Diesdorf l Hütchen sind am Spielfeldrand abgestellt. Mit Abstand. Hinter jedem darf einer der G-Jugend-Spieler – sie sind zwischen 2013 und 2016 geboren – seine Sporttasche und die Trinkflasche abstellen. Fünf Plätze auf der einen Seite des großen Tores, fünf auf der anderen. „Wir üben mit den Bambinis jetzt in Fünfergruppen“, erzählt Trainer Hendrik Schulz, der mit Martin Kohrs das Betreuen der Jüngsten im Diesdorfer Sportverein vor drei Jahren übernommen hat. Normalerweise habe die G-Jugend 14 Mitglieder.

Die Freude beim ersten Wiedersehen sei groß gewesen. Endlich könne wieder trainiert werden, nach langer coronabedingter Pause. Aber: Das geliebte Abschlussspiel dürfe noch nicht stattfinden. „Die Jungs fragen immer wieder, warum die Bundesliga-Fußballer spielen dürfen und sie nicht“, merkt er an.

Die Trainer, so Hendrik Schulz, müssten jetzt vor der eigentlich 75-minütigen Übungsstunde mehr Zeit investieren. Denn alles müsse mit Abstand aufgebaut werden. Mit roten Pylonen beispielsweise werde gekennzeichnet, welche Linie die beiden Fünfer-Gruppen nicht überschreiten dürften. „Wir haben im Vorfeld mit den Eltern gesprochen, dass 1,50 Meter Abstand wichtig sind, das Umarmen derzeit nicht sein soll“, blickt Hendrik Schulz zurück. Er sei froh darüber, dass alles relativ gut klappe. Und dass mit dem Training ein Stückchen Normalität zurückkomme, auch wenn Vorschriften eingehalten werden müssten. „Die Kinder wollen ihre Freunde sehen und mit ihnen spielen. Das ist etwas anderes, als mit Papa zu bolzen“, beschreibt er.

Aufwärmen ist wichtig

Dann geht es ans Aufwärmen. „Jungs, an den Abstand denken“, ermahnt Martin Kohrs, als die Regel für einen Moment in Vergessenheit geraten war. Dann gibt er die erste Dehnübung vor. Die jungen Fußballer sind danach dran. Da wird Fahrrad gefahren, Holz gehackt, Hampelmann gemacht, die Kettensäge angeworfen oder in die Luft gesprungen: alles Möglichkeiten, um den Körper fürs Kicken ins Schwung zu bringen. Mannschaftsspiele mit Abstand stehen an dem Nachmittag auf dem Programm, diesmal drei gegen drei. Dass der Ball nicht zu weit vom Fuß wegspringen sollte, muss erstmal wieder geübt werden. „Deine Mannschaft ist wichtig, guck nicht zur anderen“, gibt Martin Kohrs einem Jungen mit auf den Weg, als er rückwärts zum Ball sprintet, sich aber nicht vollkommen auf den Lauf konzentriert, sondern den Gegner beobachtet. Das Punktesammeln endet mit einem gerechten Unentschieden: Denn alle Bambinis haben sich viel Mühe gegeben. Auch das Passspiel von Kicker zu Kicker lässt sich mit Abstand üben, ebenso der Torschuss. Hendrik Schulz erklärt auch, warum das wichtig ist: Weil es kein Fußballer schaffe, von seinem Tor bis zum Gegner zu sprinten, um dann den Ball in den Maschen zu versenken. Deshalb sei es ein Mannschaftsspiel.

Die Jungs sind mit Eifer bei der Sache. Wenn etwas nicht gleich gelingt, wird es noch einmal probiert. Dafür ist das Üben wichtig. Und auch Trinkpausen sind wichtig bei sommerlichen Temperaturen.

Eis als Belohnung

Zum Abschluss gibt es noch eine besondere Überraschung: eine Runde Eis sozusagen als Belohnung, weil sich jeder richtig doll angestrengt hat. Als die Bambinis abgeholt werden, haben die Trainer noch nicht Feierabend: Hütchen und Pylonen müssen weggeräumt werden. Die Hilfsmittel, die beim nächsten Mal wieder wichtig sind.

Auch andere Diesdorfer Übungsgruppen kommen unter freiem Himmel zum Training. Die Mitglieder freuen sich auf das Sporttreiben.