Salzwedel l Für seine grenzenlose Gewalt, für wüste Beschimpfungen und sein aggressives Verhalten gegenüber der Polizei (die Volksstimme berichtete), hat sich ein Salzwedler (35) in einem Folgetermin vor dem Amtsgericht in Salzwedel verantworten müssen.

Was war geschehen? Der 35-Jährige soll im Juni 2017 einen Mann auf offener Straße verprügelt haben. Die Frau des Opfers, mit Kind auf dem Arm, musste zusehen. Auch ein Helfer, der eingreifen wollte, wurde mit Faustschlägen attackiert. Im Polizeiauto und im Revier ging die Gewaltspirale weiter und endete erst mit einem Arzt, der Blut entnahm und den Angeklagten versorgte, der seinen Kopf durch Schlagen auf den Polizei-Schreibtisch und gegen die Wand verletzte.

Opfer erschien nicht zum Auftakt

Da das eigentliche Opfer beim Verhandlungstag am 10. August nicht erschien, setzte Richter Klaus Hüttermann einen neuen Termin an, um Zeugen zu hören.

Als erstes holt Klaus Hüttermann einen Polizisten aus Hamburg zu sich, der seinerzeit in Salzwedel arbeitete und an dem Juni-Tag Dienst hatte. „Wir haben zwei Personen gesehen, die auf der Straße lagen“, erinnert er sich. Es war der Angeklagte, der sich mit einem zur Hilfe eilenden Mann auf dem Boden schlug. Viele Schaulustige filmten das Geschehen. „Die Sache wird geklärt wie es Männer tun und nicht wie das Gechlechtsorgan von Frauen“, drückt sich der Beamte vorsichtig bei der Beschreibung des Angeklagten aus.

Angeklagter trat im Auto der Polizei um sich

„Irgendwann konnten wir die beiden trennen“, sagt der Polizist, „er war sehr aggressiv“. Im Polizeiauto randalierte der Angeklagte, trat um sich und beschädigte die Tür des Streifenwagens. Schließlich wurde er im Wagen hingelegt und zum Polizeirevier transportiert. Richter Klaus Hüttermann will über die Tendenz des Angeklagten zur Gewalt mehr erfahren, ob die Situation durch das Eintreffen der Beamten abflachte. „Nein“, sagt der Polizist, es gab sogar eine Steigerung bis zur Wache.

Der Richter hat genug gehört und bittet eine weitere Zeugin zu sich. Sie hatte das Geschehen aus einem Geschäft beobachtet und die Polizei verständigt. „Alle die an ihm (Angeklagten) vorbei gekommen sind, wurden attackiert“, fasst sie das Gewaltpotenzial zusammen: „Er hat einen begrüßt und später hat er eine reingekriegt.“ Die Verfäuferin war während der Auseinandersetzung in der Neuperverstraße auf Höhe der Getrauden-Kapelle damit beschäftigt, den Verkehr umzuleiten, schließlich lagen Opfer und Angeklagter prügelnd auf der Straße.

Zeugnis der Brutalität

Eine junge Zeugin will gehört haben, wie das Opfer darum bat, dass der Angeklagte aufhöre. Auch sie rief die Polizei zur Hilfe, hatte Angst um ihre Sicherheit. „Hat der Angeklagte geschlagen oder getreten“, will Richter Hüttermann wissen. „Alles, glaube ich.“ Die junge Frau fühlt sich im Gerichtssaal mit dem 35-Jährigen sichtlich unwohl, ihre Mutter sitzt als moralische Unterstützung im Zuschauerbereich. „Es kam Schaum aus seinen Mund“, sagt sie verängstigt. Der Richter liest die Aussage der jungen Frau bei der Polizei laut vor. Ein Zeugnis der Brutalität. Die junge Frau bestätigt ihre einstigen Aussagen erneut und kann aufatmend den Gerichtssal wieder verlassen.

Da aber weder das Opfer zum Termin erschien, noch die Frau mit dem Kind auf dem Arm, die die Situation beobachtete, setzte Richter Klaus Hüttermann abermals einen Fortsetzungstermin an. „Wenn ich ein Urteil spreche, möchte ich, dass es hält“, sagt der Richter. Er ging davon aus, dass auch das Opfer auspackt. Somit wird weiter verhandelt. „Es ist ärgerlich, dient aber vielleicht der Sache“, sagt der Richter abschließend.