Winterfeld l Es gebe viele Schnittstellen zwischen der Arbeit beider Gremien. Das befanden am Mittwoch Vorstandsmitglieder der Kreiselternvertretung für Kindertagesstätten und des Kreiselternrates für die Schulen. Zum ersten Mal kamen sie am Mittwochabend in Winterfeld in dieser Runde zusammen. Neben einem Kennenlernen, wurden umgehend aktuelle Themen aus beiden Bereichen diskutiert. Und eins, das seit Jahren brisant ist und bei Eltern, an den Schulen und in der Bildungspolitik ganz oben auf der Agenda steht, sind die unbesetzten Lehrerstellen im Altmarkkreis.

„Wir haben schon so oft versucht, etwas dahingehend zu bewirken, aber nichts erreicht“, machte der stellvertretende Vorsitzende des Schulelternrates Björn Michaelis deutlich. Deshalb seien die Elternvertreter müde geworden, immer wieder darauf hinzuweisen. „Wir müssen den Druck erhöhen“, betonte er. Denn die Zustände seien nach wie vor unhaltbar. So berichtete Vorstandsmitglied Andreas Fuhrmann, dass nicht nur Stunden ausfallen, sondern teilweise ganze Fächer nicht mehr unterrichtet werden, sogar in Abschlussklassen. Da alles Reden nicht helfe, gelte es härtere Geschütze aufzufahren.

Sachaufsichtsbeschwerde

In dem offenen Brief, den sie „Weckruf an die Landesregierung“ genannt haben, drücken sie ihr Unverständnis darüber aus, dass der Bildungsminister einerseits die Schulpflicht einfordere, wenn Schüler freitags an den Klimastreiks „#fridaysforfuture2“ in Magdeburg teilnehmen, diese aber auf der anderen Seite nicht gewährleisten könne und für Klassen zum Teil ganze Schultage ausfallen.

Kann Land Schulpflicht noch nachkommen?

„Wir fragen uns, inwieweit kann das Land Sachsen-Anhalt seiner Pflicht noch nachkommen, auch an allen anderen Tagen den Schulbesuch für Schulkinder zu ermöglichen“, heißt es in dem Brief. Die Situation habe eine nicht weiter hinnehmbare Dimension erreicht. Und weiter schreiben die Eltern: „Vielleicht ist es jetzt an der Zeit, über ein Instrument wie eine Sachaufsichtsbeschwerde an den Bildungsminister nachzudenken, um den Ministerpräsidenten und die Landesregierung im Rahmen des Fachkräftemangels an den Schulen endlich zu einem zielführenden Handeln zu bewegen“. Derzeit werde einer ganzen Schulgeneration die Chance auf Bildung verbaut.

Mit einer Sachaufsichtsbeschwerde soll das Anwenden geltenden Rechts in einer Verwaltung eingefordert werden. Noch sei das Ganze nur ein Vorstoß, aber es gebe die Möglichkeit, das Recht der Schüler auf Bildung auf gesetzlicher Grundlage einzufordern.

Dass auch die Eltern der Kindergartenkinder vom Lehrermangel betroffen sind, erläuterte Mirko Wolff vom Schulelternrat. Aufgrund der geringen Besetzung an den Grundschulen sei es vielfach nicht mehr möglich, den Übergang von der Kita in die Schule gut zu gestalten, weil die Lehrer keine Zeit mehr dafür hätten. Dadurch sei es nicht möglich, die Vorschulkinder entsprechend zu fördern und zu fordern.

Auch Kita-Vertreter stimmen für Brief

Deshalb stimmten auch die Vertreter der Kitas für den Brief, der unter anderem an die Landesregierung, die Landtagsfraktionen, den Landrat des Altmarkkreises, Schüler und Elternräte sowie weitere Gremien geschickt worden ist.