Salzwedel l Was der Perver Förderverein gestartet hat, soll nun die Initiative Kulturerbe vollenden: Der Glockengießer- tradition in Salzwedel ein Denkmal setzen. Als einziger Ort in der Altmark wurde dieses Kunsthandwerk im 17. und 18 Jahrhundert in der Hansestadt ausgeführt, hat Gerhard Ruff ergründet und dazu ein Buch verfasst. Auf der Grundlage seiner Forschungen soll an die Glockengießerei erinnert werden. Der Plan: ein 1600 Quadratmeter großer Glockengarten im Birkenwäldchen mit einer Skulptur als Mittelpunkt. In der ehemaligen Leichenhalle soll eine Dauerausstellung über die Glockengießerei etab- liert werden. Der klassizistische Bau ist derzeit ein bevorzugtes Ziel von Schmierern und als solches ein ständiges Ärgernis. Bereits mehrmals hat die Stadt Geld für eine Instandsetzung ausgegeben. Das soll dann vorbei sein, prophezeit Gerhard Ruff. Denn es ist geplant, das Areal mit einem schmiedeeisernen Zaun einzufrieden.

Zustimmung im Kulturausschuss

Ein Vorhaben, das bereits vor zwei Jahren konkrete Züge annahm und im Kulturausschuss des Stadtrates auf Zustimmung stieß. Der Perver Förderverein stellte einen Antrag auf Leader-Förderung, aber die Mittel des entsprechenden europäischen Fonds waren erschöpft. Zuvor sind bei einer Spendensammlung 1500 Euro zusammengekommen, um die Vorbereitungen zu finanzieren.

Die Aussicht auf eine Chance in der Leader-Förderperiode 2020/2021 hat sich nicht erfüllt. Das Projekt ist in einen anderen Fonds, als bei der ersten Antragstellung gerückt worden, für den der Lokalen Aktionsgruppe Mittlere Altmark gar kein „Budgetrahmen“ in der Höhe zur Verfügung steht. Auf der entsprechenden Prioritätenliste steht es nur auf Rang vier von fünf. Ein Fakt, den Ruff nicht versteht. Aus seiner Sicht erfüllt der Glockengarten alle Kriterien, die einer Bewertung für die Leader-Förderung zugrunde liegen.

Rund 229  000 Euro würden das Anlegen des Gartens, die Skulptur, der Umbau der Leichenhalle, die Beleuchtung und der Schmuckzaun inklusive der Planungen kosten. Ein Umfang, für den der Perver Förderverein die Verantwortung nicht mehr tragen wollte, wie Ruff berichtet. Deshalb sei die Initiative Kulturerbe gegründet worden, die inzwischen ein eingetragener Verein ist.

Eine denkmalrechtliche und andere Genehmigungen für das Projekt liegen vor. „Es könnte sofort umgesetzt werden“, so Ruff. Von der Absage der Leader-Förderung wollen sich die Akteure nicht entmutigen lassen und haben neue Förderer wie Lotto-Toto, die Deutsche Stiftung Denkmalschutz und die Ostdeutsche Sparkassenstiftung im Visier. Gehofft wird, dass sich Handwerksbetriebe einklinken, die später auf einer Tafel als Sponsoren genannt werden.

Zusammenarbeit mit der Werbegemeinschaft

Der neue Verein wolle eng mit der Werbegemeinschaft zusammenarbeiten. „Wir sind dort Mitglied und umgekehrt ist es genauso“, erzählt er. Ziel sei, eine Vernetzung und „mehr Breite zu erfahren“. Neben dem Glockengarten wird schon an weiteren Ideen gearbeitet. So sollen die Adler, die einst den Rathausturm zierten, restauriert oder ganz neu angefertigt werden. Die Elektrifizierung der Trauerglocke auf dem Perver Friedhof, Archivarbeit zur Geschichte Salzwedels, Exkursionen, Vorträge und mehr stehen auf der Agenda. Gerhard Ruff will einen Beitrag zur Geschichte der Glocke der Klein Chüdener Kirchen schreiben, die ins Freilichtmuseum Diesdorf umgesetzt wird.

Für ihren Vereinssitz haben sich die Mitglieder ein Zimmer im Neuperver Tor erkoren.