Dähre l „Wir arbeiten in erster Linie mit Menschen, dann erst mit Maschinen“, sagt Ralf Lehnecke, der den kleinen Betrieb in Dähre nach der Wende mit gegründet hat. Die vergangenen Monate und auch die jetzige Zeit seien schon eine ganz besondere. Beim ersten Lockdown seien viele Menschen gekommen, die nur geguckt, aber nichts gekauft haben. „Damals hatten nur etwa 20 Prozent einen Mund-Nase-Schutz auf. Aktuell sind es noch etwa 20 Prozent, die ohne die Bedeckung in unsere Firma kommen“, hat er als Veränderung beobachtet. „Wir müssen uns schützen und wollen gesund bleiben. Das funktioniert nur, wenn alle mitmachen“, fügt Sohn Stefan hinzu, der vor fünf Jahren die Leitung übernommen hat.

Arbeit sei genug da, sagen die beiden. Lieferprobleme von Ersatzteilen würden sich trotz Pandemie in Grenzen halten. „Wir haben einen guten Lagerbestand mit vielen Baugruppen, die wir immer wieder brauchen“, sagt Ralf Lehnecke. Gut 42 Jahre arbeite er nun schon in der einstigen Werkstatt der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG), blickt der 65-Jährige zurück. Zu jener Zeit sei er zweiter technischer Leiter gewesen. Dann sei die LPG in eine Agrargenossenschaft umgewandelt worden. „Wilfried Dierks und ich wollten aber nicht in den neuen Landwirtschaftsbetrieb. Wir wollten die Werkstatt kaufen“, erzählt der Dährer. Vor 30 Jahren hätten sie die Gesellschaft gegründet, die am 15. Januar 1991 als Landtechnik-Handel Dähre eingetragen worden sei. „Zwischen Weihnachten und Neujahr haben wir alles ausgeräumt, was noch der einstigen LPG gehörte.

Jeder betreut eigene Kunden

Es war ein Chaos überall. Im Januar kam dann endlich wieder Ordnung rein“, erinnert sich Ralf Lehnecke. Es sei eine chaotische Zeit gewesen, die er aber nicht missen möchte. „Für uns war es ein fließender Übergang. Es ging weiter“, hebt er das Gute trotz aller Unsicherheiten hervor. Verkauf von Maschinen, Reparaturen, ein kleiner Fachhandel, der Werkstattbereich als Serviceangebot: „Wir sind für unsere Kunden vor Ort da, bieten Land-, Garten- und Forsttechnik.“

In den vergangenen zehn Jahren, fügt sein Sohn hinzu, habe das Interesse an Oldtimern stark zugenommen. „Jüngere Leute haben Verständnis für ältere Technik und auch das Geld dafür, sich diese leisten zu können. Manchmal brauchen sie aber Hilfe bei der Reparatur“, beschreibt Stefan Lehnecke. Ein Lanz Bulldog aus den 1930er Jahren sei das älteste Fahrzeug gewesen, um das sie sich gekümmert hätten. Er fügt hinzu: „Die heutige Technik wird nie ein Oldtimer, weil sie viel zu kompliziert ist.“

Sohn führt Betrieb weiter

„Ich bin immer gern zur Arbeit gegangen. Sie hat mir viel Spaß gemacht“, sagt Ralf Lehnecke, der leidenschaftlich gern fliegt, am liebsten in Oldtimern. Im Februar will er loslassen, in den (Un)- Ruhestand gehen. „Ich bin froh, dass ich mit meinem Sohn einen Nachfolger gefunden habe“, fügt er hinzu. Allerdings: Gezwungen habe er Stefan nie, in seine Fußstapfen zu treten. Der heute 38-Jährige habe sich selbst ausgesucht, Landmaschinentechniker zu lernen.

Seit 2003 arbeitet der Junior in der Landtechnik GmbH mit, seit gut fünf Jahren mit der Verantwortung des Chefs. „Die Arbeit in einem Kleinbetrieb wie dem unseren ist vielseitig. Da sind ganz viele Aufgaben zu erledigen“, schildert Stefan Lehnecke. „Jeder von uns hat seine eigenen Kunden“, ergänzt Ralf Lehnecke, der sich in den vergangenen Jahren zurückgenommen und seinen Sohn agieren lassen habe. Er kann beruhigt in Rente gehen, denn ein neuer Mitarbeiter sei gefunden.

Und vielleicht geht der Familienbetrieb weiter. Sohn Justin, jetzt 14, sei handwerklich begabt, urteilt Mutter Madlen Lehnecke, die die Fäden im Büro zusammenhält. „Aber er soll selbst entscheiden, was er möchte. Wenn er das nicht will, findet sich sicher auch eine andere Möglichkeit für die Zukunft“, blickt sie voraus.