Diesdorf l Was sie da gelesen haben? „Ich bin FCM-Fan. Da lese ich die Spielberichte“, erzählt ein Mädchen. Andere wollen wissen, wie das Wetter wird und welche Unfälle passiert sind. Wieder andere mögen die Kinderseite mit den Witzen und dem Steckbrief.

„Wir finden, dass Kinder das Recht haben, das zu verstehen, was auf der Welt passiert“, erzählt Juliane Thomas, Projektmanagerin Medien bei der Volksstimme, während einer Stippvisite in der 3b. Und aus eben diesem Grund sei die Kinderzeitung Pusteblume entstanden – in der alles kindgerecht erklärt wird.
Mit Swantje Meier sei ein Pate gefunden worden, der die wöchentlichen Hefte ein Jahr lang für die gesamte Klasse finanziert. Für sie war die Entscheidung dazu eine Herzenssache: Ihr Sohn Phil drückt hier mit die Schulbank.

Die Diesdorferin hat nicht nur ihr Berufskleidung an, sondern überreicht auch noch Geschenke: Lineal, Bleistift, Gummibärchen und sogar eine Steckbrief-Vorlage, den die Kinder ausfüllen können und der dann in der Pusteblume veröffentlicht wird.

So eine Frau in Schwarz da zu haben, da sind Fragen vorprogrammiert. „Wollten Sie früher schon Schornsteinfegerin werden?“, fragt ein Mädchen. „Das war schon mein Traum im Kindergarten“, antwortet Swantje Meier. Aber der siebten Klasse sei sie in den Ferien mit einem Schornsteinfeger mitgegangen. In Gifhorn habe sie den Beruf erlernt und seit fünf Jahren einen eigenen Kehrbezirk.

„Haben Sie Höhenangst?“, lautet eine weitere Frage. „Die darf man nicht haben“, entgegnet die Schornsteinfegermeisterin mit einem Lächeln und gesteht, dass sie schon zweimal runtergefallen sei. Aber nicht aus großer Höhe.

„Das Klettern gehört zu unserem Beruf einfach dazu“, merkt sie an. Früher seien die Essenkehrer, wie sie auch genannt werden, barfuß aufs Dach gegangen, weil sie so den besten Halt hatten. Heute befinde sich eine Art Autoreifen-Sohle unter den Schuhen, damit man nicht rutsche.

Was steckt unter dem Zylinder?

Swantje Meier lüftet noch das Geheimnis, was sich unter dem Zylinder versteckt: Geld, Pausenbrot, manchmal auch Eier. Denn es gebe keine Taschen an der Berufskleidung, fügt sie hinzu. „Den Zylinder dürfen aber erst Gesellen tragen, wenn sie ihre dreijährige Ausbildung erfolgreich gemeistert haben“, erklärt der Gast.

Die Arbeit als Schornsteinfeger sei immer noch eine Männerdomäne. Als Frau müsse man sich richtig durchboxen und immer etwas besser sein, erzählt Swantje Meier. Aber als Frau habe man auch einen Bonus beim Kunden, fügt sie lächelnd hinzu. Kein Wunder, dass jemand mit Kreise mal an ihre Tür geschrieben haben, dass hier die „schönste Schornsteinfegerin Norddeutschlands“ zu Hause sei.
Ob sie oft angefasst werde, wollen die Kinder wissen. „Natürlich“, antwortet sie.

Und auch die goldenen Knöpfe an der Jacke seien nicht sicher. „Wenn ein Brautpaar einen davon abdreht, soll die Ehe lange halten“, erzählt Swantje Meier und begründet damit, warum gerade ein Knopf fehlt.
Die Drittklässler sind sehr dankbar, dass sie die „Pusteblume“ lesen können. Sie hoffen, dass sich noch viele andere Paten finden.