Diesdorf l Der Wettergott meinte es gut mit den Veranstaltern am Tag der Deutschen Einheit: Es war trocken und zum Teil sonnig. Grund genug nicht nur für Altmärker und Niedersachsen, sich aufzuraffen und dem Freilichtmuseum Diesdorf einen Besuch abzustatten. Fast 1500 Gäste wurden gezählt.

„Wir machen einen Familienausflug mit Kind und Kegel“, erzählte Birgit Hahn aus Wohlenberg (Landkreis Stendal). Es sei wichtig, zu bewahren, wie früher gelebt wurde und das auch den Kindern und Enkeln zu vermitteln. Dafür sei das Museum ideal ausgestattet. Diesmal gab es sogar Tiere zu bestaunen: Der Rassegeflügelzuchtverein Jübar-Bornsen präsentierte alte und vom Aussterben bedrohte Geflügelrassen.

Kettenanhänger geschnitzt

Auch die Chance zum Mitmachen kam gut an. So konnten Brötchen kreiert werden, die oft nach dem Backen gleich verspeist wurden. „Hier sind viele schon ,Wiederholungstäter‘, haben das schon mal gemacht. Da muss ich nicht viel erklären“, meinte Mitarbeiterin Ilse Heidemann augenzwinkernd. In der Holzwerkstatt entstanden Kettenanhänger aus Holz, die mit Kerbschnitzerei verziert waren. „Die Kinder können Techniken wie das Bohren, Sägen und Schnitzen ausprobieren“, beschrieb Holger Schwerin, der den jungen Gästen gemeinsam mit Karl Schindler bei den oft handwerklichen Premieren zur Seite stand. „Hier ist es familiär. Die Kinder können immer ein bisschen was lernen“, begründete Bianka Drefenstedt aus Steimke den erneuten Besuch. Die Mutti lobte auch die Betreuer: „Sie haben sehr viel Geduld.“ Der nächste Besuch sei schon geplant: zum historischen Weihnachtsmarkt, denn der sei „sehr familiär“.

Bilder

„Wir wollen unseren Kindern heute mal zeigen, wie früher gearbeitet wurde“, sagte Thomas Bromann aus Wolfsburg, der das Areal bereits kennt. Denn er stamme aus Jahrstedt. „Aber auch die Verkaufsstände sind toll. Da gibt es richtig gute getöpferte Sachen und vieles mehr“, fügte seine Frau Magdalena hinzu.

Den Winterroggen verschrotet

Viel zu sehen gab es bei Heimatverbundenen aus der Region Dähre. Sie ließen unter anderem die Dreschflegel aufs Getreide sausen und zeigten so, wie die Körner früher gewonnen worden sind. Der Winterroggen wurde in einer Schrotmühle verschrotet. Auch Garben wurden gebunden. „Das Erntefest heute ist meine letzte Amtshandlung“, merkte Walter Faescke an. Der Dährer hatte sich 18 Jahre lang vorgespannt, möchte aber aus Gesundheitsgründen jetzt kürzertreten.

Nach der Ernte ist vor der Ernte: Deshalb drillten Sebastian Adam und Uwe Körner auf dem Museumsareal den Roggen, der im nächsten Jahr geerntet werden soll. Dabei kamen auch eine alte Drillmaschine und ein historischer Traktor zum Einsatz. Uwe Körner bringt übrigens schon langjährige Erfahrung in der Feldbearbeitung im Freilichtmuseum mit. „Im Frühjahr 1987 war ich zum ersten Mal dabei“, erzählte er. Auf der Fläche, wo heute der Hopfen wachse, seien damals Getreide, Kartoffeln und Steckrüben in die Erde gekommen. „Wir wollten mal sehen, ob es wächst“, blickte Uwe Körner zurück.