Hoyersburg l „Wir haben es – alles ist unterschrieben", sagt Andreas Chen mit einem breiten Grinsen. Gerade sind er und seine Lebenspartnerin Sabine Decker vom Notar aus Salzwedel gekommen und haben den Kauf des Traditionslokals Bürgerholz unter Dach und Fach gebracht. „Wir fahren seit einem Jahr regelmäßig an dem Haus vorbei und wundern uns, dass das ungenutzt ist“, sagt Sabine Decker und öffnet die alte Eingangstür.

200-jährige Geschichte

Bis Ende 2015 betrieb Thomas Reichel das Lokal. Ihm folgte ein kurzes Intermezzo von April bis September 2017. Danach stand das Objekt leer. Die knapp 200-jährige Geschichte als Ausflugslokal schien beendet. Dabei kann sich die Geschichte des Gasthofes sehen lassen. Entstanden ist das Lokal um 1800. Mit dem Bau einer Bahnverbindung nahm die Attraktivität weiter zu, so dass das Lokal von 1891 bis 1914 eine wahre Blütezeit erlebte. Ob mit der Bahn, Kutsche oder mit dem Rad, das Bürgerholz galt als populäres Ausflugslokal. Nach dem Ersten Weltkrieg kamen Inflation und Arbeitslosigkeit. Zu DDR-Zeiten war es dann endgültig vorbei. Das Objekt war zu nah an der innerdeutschen Grenze.

Café statt Restaurant

Und genau diese Nähe zur einstigen Grenze macht für Sabine Decker und Andreas Chen den Reiz aus. Schließlich verläuft dort heute keine Grenze, sondern das Grüne Band. Für die beiden ökologisch geprägten Altmärker aus dem Raum Kuhfelde sind das perfekte Bedingungen. Denn genau daran knüpfen sie an. Die Landschaftsgärtner wollen ihr Wissen bei der Gestaltung des großen Areals einfließen lassen. Denn auf dem Außengelände sollen Gärten für den Anbau regionaler Obstsorten angelegt werden. „Dann können die Gäste am Wochenende selbstgebackene Obsttorten genießen“, verrät Sabine Decker: „alles regional und saisonal.“ Schließlich biete gerade die Altmark einen breiten Fundus an regionalen Obstsorten. Das ganze aber ohne Bedienung, sondern vielmehr wie ein Buffet. Das sei ein Konzept nach skandinavischem Vorbild. Die Kinder können sich derweil auf einem Spielplatz austoben. „Es muss kein Obst rund um den Planet geschifft werden“, sagt Sabine Decker.

Bilder

Gleiches wird auch die Getränkeauswahl betreffen. „Wir haben mit dem Wendlandbräu ein Bier in der Region, Diesdorfer mit seinen regionalen Produkten ebenso“, erklärt Andreas Chen weiter. Er wird übrigens an den Wochenenden als Wirt anzutreffen sein.

Startschuss am 1. Mai

Während die beiden Neu-Gastronomen durch ihr Lokal gehen, sprudeln die Ideen nur so aus ihnen heraus. Musikveranstaltungen, ein Pizzaofen, diverse Familienangebote und die Verknüpfung mit dem Naturpfad sind in der Planung. Für viele Salzwedeler wohl von Bedeutung: Am 1. Mai und Himmelfahrt ist das Ausflugslokal wie gewohnt geöffnet. Die Tradition soll gepflegt werden. Vorher soll aber noch das Außengelände aufgehübscht werden. Da werden die beiden Landschaftsgärtner ihr Wissen ausspielen. „Die Bänke an der Straße werden verschwinden“, sagt Sabine Decker und fragt: „Wer will da schon sitzen?“

„Die Öffnungszeiten an den Wochenenden werden etwa von 11 bis 18 Uhr sein“, sagt Andreas Chen. Diese seien aber je nach Veranstaltung flexibel. Als Startschuss ist der 1. Mai 2019 anvisiert. Damit beginnt für das historische Ausflugslokal im kommenden Jahr ein neues Kapitel und die Geschichte kann weitergeschrieben werden.