Salzwedel l „Das wäre nicht gut“, grummelt Detlef Unruh, Leiter vom Verein Aktion Musik in Salzwedel. Gemeint ist die angeschobene Diskussion der CDU-Generalsekräterin Annegret Kamp-Karrenbauer, wieder eine Dienstpflicht einzuführen. Auch bei Ministerpräsident Reiner Haselhof und Innenminister Holger Stahlknecht stößt die Debatte auf Zustimmung. „Ich finde es nicht gut, wenn junge Leute dazu verpflichtet werden“, sagt Detelef Unruh. Für ihn sollte es ein Freiwilligendienst bleiben: „Ohne den Dienst geht es nicht.“

Das sieht auch Kirsten Mengewein von der Landesvereinigung für kulturelle Kinder- und Jugendbildung so, bei der die FSJ-Stellen in Sachsen-Anhalt koordiniert werden. „Die Entscheidung sollte freiwillig bleiben!“ Sie glaubt, dass mit einem Pflichtdienst Versäumnisse der Politik kompensiert werden sollen.

Aktuell hat mit Silas Meyer beim Verein Aktion Musik auch wieder ein neuer FSJler angefangen. Auch er schätzt die Möglichkeit, sich nach der Schule freiwillig auszuprobieren. „Ich wollte halt was mit Musik machen“, sagt der 20-Jährige, der eigentlich eine Ausbildung zum KfZ-Mechaniker absolvieren wollte. „Es ist schwer etwas in der Musikbranche zu bekommen“, sagt Silas Meyer, der nun die nötigen Vorkenntnisse für eine spätere Ausbildung im Bereich Tontechnik sammeln möchte. Das FSJ ist da genau das richtige für ihn: „Nach der Schule hat man dadurch Zeit Ideen zu entwickeln.“

Erfahrungen sammeln

Neben dem FSJ besteht auch die Möglichkeit eines BFDs. Vorteil dabei: auch Ältere können sich so engagieren. „Nach der Aussetzung der Wehrpflicht und damit auch des Zivildienstes ist der Bundesfreiwilligendienst seit seiner Einführung im Juli 2011 zu einem wichtigen Teil der Engagementkultur in Deutschland geworden“, weiß Peter Schloßmacher vom Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben in Köln. Derzeit engagieren sich 39  089 Männer und Frauen im Bundesfreiwilligendienst, davon 2106 in Sachsen-Anhalt (Stand Juli 2018). Im Altmarkkreis Salzwedel sind es 20 Frauen und 28 Männer.

Aber auch aktuell werden noch BufDis im Altmarkkreis Salzwedel gebraucht. Beispielsweise beim Christlichen Jugenddorf (CJD) in Salzwedel. Auch die Schule unterm Regenbogen in Salzwedel sucht einen BufDi, die Pestalozzi-Schule in der Hansestadt ebenso. Beide Bildungseinrichtungen brauchen dringend Unterstützung und bitten um Bewerbungen, ebenso wie die Kitas in Apenburg und Dähre.

Rechtliche Hürden für Pflichtdienst

Zurück zum FSJ. Denn dafür hat sich auch Kevin Pascal Michalak (19) entschieden, der kürzlich in Salzwedel sein Abitur geschrieben hat. „Ich möchte was mit Medien machen“, ist er sich sicher. Daher entschied sich der FSJler für den Offenen Kanal in Salzwedel (OKS). In seinem Jahr erhofft sich der 19-Jährige, den Umgang mit der Technik zu erlernen und gezielt auf Menschen zugehen zu können. „Ich möchte mich weiterentwickeln“, sagt er. Dazu gehört auch ein Eigenständiges Projekt beim OKS. „Ich würde gern die Geschichte des Chemiewerks aufarbeiten“, sagt der FSJler. Auch für ihn ist das FSJ eine gute Vorbereitung auf das Arbeitsleben.

„Ehrenamt und Engagement sind zentral für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft. Über 30 Millionen Menschen engagieren sich in Deutschland und übernehmen damit Verantwortung. Diesen Menschen gebührt großer Respekt für ihre Arbeit“, sagt ein Sprecher des Bundes-Familienministeriums. Dort verfolgt man die Debatte um den Pflichtdienst: „Eine Debatte darüber, wie wir mehr Solidarität in der Gesellschaft, mehr Engagement und Zusammenhalt erreichen können, ist gut. Zu konkreten Vorschlägen und Konzepten äußern wir uns, sobald sie vorliegen. Dabei ist klar, dass die rechtlichen Hürden für ein Pflichtjahr hoch wären.“