Schadeberg/Dülseberg l „Der Wolf ist genetisch bestätigt für den Riss der Schafe bei Diesdorf“: Das sagte Forstamtmann Peter Oestreich, Sachbearbeiter Nutztierrissbegutachtung des Landesamtes für Umweltschutz Sachsen-Anhalt, auf Nachfrage der Volksstimme. Er hatte im Auftrag des Wolfskompetenzzentrums Iden am Vormittag des 16. Dezember 2019 den Fund von 17 toten Schafen auf einer Wiese zwischen Schadeberg und Dülseberg dokumentiert. Nun hat die DNA-Analyse den Verdacht bestätigt, dass Wölfe für das Massaker verantwortlich waren.

Hobby-Schäfer Siegmar Wilde, dem die Schwarzkopfschafe gehörten, habe mittlerweile alle Unterlagen erhalten, um den Antrag auf Entschädigung beim Amt für Landwirtschaft, Flurneuordnung und Forsten Dessau stellen zu können. Er habe ihn auch über den weiteren Verfahrensweg informiert, sagte Peter Oestreich. „Jetzt muss Siegmar Wilde selbst aktiv werden“, fügte er hinzu.

Noch zwölf Schafe übrig

Der Reddigauer, der seit mindestens 20 Jahren privat Schafe hält, bestätigte, dass er die Unterlagen erhalten, ausgefüllt und abgeschickt habe. „Aber mir hat noch keiner was gesagt, dass der Wolf für den Tod meiner Schafe verantwortlich war“, erklärte Siegmar Wilde im Gespräch mit der Volksstimme. Nicht nur die 17 auf der Wiese gefundenen Schafe habe er zu beklagen. Am Fund-Tag musste zudem ein verletztes Tier eingeschläfert werden. Vier Tage später sei ein weiteres Schaf verendet. „Dazu kommen zwei Tiere, die bis heute verschwunden sind“, fügte er hinzu. Übrig geblieben seien zwölf Schafe, um die er sich weiter kümmere.

Der Schock über das Geschehen kurz vor Weihnachten sitzt immer noch tief. „Ich hatte alle Vorsichtsmaßnahmen ergriffen, die Fläche eingezäunt. Es war auch Strom drauf. Doch das hat alles nicht geholfen“, sagte Siegmar Wilde traurig. Überall werde nach Tierwohl geschrien. Aber dass der Wolf freie Hand habe und ihm kein Einhalt geboten werde, das habe mit Tierwohl seiner Meinung nach nichts mehr zu tun.

Trächtige Tiere verloren

Er habe trächtige Tiere verloren, die Ende Februar/Anfang März ihre Lämmer zur Welt gebracht hätten. Den Schaden bezifferte der Hobby-Schäfer auf etwa 4000 Euro. Hinzu kämen die Kosten für den Abdecker. „Damit musste ich erstmal allein klar kommen“, fügte der Reddigauer hinzu und schob die Frage nach, warum es keine kurzen Wege für die Entschädigung bei solch einem Verlust gebe. „Die Bürokratie wühlt die Menschen auf. Da muss man ständig hinterhersetzen, um zu seinem Geld zu kommen“, sagte Siegmar Wilde.

Nach der ersten Aussage am 16. Dezember, mit der Schäferei aufhören zu wollen, denkt er heute wieder darüber nach, dem Hobby vielleicht doch weiter nachgehen zu wollen. Entschieden hat er sich noch nicht: Denn die Angst vor einem neuen Wolfsangriff bleibt.