Apenburg l Die Bäckerlehre kam nach dem Grundstudium. Nach einigen Semestern in Gemanistik und Geschichte beantragte Karin Beier ein Urlaubssemester. Zu diesem Zeitpunkt eröffneten zunehmend Bio-Lebensmittelläden. Karin Beier interessierte sich als Verbraucherin für das Thema, begann ein Praktikum in einer Bio-Bäckerei im Rheinland und absolvierte schließlich erst eine Lehre, zehn Jahre später die Meisterausbildung. Von Freunden hörte sie, dass die damalige Gemeinde Apenburg interessiert daran war, dass die zu diesem Zeitpunkt leerstehende Bäckerei wieder bewirtschaftet wird.

Karin Beier erstellte ein Konzept über die Vermarktungsmöglichkeiten, kalkulierte vorsichtig und startete mit zwei Mitarbeiterinnen. Heute ist Karin Beier Chefin von sieben Angestellten - ausschließlich Frauen. „Zwei davon habe ich selbst ausgebildet“, erzählt sie. Ihre Mitarbeiterinnen stammen aus der unmittelbaren Umgebung, können den Arbeitsweg daher zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurücklegen. Der Betrieb ist in einer Vier-Tage-Woche organisiert. „Das ist für einen Frauen-Betrieb attraktiver.“

Stabiles Team

Die Frage, ob ihre Bäckerei vom Fachkräftemangel betroffen ist, beantwortet sie mit „Jein. Wir sind ein stabiles Team.“ Dennoch würde sie sich wünschen, dass sich mehr Jugendliche für handwerkliche Berufe entscheiden. „Es kann doch nicht jeder Softwareentwickler werden.“

Doch in einem kleinen Unternehmen könne bei Engpässen nicht einfach Ersatz beschafft werden. Die Grippewelle Anfang des Jahres verschonte auch ihren Betrieb nicht. „Wir mussten eine Woche schließen. Das war richtig bedrückend, durch die leere Backstube zu gehen“, erinnerte sich Karin Beier.

Umkämpfter Markt

Der Markt für Brot und Brötchen ist umkämpft. Industrielle Hersteller stehen den Handwerksbetrieben gegenüber. „Wir sind leicht zu ersetzen“, sagte Karin Beier. Dass die Bäckerei seit zwei Jahrzehnten besteht, verdanke sie einer sehr treuen Stammkundschaft.

Sie setzt auf viele kleine Standbeine, nicht nur auf das Geschäft in Apenburg selbst, sondern auf die Präsenz auf Märkten in Gardelegen und Stendal sowie die Aufnahme im Sortiment anderer Bioläden.

Charmante Lösungen

Im Verlauf der Jahre stieg die Nachfrage nach Brot und Brötchen dermaßen an, dass sich Karin Beier schließlich entschloss, Kuchen aus dem Sortiment zu streichen. „Ich habe schon mit mir gerungen“, erinnert sich die Bäckerin. Auch damals hatte sie ein personeller Engpass zu dieser Entscheidung gezwungen. „Wir haben fast jeden Kunden persönlich darauf vorbereitet. Mit Kommunikation kann man viel auffangen.“ Eine Erkenntnis, die sie aus der Situation mitgenommen hat: In jeder Krise steckt auch eine Chance. „Man muss eben schauen, was zu einem passt. Wir sind ein kleiner Betrieb, da können wir viele charmante kleine Lösungen finden “, sagt sie.

Christstollen passen jedoch auf jeden Fall noch zur Apenburger Landbäckerei, nach traditionellem Rezept versteht sich. Karin Beier verkauft ihren Kunden auch Grundrohstoffe, wenn diese sich zu Hause mal selbst ein Brot backen wollen. „Das ist keine große Konkurrenz, da steht eher der Spaß im Vordergrund“, weiß sie.

Eigene Mühle

Im vergangene Jahr investierte Karin Beier in eine eigene Mühle, so dass die Mischungen für Brot und Brötchen jetzt vor Ort gemahlen werden. Das Getreide erhalte sie von einem Bio-Betrieb aus Schleswig-Holstein.

Sehr nützlich sind für sie die Kontakte und der Austausch mit Kollegen im Netzwerk der Biobäckereien. Tipps, Ratschläge und Erfahrungen seien für sie wertvoller als die Arbeit eines Betriebsberaters, schätzt Karin Beier ein.

Nicht langweilig

„Ich habe damals darauf gewartet, dass es mir in der Backstube langweilig wird“, erinnert sie sich an ihre Anfänge. Doch das sei nicht passiert, im Gegenteil. Die Freude an der handwerklichen Tätigkeit sei jeden Tag aufs Neue da. „Vor allem sieht man direkt, was man gut gemacht hat. Wir sind uns hier in der Bäckerei einig: Brote sind ein positiver Spiegel.“