wird eine TAN-Nummer auf das Handy des Patienten geschickt, die er auf der Seite eintragen muss. Weil Patientendaten heikle Informationen sind, wird außerdem jedes Einloggen oder Änderungen an den Daten protokolliert, erklärt Hagen Woecht, Geschäftsführer der Innocon-Systems in Tangermünde. Seine Firma hat die Software für die digitale Patientenakte entwickelt und ist für die Sicherheit der Daten verantwortlich. Dafür wurden zusätzliche Sicherheitsserver eingerichtet.

Seit der Inbetriebnahme am 28. September haben erst 20 Patienten die Möglichkeit genutzt. In der digitalen Patientenakte sind derzeit nur ausgewählte Daten zu sehen. Dazu gehören Diagnosen, Befunde, Arztbriefe und Röntgenbilder und teilweise Termine. Anhand derer kann sich der Patient nicht nur während des Krankenhausaufenthaltes, sondern auch später über seinen Gesundheitszustand informieren. Da er die Daten auch auf dem Handy abrufen kann, ist es leichter möglich, beim im Anschluss behandelnden Arzt Fragen zur medikamentösen Behandlung im Krankenhaus zu beantworten. Auch im Urlaub sind die Daten dann jederzeit für einen neuen Arzt griffbereit.

Ausbau hängt von Finanzierung ab

Laut Hagen Woecht sei es in einem weiteren Entwicklungsschritt möglich, dass die Patienten auch ihre Angaben zu Vorerkrankungen und Allergien, Termine sowie Angehörigendaten selbst pflegen könnten. Auch ein Upload für unterschriebene Patientenverfügungen sei denkbar, so der IT-Experte. Zu diesen weiteren Ausbaumöglichkeiten laufen derzeit die Gespräche zwischen ihm und dem Altmark-Klinikum. Von einem Vertragsabschluss hängt ab, ob die Software für die Kliniken in Salzwedel und Gardelegen weiterentwickelt wird.

Laut Hagen Woecht ist das digitale Patientenportal in Sachsen-Anhalt einmalig. Derzeit sei die Nachfrage bei deutschen Krankenhäusern nach solchen Softwarelösungen noch verhalten. Dabei seien sie gerade für ländliche Regionen interessant. Interessenten seien eher Privatkliniken, die ausländische Gäste behandelten, die später im Heimatland vollen Zugriff auf ihre Patientendaten haben möchten.

Für das Johanniter-Krankenhaus in Stendal ist ein digitales Patientenportal noch Zukunftsmusik. Derzeit werden aber bereits alle Patientenakten digital archiviert, wie Pressesprecherin Claudia Klupsch berichtet. Wann sie den Patienten auch digital zugänglich gemacht werden könnten, hinge auch von der Finanzierung ab. Außerdem gebe es noch Sicherheitsbedenken beim Datenschutz.