Salzwedel l Immer wieder hatten Störenfriede in Lüchow den Jahreswechsel genutzt, um Feuerwerkskörper gegen Menschen, Tiere oder Gebäude einzusetzen, heißt es in einer Pressemitteilung von Lüchows Samtgemeindebürgermeister Hubert Schwedland. „Zu einem traurigen Höhepunkt derartiger Ereignisse war es im vergangenen Jahr in Lüchow gekommen, als mehrere Gebäude an Silvester in Brand gerieten und die Feuerwehr sogar bei der Löscharbeit behindert und gefährdet wurde“, schreibt der Verwaltungschef.

Ergebnis dieser Ereignisse ist nun das Verbot von Feuerwerk aller Art via Allgemeinverfügung in einem beträchtlichen Teil der Lüchower Innenstadt. Selbst das bloße Mitführen von Pyrotechnik ist an Silvester und Neujahr in der Salzwedeler Nachbarstadt ausnahmslos verboten. Der Verbotsbereich beschränkt sich auf die historischen Teile der Stadt im Wendland inklusive einem Sicherheitsbereich von 50 Metern an dessen Rand. Eine Karte des Gebietes kann auf der Internetseite der Samtgemeinde Lüchow sowie bei Facebook eingesehen werden.

Salzwedeler gehen sorgsam mit Böllern um

Auch in Tangermünde weisen die Mitarbeiter des Ordnungsamtes darauf hin, dass das Abbrennen pyrotechnischer Gegenstände in der Innenstadt, aufgrund des geltenden Sprengstoffrechtes verboten ist. Grund für dieses Verbot ist der bundesweite gleichmäßige Schutz der historischen Altstädte. Bei Verstößen könne ein Verwarngeld von bis zu 35 Euro oder gar ein Bußgeld von bis zu 5000 Euro fällig werden, heißt es in der Stadt im Landkreis Stendal.

Die Verwaltung im nahen Lüchow bedauert indes, dass mit der harten Verbotsmaßnahme auch Feiernde eingeschränkt werden, die verantwortungsbewusst mit Böllern und Raketen umgehen. Aber: „Es ist nicht hinnehmbar, dass die Gesundheit der Einwohner und die historische Fachwerkkulisse der Stadt durch derart zügelloses Verhalten gefährdet werden“, betont Hubert Schwedland. Es sei aus seiner Sicht unerträglich, wenn Einsatzkräfte, wie im Vorjahr geschehen, im Dienst bepöbelt oder gar angegriffen werden.

Keine Angst um historische Bausubstanz

Solche Zustände hat es nach Angaben von Mario Müller, Ortswehrleiter, im Salzwedeler Innenstadtbereich noch nicht gegeben. „An einen Brand zu Silvester hier in der Kernstadt kann ich mich gar nicht mehr erinnern“, sagt Müller im Gespräch mit der Volksstimme. Vor allem mit Blick auf die historische Bausubstanz, müssen man den Innenstadtbewohnern einen sorgsamen Umgang mit Feuerwerk attestieren. „Die Anwohner wissen einfach, dass wir eine Fachwerkstatt sind“, ist sich Müller sicher. Er sieht daher keinen Anlass für ein Feuerwerksverbot in Salzwedel.

Müllers Aussagen bestätigt auch Stadtsprecher Andreas Köhler. „Betrachtet man das Einsatzgeschehen über den Zeitraum von mehreren Jahren, so ist festzustellen, dass unsere Bürger im Grunde sehr sorgsam im Umgang mit Pyrotechnik sind“, sagt Köhler. Er fügt an, dass ein erhöhtes Einsatzaufkommen in der Silvesternacht in der Vergangenheit nicht zu verzeichnen war. Auch wiederkehrende Einsatzschwerpunkte seien nicht feststellbar. „Für ein generelles Böllerverbot gibt es derzeit keine Veranlassung“, heißt es deshalb im Gegensatz zur Nachbarkommune aus dem Salzwedeler Rathaus.

Forderung nach einem zentralen Feuerwerk

Dennoch kommt von dort auch wieder der Hinweis, dass das Abbrennen pyrotechnischer Gegenstämde in unmittelbarer Nähe zu Kirchen, Krankenhäusern sowie Kinder- und Altersheimen verboten ist.

Weil die Salzwedeler also zuletzt sehr behutsam mit Feuerwerk umgegangen sind, bleibt auch die Feuerwehr ihrer Linie treu. In der Silvesternacht wird es keinen Bereitschaftsdienst extra geben. „Erfahrungsgemäß sind immer genug Kameraden einsatzbereit“, sagt Mario Müller.

Hohe Feinstaubwerte

Abgesehen von möglicher Brandgefahr und der Lärmbelästigung gibt es aus Sicht von Umweltinitiativen weitere Dinge, die gegen ein übermäßiges Feuerwerk in der Silvesternacht sprechen. So betont die Deutsche Umwelthilfe, dass in den Stunden und Tagen nach Silvester die höchsten Feinstaubwerte zu messen seien. So spricht sich auch die Fridays for Future (FFF) Bewegung in Salzwedel für ein Verbot von privatem Feuerwerk sogar im ganzen Jahr aus. „Nur ein zentrales Feuerwerk an Silvester“, heißt es im Forderungskatalog der FFF-Aktivisten, den sie bereits im Oktober während einer Stadtratssitzung in Rockenthin an die Verwaltung richteten. „Wir folgen den gesetzlichen Regularien“, sagt dazu Stadtsprecher Andreas Köhler mit Verweis darauf, dass es für ein generelles Böllerverbot derzeit keine Grundlage gebe.