Salzwedel l Amtsanwältin Andrea Krüger ist aufgebracht. „Sie scheinen zu denken, dass für Sie die Straßenverkehrsordnung nicht gilt“, sagt sie an den Angeklagten gerichtet. Sie habe einen Bußgeldbescheid vorliegen, aus dem hervorgehe, dass der 54-Jährige am 5. Juli 2020 geblitzt worden sei. „Und das, obwohl Sie erst ein paar Tage zuvor zu 1200 Euro Geldstrafe wegen Fahrens ohne Führerschein verurteilt wurden“, hält sie dem Beschuldigten vor. Der sitzt am 19. Februar erneut wegen des gleichen Delikts vor Gericht, diesmal ist er sogar zweimal erwischt worden.

So ist er am 13. Juli 2020 sowie am 25. September 2020 jeweils in Beetzendorf im Altmarkkreis ohne Führerschein in einem VW von der Polizei angehalten worden. Amtsrichter Klaus Hüttermann nimmt den Ton der Amtsanwältin auf, als er sich an den Beschuldigten wendet. „Sie fahren ganz regelmäßig mit dem Auto“, sagt er suggestiv zu dem 54-Jährigen. „Warum?“ Der Angeklagte antwortet arglos: „Ich hatte Termine.“ „Sie sind doch verheiratet. Warum lassen Sie nicht Ihre Frau fahren?“, hakt Hüttermann nach. „Die kann auch nicht fahren, ich muss alles alleine machen“, ist die knappe Antwort des Beschuldigten. Er spricht kleinlaut und wirkt ziemlich eingeschüchtert.

Führerschein scheitert an MPU

2016 wurde dem Mann aus der Verbandsgemeinde Beetzendorf-Diesdorf der Führerschein entzogen, er hatte da schon mehrere Fahrverbote erhalten und mehr als acht Punkte in Flensburg, wie der Richter aufzählt. „Woran scheitert es denn, den Führerschein wiederzubekommen?“, fragt der Richter den 54-Jährigen dann. „Am Idiotentest“, sagt dieser leise und meint damit die Medizinisch-Psychologische Untersuchung zur Fahreignung, kurz MPU oder im Volksmund Idiotentest genannt. Bei dieser sei er bereits einmal durchgefallen, räumt der Angeklagte ein.

Wegen der hohen Rückfallwahrscheinlichkeit sehe sie ihn eigentlich schon im Bereich einer Freiheitsstrafe, sagt Amtsanwältin Krüger in ihrem Plädoyer an den notorischen Schwarzfahrer gewandt. Doch auch weil er alles zugegeben habe, gebe sie ihm noch eine Chance, fügt sie hinzu.

Richter Hüttermann folgt dem Antrag und verurteilt den Mann schließlich zu 120 Tagessätzen von je 60 Euro. So kommt er letztlich doch noch einmal mit einer Geldstrafe davon, doch die Amtsanwältin ermahnt ihn streng: „Das geht nicht in alle Ewigkeit mit Geldstrafen weiter!“

Richter mahnt

Auch Richter Hüttermann redet dem Altmärker dann noch einmal ins Gewissen. „Ich glaube schon, dass Sie allmählich merken, dass es für sie eng wird“, sagt er zu ihm. Und fügt hinzu: „Sie allein tragen die Verantwortung, wie es mit Ihnen weitergeht.“ Der Angeklagte nickt zu alldem beflissen mit dem Kopf. „Ich weiß, dass es falsch ist. Deshalb organisiere ich das jetzt anders“, stammelt er fast seine Schlussworte. Hüttermann gibt dem Mann dann noch einen Rat mit auf den Weg: „Auf öffentlichen Straßen haben Sie so nichts zu suchen. Sehen Sie zu, dass Sie Ihren Führerschein wiederbekommen!“

Eine weitere Verhandlung zur Straftat des Fahrens ohne Führerschein hatte der Amtsrichter vorher nochmals verschoben. Der Angeklagte dieser Strafsache war  nicht vor Gericht erschienen, während er am ersten Prozesstag am 5. Februar die Tat noch vehement abgestritten hatte. Auch die erste Verhandlung wurde schon unterbrochen, weil der Richter noch einen Zeugen hören wollte. Dieser Zeuge ist der Sohn des Angeklagten und erschien am Freitag ebenfalls nicht vor Gericht. Es könnte eine Mauertaktik sein oder es könnten wirklich jene Corona-Symptome sein, mit der die Anwältin ihren Mandanten und seinen Sohn entschuldigte. Der Fortsetzungstermin des Prozesses ist nun der 12. März.