Salzwedel l Bevor die Tafel in der Schillerstraße am Freitag ihre Türen öffnete, fand sich auf dem Gehweg bereits eine kleine Gruppe von Bedürftigen ein. Nicht nur die Tafelmitarbeiter, sondern auch eine Polizeistreife und Mitarbeiter des Ordnungsamtes sorgten dafür, dass die Menschen nicht zu eng zusammenstanden. Zudem ermahnten Beamte das Tafel-Personal, die Situation vor der Tür stets im Auge zu haben, berichtete Roland Lahmann, stellvertretender Vorsitzender der Diakonie Altmark-West, vor Ort.

Einige Kunden betraten dann auch mit Mundschutz und Einweghandschuhen ausgestattet die Tafelräume. Weit kamen sie diesmal nicht, direkt hinter der Eingangstür war Schluss. Bei Claudia Lembke, die hinter einer selbstgebauten Wand aus durchsichtiger Folie saß, konnten die Menschen ihren Tafelausweis vorzeigen. Nachdem sie bei ihr den üblichen Obulus abgegeben hatten, standen mehrere Tafelmitarbeiter parat und überreichten direkt die fertig gepackten Tüten mit frischen und haltbaren Lebensmitteln.

Sabine Henkel und Martina Niesig reichten die Lebensmittelrationen weiter. Auch mit Mundschutz und dem nötigen Abstand ließen sie sich die gute Laune nicht nehmen.

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Gemütlichkeit geht verloren

„Wir mussten vorher ordentlich sortieren“, berichtete der Tafelverantwortliche Helmut Harzer im Gespräch mit der Volksstimme. Denn was sonst an verschiedenen Ständen von den Besuchern selbstständig ausgesucht werden durfte, mussten die Helfer nun in Tüten packen. Eier, Brot, Wurst, Obst, Gemüse und haltbare Lebensmittel wurden aufgeteilt. Je nach Größe des Haushalts wurde eine klar definierte Menge an Tüten dann herausgegeben.

Und auch auf die Hygiene achteten die Mitarbeiter ganz penibel. So durften die Kunden nach Aufforderung nur einzeln eintreten. Danach gab es sofort einen Spritzer Desinfektionsmittel in die Hände. Erst dann ging es weiter.

„Viele vermissen es jetzt schon, dass sie sich nicht noch etwas länger hier aufhalten dürfen“, erzählte Helmut Harzer. „Einfach um zu reden, einen Plausch miteinander zu halten“, ergänzte er, während nach und nach die Kundschaft nun eher „abgearbeitet“ wurde. Doch jedem Bedürftigen schenkten die Mitarbeiter ein Lächeln. Kleine Scherze durften dann auch nicht fehlen. Doch es war deutlich sichtbar: die Gemütlichkeit ging durch die erforderlichen Schutzmaßnahmen verloren.

Insgesamt, so schätzte Roland Lahmann ein, hatten die Tafelmitarbeiter für diese Woche mehr als 300 Tüten gepackt. Denn diese Aufgabe übernehmen die Salzwedeler Helfer auch für die Ausgabestellen in Klötze und Gardelegen.

Andere Tafeln haben größere Schwierigkeiten

Nach dem in der vergangenen Woche die Lebensmittelausgaben abgesagt werden mussten, sind bei Roland Lahmann schon einige Hilfsangebote eingetrudelt. Schließlich helfen normalerweise viele Menschen der sogenannten Risikogruppe. „Nun haben sich einige jüngere Frauen für die Ausgabe und zwei Männer, die im Fahrdienst tätig werden wollen, gemeldet“, freut sich Lahmann. Eine gute Hilfe seien auch Erzieherinnen aus dem Haus Benjamin gewesen, die kurzfristig eingesprungen seien, weil in der Notbetreuung wenig zu leisten war.

Mit Blick auf die Vorräte war der stellvertretende Diakonie-Vorsitzende sogar etwas überrascht: „Unser Sortiment ist besser aufgestellt als gedacht“, meinte Lahmann. Er habe zuvor Kontakt mit Verantwortlichen anderer Tafeln gehabt, die von größeren Schwierigkeiten berichteten. Deswegen habe es auch in Salzwedel zahlreiche Anfragen gegeben. Viele wollten einfach wissen, ob die Tafel überhaupt wieder öffnen könne. Und sie konnte!

Nach aktuellem Stand werden die Ausgaben mit dem neuen System auch die kommenden Öffnungstage bestreiten. Wer helfen möchte, kann sich unter Telefon 03901/30 30 64 bei der Diakonie melden.