Salzwedel l Gut drei Jahre Einsatz biegen nun langsam auf die Zielgerade ein: Nach der Gründung des Perver-Fördervereins St. Georg Ende 2015 war es auf Initiative von Gerhard Ruff das erste große Projekt. Der Glockenstuhl in der St. Georg-Kirche sollte umfassend saniert werden. Daraus entstand nun auch das Projekt Glockenguss.

Wie Roland Lahmann, Mitglied des Gemeindekirchenrates und Vorsitzender des Fördervereins, im Gespräch mit der Volksstimme erklärte, fehlt jetzt nur noch der Bescheid vom Kreiskirchenamt zum „vorfristigen Maßnahmebeginn“. Lahmann hofft, dass im Herbst der Glockenstuhl der Kirche umgebaut und im Kirchgarten eine neue Glocke gegossen werden kann. „Dann wird aus dem Gebimmel – wie manche hier sagen – ein volles Geläut“, freut sich Lahmann.

Zwei Glocken aus Apolda

Doch von vorn: Seit 2016 setzt sich Gerhard Ruff federführend für eine Sanierung der bestehenden Glockenanlage ein. Dies forderte 2017 auch Christoph Schulz, Referent des Landeskirchenamtes für diese Anlagen, nach einer ausführlichen Besichtigung des Gotteshauses.

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Im Kirchturm hängen derzeit drei Glocken. Die älteste und kleinste Glocke (85 Kilogramm, 53 Zentimeter Durchmesser) stammt aus dem Jahr 1479 und wurde von Claus Backmeister in Magdeburg gefertigt. Zu einer weiteren mittelalterlichen Glocke ist wenig bekannt, diese wurde schon im Ersten Weltkrieg eingezogen. 1963 wurde das Geläut überraschenderweise um zwei Glocken aus der Glockengießerei Schilling aus Apolda (Thüringen) ergänzt – eine 90 Kilogramm (53 Zentimeter), die andere 170 Kilogramm (65 Zentimeter).

Ausfall droht

In den 1990er-Jahren erfolgte der Umbau auf den elektrischen Läuteantrieb. Heute ist der Glockenklang wenig harmonisch, heißt es. Christoph Schulz mahnte auch aufgrund des Verschleißes einen Rückbau des Glockenstuhles, neu geschmiedete Klöppel und einen sanierten Läuteantrieb an. Ansonsten drohe bald ein Ausfall.

In die Zeit dieser Erkenntnisse fielen dann die ersten Überlegungen, eine neue Glocke gießen zu lassen. Bauseitig gibt es dazu keine Bedenken. „Und wir haben dazu auch noch einen Sponsor gefunden“, freut sich Roland Lahmann, dass die Volksbank-Stiftung Hannover zwei Drittel der Gesamtkosten von rund 25 000 Euro übernimmt. Als Mutiplikator hatte der Förderverein für das Projekt geworben und zudem Spenden eingesammelt. „Die Finanzierung ist gesichert“, betont Lahmann und hofft nun darauf, das Projekt noch in diesem Jahr durchzuziehen.

Glockengießer aus den Niederlanden

Die neue Bronze-Glocke soll 320 Kilogramm schwer werden und einen Durchmesser von 82 Zentimetern haben. Dafür soll der Glockengießer Simon Laudy aus dem niederländischen Finsterwolde in den Perver kommen. Gut ein Wochenende werde der Guss dauern, schätzt Lahmann. Die neue Glocke soll das St. Georg-Wappen zieren. „Über die Inschrift sind wir uns noch nicht ganz einig“, berichtet Lahmann weiter.

Die neue St. Georg-Glocke wäre damit der vierte Neuguss in Salzwedel nach der Wende. Zuletzt bekam die Lorenzkirche einen neuen Klangkörper. Für Roland Lahmann ist aber eines ganz besonders wichtig: „Dann haben wir endlich ein echtes Geläut im Perver“.