Diesdorf l Die feierliche Preisübergabe bei einer Gala sowie Fachgespräche mit Gleichgesinnten gab es bei der „Destillata“, die in Österreich stattfindet, in diesem Jahr nicht. Die Corona-Pandemie mit all ihren Beschränkungen kam bei der 17. Auflage dazwischen. „Die Ergebnisse gab es diesmal per Post und Mail“, erzählt Matthias Schulz, Geschäftsführer der Diesdorfer Süßmost-, Weinkelterei und Edeldestille GmbH. Doch diese hätten das Herz höher schlagen lassen.

Knapp 100 Betriebe aus neun Nationen haben ihre Edelbrände eingereicht. Für die ausgezeichneten Produkte habe es Punkte gegeben, die zu einer Gesamtzahl addiert wurden. Nach dieser seien die Betriebe eingestuft worden. „Wir haben zum ersten Mal den Kreis der ,auserwählten Destillerien‘ erreicht, stehen in der Liste ziemlich weit oben“, berichtet der Lebensmitteltechnologe stolz.

Kernobstbrände verglichen

Der Apfelbrand aus dem Holzfass sei als Sortensieger des Jahres gekürt worden, fügt er hinzu. „Alle Kernobstbrände aus Äpfeln, Birnen, Mirabellen und anderen Früchten, die im Holzfass gereift sind, werden verglichen“, erklärt Matthias Schulz. Die Jury habe befunden, dass das Produkt aus Diesdorf das Beste in diesem Jahr sei.

Seine Frau Anne habe übrigens für zwei Silbermedaillen gesorgt, erzählt er lächelnd. „Sie hat mich überzeugt, zwei Nischenprodukte zur Bewertung zu schicken. Holunder- und Stachelbeerbrand habe kein anderer, war ihr Argument“, fügt der Diesdorfer hinzu. Und sie sollte Recht behalten...

Himbeerlikör ist persönlicher Favorit

Sein persönlicher Favorit sei der Himbeerlikör. Hier arbeite das Diesdorfer Unternehmen mit einer Himbeerplantage nahe Celle zusammen. „Im Vorjahr gab es eine sehr gute Ernte. Wir haben die Früchte selbst abgeholt, konnten uns von der guten Qualität überzeugen“, lüftet der Geschäftsführer ein Geheimnis, das zu ausgezeichneten Produkten führt.

Während das Diesdorfer Familienunternehmen quasi Stammgast bei der „Destillata“ ist, nahm es in diesem Jahr erstmals an der „Craft spirits Berlin“ teil, einem Wettbewerb für handgemachte Spirituosen. Während seiner Studienzeit in der Haupt- stadt sei er zwar einmal mit einem Stand dabei gewesen. Doch erst in diesem Jahr habe sich das Unternehmen entschlossen, seine Produkte einzureichen.

In Berlin werden auch Limonaden beurteilt

„Hier ist der Vorteil, dass auch Limonaden beurteilt werden“, sagt Matthias Schulz. So sei ihm das Urteil über den Neuling „Mosti Quitte“ wichtig gewesen. „Ein weiterer Vorteil ist, dass viele Barmixer teilnehmen, die auch ihre Rezepte vorstellen. Sie testen auch gern das Ausgestellte“, fügt er hinzu. Der Rhabarberlikör aus Diesdorf sei bereits vor Jahren dafür angefragt worden und immer noch beliebt.

Am häufigsten geehrt wurde in den vergangenen Jahren übrigens der Old Paul Gin, benannt nach seinem Großvater Paul Schulz, der die Mosterei gründete. Sogar der „Kulinarische Stern“ sei der Spirituose zuerkannt worden. An der Rezeptur der Brände könne man wenig feilen, erklärt der Fachmann. Denn dabei werde Obst destilliert zu einem Brand, der mit Wasser auf 40 Prozent Trinkstärke gebracht werde. Kreativer sein könne man bei Geist und Likör. Da sei es möglich, beispielsweise mit der Zugabe von Saft und dem Verändern des Säureanteils „noch etwas zu spielen, damit ein besserer Geschmack und mehr Harmonie entsteht“, beschreibt Matthias Schulz.

Und was sind die nächsten Pläne? „Wir wollen mal gucken, ob wir einen alkoholfreien Brand machen. Barkeeper fragen immer öfter nach einem Gin ohne Prozente“, sagt er. Das funktioniere über eine sogenannte Wasserdampfdestillation. Mitte/Ende des Hochsommers wolle er beginnen zu experimentieren. „Ich bin schon neugierig, wie wir das hinbekommen“, freut sich der Diesdorfer auf diese neue Herausforderung.