Salzwedel l Bevor die von Sebastian Elbe von der Sprint GbR moderierte Runde zu den potenziellen Veränderungen im Leben der Nutzer kam, drehte sich die Diskussion zunächst einmal mehr um die Infrastruktur. Andreas Kluge, Geschäftsführer des Zweckverbandes Breitband Altmark (ZBA), legt kurz den aktuellen Stand der Dinge dar und machte deutlich, dass es eigentlich umgehend mit dem Ausbau in den nunmehrigen Projektgebieten losgehen könnte. Die Anträge auf Fördermittel sind gestellt, der ZBA-Haushalt vom Landesverwaltungsamt genehmigt. Nur die Zuwendungsbescheide fehlen noch und mit einer Vergabe vor dem Bund könne Sachsen-Anhalt ein Zeichen setzen, sagte er, deutlich an die Adresse von Wirtschaftsstaatssektretär Thomas Wünsch gewandt.

Bessere Drähte

Für Professor Michael Herzog von der Hochschule Magdeburg-Stendal liegen die Vorteile des altmarkweiten schnellen Internets auf der Hand. Man müsse dann nicht mehr zu jeder Vorlesung von Salzwedel nach Stendal fahren. Anderswo werde mehr Inhalt ins Netz gestellt, „und wir müssten nicht so viel eigene IT vorhalten, wenn wir bessere Drähte hätten“, seufzte er.

Wolfgang Schlaak vom Fraunhofer Heinrich-Hertz-Institut Berlin legte der Region eine enge Kooperation mit der Hochschule ans Herz. Denn dort könnten Studenten Apps und Programme entwickeln, die Einzelhändlern vor Ort die Möglichkeit eröffnen, auch online ihre Angebot zu offerieren. „Tante Emma muss ins Internet“, betonte Schlaak.

Übernahme

Modelle für Regionen gebe es bereits in Sachsen-Anhalt, ergänzte Thomas Wünsch und verwies auf den Burgenlandkreis. Dort sei eine App für den Landkreis entwickelt worden, die die Nutzer am Tag beispielsweise über Einzelhandel und Restaurants, abends über Kneipen und Kinos informiere. „Das kann man doch leicht adaptieren“, regte der Staatssekretär an.

Florian Lewerken blickte dagegen gleich auf die Work-Life-Balance in der Altmark, wenn sie über schnelles Internet verfügt. Die angebliche Strukturschwäche der Region müsse auch als Chance begriffen werden. Denn Haus- und Grundstückspreise seien hierzulande niedrig, und dann könne man mit Online-Business starten. „Die grüne Wiese muss noch grüner werden, das ist doch geil“, sagte der Havelberger begeistert.

Jobverluste

Thomas Barniske, Chef des BIC Altmark Stendal, trieb dagegen die Sorge vor Arbeitsplatzverlusten durch die Digitalisierung um. Doch auf dem Podium überwog in dieser Frage der Optimismus. Ein etwaiger Verlust werde in keinem Verhältnis zu den Chancen stehen, prognostizierte Stefan Korneck, Geschäftsführer der scm solar GmbH in Pretzier und war sich da mit Thomas Wünsch einig. Nicht alles werde wegfallen, so der Staatssekretär. Denn auch wenn eines Tages der Bus die Kinder autonom zur Schule fahren könne, werde niemand auf die Idee kommen, dort keine Aufsichtsperson einzusetzen.

Angesichts der parallelen Aktivitäten des Zweckverbandes und privater Anbieter kamen Teilnehmer auf der Bühne des Kulturhauses und Zuhörer im Saal nicht am Thema Datenmenge vorbei. Wolfgang Schlaak hatte eingangs der Diskussion das Ende des digitalen Mittelalters beschworen, berichtete jedoch, dass bei ihm zu Hause bei einem 50 MBit-Anschluss auch nur 13 MBit ankommen. 100 MBit sind aus Sicht von Rüdiger Kloth, Bürgermeiser der Verbandsgemeinde Seehausen, das absolute Minimum. Dass für Gebiete, in denen offiziell 30 MBit anliegen, keine Fördermittel fließen, basiere auf dem europäischen Beihilferecht, wurde seine Frage beantwortet. „Große Player haben hier ihre Einflussmöglichkeiten genutzt“, resümierte Stefan Korneck, aus dessen Sicht auf Seiten des Bundes viele Fehler bei der Erstellung der Fördermittelrichtlinien gemacht wurden.