Salzwedel l Großer Beliebtheit erfreut sich seit mehreren Monaten das Volksstimme-Heimaträtsel in der Regionalausgabe Salzwedel. Es wird jeweils eine historische Aufnahme von einem Gebäude in Salzwedel abgedruckt und der Leser hat die Mühe, oder besser den Spaß, dieses aktuell im Stadtbild einzuordnen. Es ist nicht immer einfach, aber auch in der mittlerweile 20. Runde ist die Beteiligung der Leser groß und viele verbinden die einzelnen Gebäude mit persönlichen Erinnerungen.

Auch der Kulturstammtisch Jour Fixe begab sich am Mittwoch, bei seiner ersten Zusammenkunft im neuen Jahr, auf einen virtuellen Stadtrundgang durch die Vergangenheit von Salzwedel. Ronald Steinig vom Jour Fixe hatte historische Fotografien von Salzwedel bereitgestellt und Johanna Loof, Mitglied des Arbeitskreises Altstadt Salzwedel (ASA) und auch Stadtführerin, kommentierte die einzelnen manchmal sehr alten Aufnahmen mit Fachwissen und der einen oder anderen Anekdote.

Bilder auf Fotoplatten

„Mensch Salzwedel, wie haste dir verändert“, würde der Berliner sagen. Und dem ist wirklich so. Die gezeigten Fotografien waren zum Teil Ende des 19. Jahrhunderts auf Fotoplatten gebannt und so standen zuerst doch einige Fragezeigen im Raum, bevor Johanna Loof die Auflösung des Bilderrätsels lieferte. Der virtuelle Rundgang führte die Besucher von der Kulturnische zum Neuen Tor, das vor rund 150 Jahren dem gestiegenen Verkehrsaufkommen weichen musste. Weiter ging es durch den Stabensteg, in dem sich einst viele Badestuben befunden hatten, in denen die Bader ihren Geschäften nachgegangen waren.

Die ehemalige Brauerei Küntzel an der Alten Münze gibt es auch nicht mehr. Die alten Brauereigebäude verschwanden nach der Wende samt Staffelgiebel und Schornstein und ein modernes Wohngebiet war an diesem Platz errichtet worden. Unmittelbar am Karlsturm, dem letzten Überbleibsel einer mächtigen Toranlage, stand die Kaserne Hennigs von Treffenfeld, eine von drei Kasernen in der Stadt, informierte Johanna Loof.

Diese wurde zunächst zur Berufsschule umfunktioniert, bevor nach der Wende das Finanzamt vorübergehend darin Quartier bezog. Aus der Reithalle wurde ein Supermarkt, die Kaserne dem Erdboden gleichgemacht und der frei gewordene Platz nicht wieder bebaut.

Feuerbrünste

Die Zuhörer erfuhren während des Vortrages auch, dass es der Stadt am Anfang immer an Plätzen mangelte. Diese waren einfach nicht mit eingeplant worden. Märkte gruppierten sich um die Kirchen und um die Rathäuser der Alt- und Neustadt. Erst durch Stürme und Feuerbrünste wurde Platz geschaffen.

Wo einst die Nikolaikirche stand, die durch den Sturm im Jahre 1791 schwer in Mitleidenschaft gezogen wurde, und schließlich als Baustoffversorgung herhalten musste, befindet sich heute der Nikolaiplatz. Und das Neustädter Rathaus wurde ein Opfer der Flammen und so erfreuen sich die Salzwedeler und ihre Gäste in der warmen Jahreszeit heute über das Wasserspiel auf dem dadurch entstandenen Rathausturmplatz. Zur DDR-Zeit schuf die Mangelwirtschaft freie Plätze. So verschwand unter anderem der imposante Speicher an der Ecke Altperverstraße/Kleine Sankt Ilsenstraße. Und wo einst das Logengebäude der Freimaurer „Johannes zum Wohle der Menschheit“ stand, klafft seit merh als zwei Jahrzehnten nun auch eine Baulücke.

Verschwunden auch der Siel in der Burgstraße, die nördlichste Toranlage der Altstadt. Allerdings schon 1893 beseitigt, weil es ein Verkehrshindernis darstellte. Von der Lorenzkirche, wie sie einmal ausgesehen hatte, gab es nur eine Zeichnung. Das Salz, das der Stadt einmal zum Wohlstand verhalf, wurde ihr zum Verhängnis. Es griff das Mauerwerk an, sodass die Stürme ein leichtes Spiel hatten und einer der ältesten Salzwedeler Kirchen ihres Turmes beraubten.

Facebook

Fotografien, Stiche und Zeichnungen offenbaren die Veränderungen, die unsere Stadt erfuhr. Interessenten werden auch bei Facebook fündig. Verschiedene Facebook-Gruppen laden mit Fotografien zu einem Spaziergang durch die Welt unserer Ahnen ein, um die Stadt zu betrachten, wie sie sie einst sahen.