Landgericht

Ein unmoralisches Angebot

Für den angeblichen Versuch, Nacktbilder einer Elfjährigen zu kaufen, stand ein 60-jähriger Salzwedeler vor Gericht.

Salzwedel/Stendal l Ein Mädchen mit Lernbehinderung will sich mit Blumen das Taschengeld aufbessern, ein 60-Jähriger will stattdessen ihre Nacktbilder kaufen: So ließe sich der Anlass für die Landgerichtsverhandlung am 21. Februar zusammenfassen. Zudem war der Vorfall möglicherweise nicht die erste Straftat dieser Art des Angeklagten, wie aus manchen Zeugenaussagen hervorgeht.

Doch zunächst der Tathergang laut Anklageschrift: Als der Angeklagte und die damals elfjährige Geschädigte sich im Mai 2020 zufällig vor einem Geschäft trafen, habe er sie gebeten, ihn bei den nahe gelegenen Toiletten zu treffen. Dort soll er ihr angeboten haben, ihr zehn Euro zu geben, wenn er sie nackt fotografieren dürfte. Das Mädchen habe abgelehnt und sei weggegangen.

Spätere Zeugenaussagen lieferten weitere Hintergründe. So haben sich die beiden wohl schon vorher flüchtig über den Vater des Mädchens gekannt, und sie hat vor dem Laden Blumen verkauft – einzelne Blumen aus einem Strauß, den sie sich vorher gekauft hatte.

Der Angeklagte verzichtete zunächst darauf, sich zu den Vorwürfen zu äußern. Daher schilderte erstmal der Vater des Mädchens, was nach der Tat passierte. Seine Tochter habe ihm zu Hause von dem Vorfall berichtet, erzählte er. Danach habe er den Angeklagten zur Rede stellen wollen, ihn zunächst jedoch nicht angetroffen. Bei einer späteren Unterhaltung soll er bestätigt haben, dem Mädchen das Geld angeboten zu haben, erzählte der Vater.

Er gab zudem an, dass der Angeklagte dafür bekannt sei, junge Mädchen und Schülerinnen anzusprechen. Außerdem habe der Angeklagte mal gefragt, ob er das Mädchen mit in den Tierpark nehmen darf.

Hier meldete sich der bisher recht schweigsame 60-Jährige zu Wort: „Was erzählst du da!?“, unterbrach er den Zeugen, und verschaffte sich so eine Ermahnung durch Richter Ulrich Galler. Hinterher bekam er aber die Chance, die Dinge aus seiner Sicht zu schildern.

In seiner Aussage bestritt der Angeklagte nicht den Nacktbild- und Tierpark-Vorfall an sich, gab aber an, dass beides auf Initiative des Mädchens hin passiert sei. Sie habe mit ihm in den Park gehen wollen, und sie habe ihn an dem Maitag um Geld gebeten, erzählte er. Zudem habe sie ihm angeboten, im Gegenzug Bilder machen zu können – ob es sich dabei tatsächlich auch um Nacktbilder handelte, kam nicht zur Sprache. Jedenfalls habe er abgelehnt, sagte der Angeklagte aus.

Die nächste Zeugin, eine Polizeibeamtin, vernahm kurz nach dem Vorfall sowohl die Geschädigte als auch einen weiteren Zeugen. Dieser kennt den Angeklagten als ehemaligen Kollegen und hat dem Mädchen etwas beim Blumenverkaufen geholfen, gab er in seiner eigenen Zeugenaussage an. Außerdem will er das Angebot sogar mitgehört haben – allerdings im Geschäft und nicht davor oder weiter davon weg, wie es in den anderen Aussagen hieß. Das Mädchen habe ihm anschließend noch selbst von dem Angebot berichtet, sagte er.

Auch hier widersprach der Angeklagte in einigen Punkten – so sei er etwa nicht mal im Geschäft gewesen. Er sagte zudem, der Zeuge – ein bekennender Alkoholiker – sei an dem Tag stark angetrunken gewesen, entgegen seiner eigenen Aussage.

Als Abschluss des ersten Prozesstags kam die Geschädigte schließlich selbst zu Wort – allerdings erschien sie nicht persönlich im Gerichtssaal, sondern wurde im Vorfeld befragt und dabei gefilmt. „Komm mal gleich in die Ecke da hinten“, zitierte sie in der Aufnahme den Angeklagten, der ihr anschließend das Angebot unterbreitet haben soll. Auch sie gab, ähnlich wie ihr Vater, an, dass der Angeklagte bekannt dafür ist, Frauen und Kinder anzusprechen.

Das Mädchen und andere Zeugen werden voraussichtlich bei den Fortsetzungsterminen weitere Aussagen tätigen. Von diesen sind mehrere in der ersten Märzhälfte angesetzt.