Eversdorf l Frank Becker macht einen zufriedenen Eindruck. Von Abschiedsschmerz ist wenig zu spüren, wenn der gebürtige Elsässer darüber spricht, dass sein Restaurant „Winstub“ , das er zusammen mit seiner Frau Gabriela seit dem Jahr 2009 in Eversdorf führt, zum 31. Juli schließt. „Ich bin jetzt 67 Jahre alt, ich möchte langsam meine Rente genießen“, nennt er den Grund für das Ende des Lokals, das wegen seiner französischen Küche weit über die Grenzen Salzwedels bekannt ist.

Kurioserweise hatte Frank Becker ganz andere Pläne, als er vor etwas mehr als zehn Jahre der Liebe wegen nach Salzwedel zog. Ein Restaurant zu eröffnen gehörte nicht dazu. „Ich hatte zuvor mein Lokal in Südfrankreich verkauft und wollte mir den Stress nicht mehr antun“, erinnert er sich.

Mobiler Flammkuchenverkauf

Ganz ablassen konnte er von der Gastronomie allerdings nicht. Mit seiner Frau Gabriela fing er an, Flammkuchen bei Festen zu verkaufen. Durch die Decke ging ihre Geschäfts- idee jedoch nicht, denn auf ihr Produkt hatten die Altmärker nicht unbedingt gewartet. „Flammkuchen kannten damals nur wenige. Bei den Volksfesten hatten wir gegen die Gulaschkanonen keine Chance“, sagt Gabriela Becker.

Hof wurde zum Restaurant

Weil es sich nicht rentierte, mit ihrem Wagen auf den Festen zu stehen, hatten sie eine andere Idee. Sie postierten ihn einfach auf den Parkplatz vor ihrem Grundstück. Es fielen keine Standgebühren mehr an, trotzdem kam genug Kundschaft. Die blieb öfters etwas länger als nur auf eine Flammkuchen-Länge. „Viele Gäste wollten gerne noch einen Wein trinken und zusammensitzen“, berichtet Frank Becker.

Deshalb richtete er zunächst eine alte Garage ihres Vierseitenhofs her. Im Laufe der Zeit blieb es nicht dabei. Weil die Nachfrage immer größer wurde, reifte der Entschluss, doch wieder im größeren Stil zu kochen. Und so öffnete im November 2009 die „Winstub“ ihre Türen.

Neues Projekt im Sommer

Von Anfang an als Zwei-Mann-Betrieb konzipiert, setzten Frank und Gabriela Becker darauf, eine kleine, gemütliche Lokalität zu schaffen. „Es ging uns darum, alles frisch herzustellen. Unser Motto war Qualität statt Quantität“, sagt der gelernte Koch. Tische gibt es prinzipiell nur nach Reservierung. Einmal pro Woche fahren die Besitzer nach Hamburg, um die Waren beim Feinkosthändler einzukaufen. Spezialitäten wie Trüffel importieren sie direkt aus Frankreich. Bis zum Sommer wollen sie ihren Standards noch gerecht werden.

Ganz auf die französische Küche müssen die Salzwedeler übrigens nicht verzichten, wenn Frank Becker seinen Kochlöffel an den Nagel hängt. Weil seine Frau mittlerweile genauso begeisterte Köchin ist, möchte sie in der Kernstadt eine Flammkuchenstube eröffnen. Zwar nicht so groß wie die „Winstub“, aber mehr als eine Imbissbude soll es doch sein. Neben der elsässischen Spezialität sollen noch andere französische Gerichte auf der Karte stehen. Zurzeit ist sie auf der Suche nach einem geeigneten Ort. Die Stammgäste müssen also nicht allzu traurig sein.