Salzwedel l Der Ärztemangel der Region ist und bleibt Thema in der stetig alternden Bevölkerung. Doch wie dem begegnen? Deshalb wollte Martin Schulz von den Grünen im ersten Finanzausschuss der neuen Wahlperiode im Salzwedeler Rathaus wissen, ob ein Modell nach Osterburger Vorbild nicht auch in Salzwedel möglich sei. Schließlich würden sich so junge Ärzte an die Region binden lassen.

Zum Hintergrund: In Osterburg können sich angehende Medizinstudenten für ein Stipendium bewerben. Dies aber nur, wenn sie sich verpflichten, nach Ende des Studiums und einer Facharztausbildung auch in Osterburg zu praktizieren. Für diese Zusage erhalten die angehenden Mediziner monatlich 700 Euro, jeweils zur Hälfte finanziert von der Stadt und der Kassenärztlichen Vereinigung (KV). Während der Facharztausbildung zahlt die Stadt Osterburg später 200 Euro im Monat.

Hilfe bei Wohnungssuche

„Gibt es dazu bereits Überlegungen?“, will Martin Schulz wissen. Dafür sei die Kommune nicht zuständig, antwortete Bügermeisterin Sabine Blümel. Trotzdem, auch sie hat die Thematik auf dem Schirm. Die Stadt würde den Medizinern bei der Wohnungssuche unter die Arme greifen und Kita-Plätze für deren Nachwuchs anbieten, um die Entscheidung für den Standort Salzwedel positiv zu beeinflussen. Außerdem verwies sie darauf, dass sich die Situation in Salzwedel etwas entspanne. So würde wieder ein Hautarzt in der Hansestadt praktizieren. Die Allgemeinmedizinerin Karin Willert, die kurz vor der Rente steht, soll bereits eine Nachfolgerin haben. Obendrein soll eine Praxis für Chirurgie neu besetzt werden, die eines Kinderarztes ebenso. Sabine Blümel sei zwar dafür nicht zuständig, wie sie abermals betonte, doch für die passenden Rahmenbedingungen sorge sie.

Das wollte Peter Fernitz von den Christdemokraten so nicht stehen lassen. „Im Krankenhaus sind die Mitarbeiter überlastet“, sagt er, außerdem „hören viele Ärzte in den nächsten Jahren auf“. Den Knackpunkt sieht Fernitz aber in Magdeburg: „Das Land macht einen Fehler.“ Denn wie Peter Fernitz erläutert, könnten zehn Prozent der Medizinstudenten aus Sachsen-Anhalt als Landarzt in die Fläche geschickt werden. Doch aktuell würde dies nur mit fünf Prozent geschehen. „Das ist für mich nicht nachvollziehbar, wenn man freiwillig darauf verzichtet“, so Fernitz.

Druck wird weitergegeben

Das sei ein Thema, welches sie als Bürgermeisterin mit Landrat Michael Ziche in Konferenzen bespreche, erklärte Sabine Blümel und nahm den Ball auf. Man könne zwar nicht jedes Problem heilen, aber den Druck an die Landesregierung weitergeben und auf die zehn Prozent pochen, das nehme sie auf und werde es auch tun, so die Bürgermeisterin.

Norbert Hundt von den Sozialdemokraten hält die medizinische Versorgung in und um Salzwedel für prekär. Er riet seinem Kollegen Martin Schulz von den Grünen, einen entsprechenden Antrag zu stellen, wenn das Osterburger Modell sein Anliegen sei. Die Idee schien Hundt zu gefallen, der auf ein ähnliches Modell beim Lehrerstipendium in Gardelegen verwies.

Nach Angaben der KV sind schon heute 140 Hausarztstellen im Land nicht besetzt.