100 Jahre Freibadeanstalt Diesdorf: Jubiläum wird am Wochenende groß gefeiert

Einst Klosterteich, heute Erlebnisbad

Von Heike Liensdorf

Der Flecken Diesdorf feiert in diesem Jahr zwei Hundertjährige. Während die Festveranstaltung des Freilichtmuseums bereits Mitte Mai stattfand (wir berichteten), dreht sich am kommenden Sonntag alles um das Erlebnisbad. Doch wie fing eigentlich alles an?

Diesdorf. Am 18. Januar 1911 erfolgte ein Erlass des preußischen Kultusministers über Jugendpflege. "Die medizinische Versorgung war dringend notwendig, da es eine hohe Sterblickeit bei Kindern gab", erzählte Ingelore Fischer, Vorsitzende des Heimatvereins Diesdorf. Dr. Georg Schulze (1866-1955), der als Landarzt immer auf die Gesundheit bedacht war, griff den Erlass gern auf. Bereits wenige Monate später, genauer gesagt am 15. Mai, wurde der Wohlfahrtsverein für Diesdorf und Umgegend gegründet. Die Eintragung in das Vereinsregister erfolgte dann am 20. Juni 1911. Ziel war die Jugendpflege und Hebung der Volksgesundheit.

Gesagt, getan. Noch im gleichen Jahr beginn der Verein mit dem Bau einer Freibadeanstalt. Der alte verlandete Klosterteich Gäuskendiek diente dazu, so ist es überliefert. Zwei Morgen groß, 600 Meter südlich von Diesdorf gelegen. "Der gänzlich versumpfte Teich wurde wieder aufgegraben und teilweise erheblich vertieft, so dass Schwimmern eine halbe Morgen große Fläche zur Verfügung stand, während eine Fläche von einem Morgen flach auslief und so großen und kleinen Kindern als Tummelplatz diente", schrieb Dr. Schulze in seinen Aufzeichnungen.

Am 15. Juli 1911 wurde die Freibadeanstalt, die erste dörfliche im hiesigen Raum, eröffnet. Eine Frau sei die erste Schwimmmeisterin gewesen, weiß Fritz Kloß, Bürgermeister und Heimatvereins-Mitglied, aus Erzählungen. Wie für damalige Zeiten üblich, gab es separate Badezeiten für Jungen und Mädchen. Badekarten wurden zwischen 12 und 13 Uhr in der hiesigen Forstkasse ausgegeben oder konnten beim angestellten Badewärter erworben werden. Das geht aus Zeitungsberichten der Salzwedel-Gardeleger Zeitung hervor. "Begünstigt durch die natürliche Lage dürfte die Badeörtlichkeit in einigen Jahren ein angenehmer Aufenthaltspunkt werden, da große, zum Teil jetzt brach liegende Ländereien des angrenzenden Kreienberges in den Besitz des Wohlfahrtsvereins übergehen und dieser neben einem Licht- und Luftbad auch die Anlage parkartiger Anpflanzungen, schöner Wege, Spielplätze usw. plant", hieß es in der Zeitung.

1950 wurden die Beckenränder nach und nach betoniert. Aus dem einst natürlichen Badeteich wurde ein Schwimmbad. Ein gemeinsames Verwaltungsgebäude für Museum und Schwimmbad wurde errichtet. Darin sei auch eine Wohnung für den Schwimmmeister gewesen, so Fritz Kloß.

Der Umbau zum Erlebnisbad erfolgte dann 1992. Strömungskanal, Babybecken, Rutsche... und alles aus Edelstahl - es gibt wohl kaum etwas, dass es seitdem im Freibad Diesdorf nicht gibt. Von Jahr zu Jahr erfreut das kühle Wasser an heißen Tagen Groß und Klein. Die Hundertjährige (Badeanstalt) ist somit immer noch für Tausende (Besucher) attraktiv.

Ebenso das sich daneben befindliche Freilichtmuseum. Aufgebaut wurde es nach dem schwedischen Vorbild Skansen. Dort befindet sich das älteste Museum überhaupt, in dem Häuser gesammelt und präsentiert werden, so Ingelore Fischer. Nach der Gründung im Jahr 1911 machten sich die Diesdorfer bereits ein Jahr später daran, ein Backhaus aus Dankensen umzusetzen. 1913 erwarb der Verein einen Speicher aus Winkelstedt. Nach jahrelanger Sammeltätigkeit für die Einrichtung der Häuser konnte das Museum 1932 eingeweiht werden.

Beide Einrichtungen feiern am Pfingstwochenende ihr 100-jähriges Bestehen (siehe Infokasten). Im Mittelpunkt steht am Sonntag das Erlebnisbad. Schon vorweg schicken die Hauptorganisatoren ein herzliches Dankeschön an alle Akteure und Sponsoren, die mitgeholfen haben, das anstehende Ereignis erst möglich zu machen.